Fahrkunst

Die Fahrkunst wurde 1833 erstmalig im Harzer Erzbergbau eingesetzt. Der Begriff Kunst bedeutete immer, dass maschinelle Hilfsmittel benutzt wurden. Das galt vor allem für die Wasserhaltungen, bei der ein Antriebsrad nach dem Prinzip der Wassermühle den Hebemechanismus bewegte. Später überhahmen Dampfmaschinen diese Funktion. Im Ruhrgebiet kam die Fahrkunst nur bei wenigen Zechen zum Einsatz, da bei den relativ geringen Teufen ein Zugang über Leitern, den sog. Fahrten ausreichte. Daraus leitet sich der Begriff Fahren ab, wie bei der Seilfahrt (Fahren am Seil). Die Zeche Gewalt in Essen-Überruhr war 1852 schon bei einer Teufe von 311 m. Daher baute sie eine dampfgetriebene Fahrkunst, um die Ein- und Ausfahrt zu verkürzen. Damit war sie eine Ausnahme, da mit verbesserten Seilen die Erlaubnis zur Seilfahrt gegeben wurde. Weitere Ausnahmen war die Zeche Prosper 1 in Bottrop (s.u.) und Concordia 1 in Oberhausen.



Das Bild zeigt einen Schacht mit einer Fahrkunst, bei der ein Bergmann gerade von einem Tritt auf den anderen wechselt. Die Seile an denen sie befestigt sind bewegen sich ständig auf und ab. Der Abstand der Tritte ist genauso groß wie ein Hubtakt. Damit erreicht der Bergmann den jeweils höheren oder tieferen Tritt. Das Verfahren ist nicht sehr schnell, aber brachte körperliche Erleichterung. Zur Sicherheit sind auch die traditionellen Fahrten eingebaut, die von dem zweiten Bergmann benutzt werden.


Rechts ist ein Schnitt durch den Schacht Prosper 1 dargestellt. Schächte werden auch heute in Trumme aufgeteilt, die nach der jeweiligen Funktion benannt sind. Hier sind zwei Trumme für ein- und ausziehende Luft (Wetter) zu erkennen, die durch einen Wetterscheider getrennt sind. Alle Einbauten waren aus Holz innerhalb der gemauerten Schachtröhre. Da keine 100%ige Abdichtung möglich war, blieben Schächte wie dieser Ausnahmen. Die Regel war ein zweiter (Luft-)Schacht. Im Pumpentrumm waren die Rohre der Wasserhaltung eingebaut. Als 1895 die Fahrkunst ausgebaut wurde, war die Seilfahrt für Personen erlaubt. In den Fördertrummen fand zwar immer Seilfahrt statt, aber nur mit Förderkörben für Kohlewagen. Bis sichere Drahtseile (statt Hanfseilen) entwickelt waren rissen die Seile öfter. Dabei kamen immer wieder Bergleute um, die das Verbot, am Seil zu fahren missachteten. Sie versuchten schneller vor Ort zu sein, da der Weg dorthin zur Arbeitszeit zählte.


Das nebenstehende Schema verdeutlicht die Arbeitsweise einer Fahrkunst. Man erkennt den ständigen Wechsel von den sich auf und ab bewegenden Tritten am Gestänge in der Mitte zu den festen seitlichen Tritten. Im Gegensatz zu den obigen Bild konnten hier zwei Bergleute gleichzeitig ein- und ausfahren, da die Fahrkunst doppelseitig ausgelegt war.