Zeche Concordia in Oberhausen

1850 - 1968


Übersicht Concordia


Die Zeche Concordia war eine "Familiengründung". Fast alle Geldgeber kamen aus den Unternehmerdynastien Haniel, Waldthausen, Flashoff und weiteren. Die ersten Schächte wurden dann auch nach Familienmitgliedern benannt. Der Zechenname bedeutet Eintracht, wohl eine Andeutung des nur gemeinsam zu erreichendes Erfolgs der Investition. Eine finanzielle Belastung stellte der Bergzehnte dar, der bis 1871 gezahlt werden musste (nähere Infomationen dazu unter Alstaden. Auch aus diesem Grund und dem hohen Kapitalbedarf beim Schachtabteufen bestand von Anfang an eine Aktiengesellschaft. 1850 waren die meisten Zechen Gewerkschaften, bei denen die Anteilhalter der Kuxen (vergleichbar mit Aktien) mit ihrem Vermögen hafteten. Zwischen 1877 und 1890 bestand die Rechtsform der Gewerkschaft. Die damalige Konjunkturkrise konnte mit eigenen Mitteln besser überstanden werden als mit der Ausgabe von Aktien. So überstand die Zeche, jetzt Gewerkschaft Zeche Concordia die Krise gut und konnte den Betrieb immer auf dem technisch neuesten Stand halten. Ab 1890 bestand die Concordia Bergbau-AG, die neben den Zechengründern zum erstenmal fremde Aktionäre umfasste. Da ohne eine Kooperation mit einem Hüttenkonzern langfristig keine zusätzliche Betriebssicherheit (wie bei den meisten Zechen) bestand kam es ab 1914 zur Zusammenarbeit mit der AG Rombacher Hüttenwerke in Luxemburg. Als diese 1918 ihre Erzgruben und Hochofenaanlagen in Lothringen verlor musste sich die Zeche neu orientieren. 1926 wurde das Kapital der jetzt als Rombacher Hüttenwerke, Abteilung Oberhausen geführten Zeche mehrheitlich von der Kokswerke und Chemische Farben AG (später mit Schering fusioniert) mehrheitlich übernommen. Es folgte eine stärkere Ausrichtung zu Betrieben der Gaswirtschaft und der Kohlechemie, die auch nach dem 2. Weltkrieg andauerte.
1951 wurde das Feld der 1928 stillgelegten Zeche Roland übernommen. Der Plan, dort wieder Kohle abzubauen wurde wegen der einsetzenden Bergbaukrise nicht mehr realisiert. Am neu errichteten Fördergerüst über Schacht Roland 2, der nach der Stilllegung nur abgedeckt worden war entstanden keine weitern Betriebsgebäude. Das Auffahren von Verbindungsstrecken unter Tage wurde eingestellt und 1961 der Anschlussplan fallen gelassen.
Die Zeche Roland lag ursprünglich auf Mülheimer Gebiet, war aber betrieblich auf den Bahnhof Oberhausen ausgerichtet. Bei der kommunalen Neuordnung 1910 wurde das Gelände der Stadt Oberhausen zugeschlagen.
Starke Bergschäden im Bereich des heutigen Hauptbahnhofs verursachten die Entstehung eines Bergsenkungssees, der schnell die Bezeichnung "Concordia-See" erhielt. Durch ihn kamen die Planungen für die Anlage einer Stadtmitte der Stadt Oberhausen, die in der fast unbesiedelten Lipper Heide entstand ins Stocken. Durch die Industrialisierung gab es hier ein so starkes Wachstum, dass Oberhausen mit der Entwicklung in den USA verglichen wird. Hier ist das Straßennetz einmalig für das Ruhrgebiet "vom Reissbrett" mit rechtwinklig angeordneten Straßen.
Die Concordia Bergbau AG befand sich zuletzt im Mehrheitsbesitz der Schering AG. Diese beabsichtigte am Ende der Kohlenkrise der 1960er Jahre, sich vollständig aus dem Steinkohlenbergbau zurückzuziehen. Daher sollte die Zeche Concordia stillgelegt werden, obwohl durch die hohe Produktivität fast immer mindestens fünf Prozent Rendite erwirtschaftet wurden. Allerdings hatte man kaum in die Technik unter Tage investiert, da man lange einen Vorsprung hatte. Daher lag die (wichtige) Messgröße geförderte Tonnen pro Mann und Schicht bei knapp 1,6 ab der Währungsreform bis 1958. Danach stieg er bis 1966 auf 3,3 und lag 11% über dem Ruhrgebietsschnitt. Möglich wurde dies durch weitere Mechanisierung (ab 1961 90%, 1965 100%). Gleichzeitig wurden weniger Bergleute gebraucht. Die eingesparten Mittel ermöglichten den Bau einer Brikettfabrik an Schacht 2/3, da hier die Fettkohle abgebaut war. Man hoffte die Chargen der 1966 stillgelegten Zechen Heinrich und Rosenblumendelle übernehmen zu können. Dazu wurde eine zweite Presse aufgestellt. Das kostengünstige Heizöl zerschlug diese Hoffnung. 1967 kam es zum Stilllegungsbeschluss.
Massive Bürgerproteste führten dazu, dass die Zeche vom Land Nordrhein-Westfalen und anderen Investoren übernommen werden sollte. Da dieser Plan relativ unrealistisch war, musste die Zeche 1968 trotz noch vorhandener schon vorgerichteter Vorräte und hoher Produktivität stillgelegt werden. An den Demonstrationen beteiligten sich Bürger und Geschäftsleute. Mit bis zu (geschätzen 35000) Teilnehmern waren es im Ruhrgebiet die größten bis zu diesem Zeitpunkt. Der Mutterkonzern Schering AG hätte mit Dividenden, die in den Vorjahren 17 - 18% betrugen durchaus die Verluste verkraftet. Fatal war in diesem Kontext die Stilllegungsprämie von 23 Mio. DM (mehr als das Kapital der Concordia Bergbau-AG). Die Schering AG machte zusätzlich satte Gewinne, da sich der Aktienkurs der Zeche nach dem Stilllegungsbeschluss fast verdoppelte. Dazu kamen Erlöse durch verwertbares Materials beim Ausrauben, dem Abriss der nicht vermarktbaren Betriebsanlagen und dem Verkauf der Flächen.
Bei Schlagwetterexplosionen auf Concordia 4/5 starben 1917 drei Bergleute und 1918 weitere 24 und 1934 drei. 1938 forderte auf Concordia 2/3 ein Gebirgsschlag acht Todesopfer.


Concordia

Concordia 1/2/3
Der Schacht 1 wurde direkt am Oberhausener Hauptbahnhof abgeteuft. Die Schächte 2 und 3 liegen auch noch sehr nahe am Stadtzentrum. Ab 1872 bildete sich durch Bergsenkungen der "Concordia-See", der erst 1882 trocken gelegt wurde. Danach konnte die Innenstadt von Oberhausen wie geplant ausgebaut werden. 1860 wurde hier eine der ersten Kohlenwäschen im Revier gebaut. Ohne sie konnte die abgebaute Fettkohle nur unzureichend verkokt werden. Koks war zum Beginn der Industrialisierung das am besten absetzbare Produkt der Zechen. Zeitweilig wurden Lokomotiven damit betrieben. Später kam Esskohle zum Einsatz.
1862 wurde im Schacht 2 eine sog. Fahrkunst in Betrieb genommen, die als letzte im Ruhrgebiet bis 1883 bestand. Die Seilfahrt verdrängte diese veraltete Technik, die im Harzer Erzbergbau entwickelt wurde. Trotzdem wurden später technische Neuerungen aufgegriffen, wie die Streckenseilbahnförderung unter Tage mit elektrischem Antrieb im Jahr 1897. 1899 brannten am Schacht 1 fast alle Betriebsgebäude ab. Beim Wideraufbau erhielt der Schacht ein Strebengerüst, das offenbar später zu eienm Doppelbock erweitert werden sollte. Der Schacht wurde 1938 nach einem Bruch aufgegeben und verfüllt, da im selben Jahr der modernisierte Schacht 2 wieder in Förderung ging. Nach der Stilllegung lief die Brikettfabrik am Schacht 2/3 noch ein knappes Jahr weiter.
Heute befinden sich auf dem Gelände von Schacht 2/3 u.a. ein Einkaufszentrum und das städtische Berufskolleg. Der Schacht 2 dient weiter der zentralen Wasserhaltung der RAG und ist mit einer Befahrungseinheit ausgestattet. Das lange Zeit erhaltene zweeietagige Gerüst in Vollstrebenbauweise wurde in der Unterhaltung zu teuer und verursachte bei starkem Wind Vibrationen, die den Betrieb des Kollegs beinträchtigten. Daher wurde es zurück gebaut. Im Schacht wird auch Sole gefördert, die seit 1973 zum Solebad Mülheim-Raffelsberg geliefert wird (davor von der Zeche Alstaden).
Der Schacht 3 liegt im Grünbereich einer Seniorenwohnanlage und wurde wegen akuter Einsturzgefahr 2010 saniert.
Am Schacht 1 befindet sich ein Verbrauchermarkt, der Schacht liegt im Grünstreifen des Parkplatzes und ist am Revisionsdeckel zu erkennen. Eine Tafel informiert über den Betrieb von Schacht 1. Die letzten erhaltenen Gebäude nutzt seit 1979 das alternative Jugendzentrum Druckluft.

Concordia 4/5
Nördlich der Innenstadt in Oberhausen-Buschhausen befand sich das Gelände von Schacht 4/5. Auf diesen Standort war der gesamte Untertagebetrieb ausgerichtet, da hier das Zechenkraftwerk und der Hafen lagen. Im 2. Weltkrieg gab es hier im Vergleich zu Schacht 2/3 wenige Schäden. Die hier betriebene Kokerei mit den angeschlossenen Betrieben zur Verwertung der anfallenden Koksnebenprodukte arbeitete bis zur Stilllegung. Daraus ist ein Chemiebetrieb entstanden, der auch heute noch besteht. Das restliche Areal wird gewerblich genutzt (u.a. Einkaufen, Tennishallen). Dabei werden einige erhaltene Gebäude weiter genutzt. Die gesamte Anlage ist umfassend dokumentiert. Das Ehepaar Hilla und Bernd Becher hat eine Fotoserie erstellt, die alle vorhandenen Gebäude und Produktionanlagen umfaßt. Beide gelten als Pioniere der Dokumentation von Industrieanlagen. 2007 wurden die vor der Stilllegung entstandenen Fotos in einem Bildband (Zeche Concordia) im Format 28 x 28 cm veröffentlicht.
Einen großen Teil der früheren Betriebsfläche nimmt eine Müllverbrennungsanlage am Standort des Zechenkraftwerks ein. Sie nutzt auch den ehemaligen Zechenhafen am Rhein-Herne Kanal. Die beiden Schächte liegen nicht frei zugänglich auf Firmengelände.

Concordia 6
Der Schacht 6 (Luftschacht) liegt schon am Rand des Grubenfeldes. Er wird seit der Stilllegung für die zentrale Wasserhaltung der DSK genutzt und hat ein kleines Befahrungsgerüst, das das ursprüngliche denkmalswürdige deutsche Strebengerüst mit zwei übereinander liegenden Seilscheiben ersetzt hat. Der Plan, Schacht 6 für Freifallversuche umzubauen wurde nicht verwirklicht.
Seit 2008 haben sich mehrere Theatergruppen im sanierten Werkstattgebäude eingerichtet. Es können auch Räume für Präsentationen oder private Feiern angemietet werden. Der sehr abwechslungsreiche Spielplan kann unter Theater an der Niebuhrg eingesehen werden. Für Besucher mit Wohnmobilen werden Stellplätze angeboten.

Roland

Roland
Die Zeche Roland bestand von 1847 - 1928 und förderte durchschnittlich 200000 - 250000 t/a jährlich mit dem Maximum von 287811 t 1926. Der Name bezieht sich auf die Hanse, deren Symbolfigur der in vielen Städten (etwa Bremen) als Ritter aufgestellte Roland war. Beim Abteufen führten Wasserzuflüsse in knapp zehn Metern Teufe zu massiven Problemen. 108 (!) Pumper konnten das Wasser kaum kurzhalten. Erst nach dem Ausmauern des Schacht und dem Aufstellen einer Wasserhaltungs- und Fördermaschine konnte ab 1849 weiter geteuft werden (mit Schlägel und Eisen). Ab 1855 begann die Förderung. Jährlich waren im Schnitt nur 25 m Abteuffortschritt erreicht worden. Bis 1898 lief der Betrieb unter Ver. Roland. 1904 übernahm die Harpener Bergbau-AG die Zeche und baute sie aus. Ab 1905 wurden die Restkohlen der stillgelegten Zeche Sellerbeck in Mülheim abgebaut. Die Zeche baute kuzzeitig (nach 1860) auch Eisenerz ab, da ihr Feld im Bereich der Kohleneisensteinzone im südlichen Ruhrgebiet lag. Bis zum Abbau der höherwertigen Erze z.B. in Lothringen und verbesserten Verhüttungtechniken war dies durchaus lukrativ. 1906 ging die Brikettfabrik in Betrieb. Der neue Förderschacht 2 war nur von 1921 bis 1828 in Nutzung. Die Danziger Straße verläuft heute auf der ehemaligen Trasse der Anschlussbahn zum Bahnhof Oberhausen. Sie wurde nicht mehr fertig gestellt, da die Stilllegung 1928 völlig überraschend kam. Die Zechenverwaltung war während der NS-Zeit als Kaserne und Haftanstalt für Regimegegner.
Das ehemalige Betriebsgelände ist teilweise mit Wohnungen bebaut. Der Schacht 1 liegt in der zugehörigen Grünanlage, erkennbar am Schachtdeckel in der Böschung des Lärmschutzwalls, daneben der Luftschacht wenige Meter entfernt. Auf der nördlichen Seite der Danziger Straße befindet sich ein Gewerbegebiet. Darin liegt der Schacht 2, der lange mit einer auffälligen Tafel markiert war. Seit diese durch eine kleine Koordinatentafel wurde ist er in der Fläche am Rand eines Gewerbebetriebs kaum noch auszumachen. Er wurde 1956 bis zu einer Teufe von 15 m aufgewältigt und gegen Wasserzuflüsse abgedichtet. Das 1958 errichtete Fördergerüst kam nicht mehr zum Einsatz.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
1 (Haniel) 1850 1853 1939 643 1854-1908
2 (Flashoff) 1856 1859 Wasserhaltung 957 1879-1925
3 1893 1895 1968 639  
4 1900 1903 1968 854 1906-1968
5 1903 1905 1968 643  
6 1912 1913 Wasserhaltung 791  
Roland 1 1847 1856 1928 358  
Wetterschacht 1892 1893 1928 65  
Roland 2 1915 1921 abgedeckt/1968 648  


maximale Förderung 1.619318 t 1965
durchschnittlich 1 -1,5 Mio. t/a


Concordia 1
Schacht Concordia 1 Zufahrt, rechts Druckluft
Concordia 1
Schacht Concordia 1 im Grünstreifen
Concordia 1
Schacht Concordia 1 Infotafel
Concordia 1
Schacht Concordia 1 Revisionsdeckel
Concordia 2/3
Schacht Concordia 2/3 im Jahr 1950
Concordia 2
Schacht Concordia 2
Concordia 2
Schacht Concordia 2
Concordia 2
Schacht Concordia 2 Befahrung
Concordia 3
Schacht Concordia 3 vor der Sanierung
Concordia 3
Schacht Concordia 3 vor der Sanierung
Concordia 3
Schacht Concordia 3 nach der Sanierung
Concordia 4/5
Schacht Concordia 4/5 im Jahr 1950
Concordia 4/5
Schacht Concordia 4/5 im Jahr 1959
Concordia 4/5
Gewerbegebiet am Schacht Concordia 4/5
Concordia 6
Schacht Concordia 6 im Jahr 1978
Concordia 6
Schacht Concordia 6
Concordia 6
Schacht Concordia 6
Concordia 6
Schacht Concordia 6 Magazingebäude
Concordia 6
Concordia 6 Theater an der Niebuhrg
Concordia 6
Concordia 6 Infotafel
Roland
Zeche Roland um 1921, Gerüst von Schacht 2 über Abteufgerüst
Roland
Roland Schacht 1
Roland
Roland Schacht 1
Roland
Roland Schacht 1
Roland
Roland Wettterchacht
Roland
Roland Wettterchacht
Roland
Roland Schacht 2
Roland
Roland Schacht 2

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