Zeche Deutschland in Haßlinghausen

1856 - 1925


Deutschland Übersicht


Die Zeche Deutschland war der letzte Versuch südlich der Ruhr eine Großzeche aufzubauen. Im Bereich der Schachtanlage hatten Stollenbetriebe und kleine Zechen Jahrhunderte lang Kohlen abgebaut. Wegen schlechter Infrastruktur, Kapitalmangel und geologischer Probleme hatten fast alle Betriebe aufgegeben, obwohl noch große Kohlenvorräte anstanden. Diese sollten ab 1871 mit der Neugründung abgebaut werden. Dieses Vorhaben scheiterte an den schon genannten Gründen, da mit den großen Tiefbauanlagen im Norden des Ruhrgebiet eine nicht schlagbare Konkurrenz bestand. Letzlich war die wirtschafliche Macht der Nordzechen so groß, dass sie die Zeche kauften (hier 1912 Ver. Constantin der Große) und bei Bedarf stilllegten, um die Fördermenge der eigenen Produktion zuzuschlagen (Kohlesyndikat). Damit war der "Lumpensammler" Geschichte.
Die Gründe dafür waren i.W. durch die Geologie vorgegeben. Im Süden waren nur die ältesten Flöze des Ruhrkarbons aufgeschlossen, von denen wenige bauwürdig waren. Mit bis zu 4,5 m Mächtigkeit lag das Flöz Geitling (Hauptflöz) deutlich über denen der meisten Flöze im Ruhrgebiet, daneben waren aber nur ein paar weitere Flöze bauwürdig. Je länger ein Flöz abgebaut wurde, desto weitere Wege entstanden untertage zu den Abbaustellen. Durch das gebirgige Relief gab es kaum Flächen für größere Betriebsanlagen und der Kohleabtransport war schwierig. Die wenigen "Großzechen" konnten nur mit einem Eisenbahnanschluss überleben. Diese Tiefbaubetriebe entstanden etwa 50 Jahre später als die im nördlichen Ruhrgebiet. Die Stollenzechen im Feld Deutschland waren länger in Betrieb, da durch Erbstollen zur Wasserableitung sehr viel größere Abbauhöhen gewonnen wurden als etwa im Ruhrtal. Statt der übliche 20 - 50 m waren es hier oft deutlich über 100 Meter. Damit konnten Stollenbetriebe auch länger ohne maschinelle Wasserhaltung arbeiten.
Stollenbergbau ist nicht automatisch unproduktiv, aber durch die Topografie lagen die Förderschächte ungünstig zu den Absatzrouten, da sie an den Stollenverlauf gebunden waren. Die Gründung von Deutschland fasste zwar alle alten Betriebe zusammen, erfolgte jedoch zu spät, um konkurrenzfähig zu den Nordzechen zu bleiben. Die etwas nördlicher gelegene Zeche Alte Haase war erfolgreicher und konnte bis 1969 überleben.
Die Vorgängerbetriebe von Deutschland waren z.T. Jahrhunderte alt und durch die Geologie bedingt sehr lange eigenstängige Anlagen ohne die sonst üblichen Fusionen. Die Übernahme des stillliegenden Bergwerks Frischer Morgen erfolgte vor 1883.
Im Jahr 1905 wurden die Schächte Hövel und Heinrich (Wetterschacht) an die Zeche Ver. Neu-Herzkamp für Eisensteinabbau und -förderung abgegeben (Vertrag bereits 1911 wieder gelöst). Im selben Jahr wurde ein Aufhauen von der 338 m-Ulenbergsohle zur 80 m höheren Beustsohle erstellt, um Förderwege unter Tage zu verbessern. Am Schacht Ulenberg kam es zur Inbetriebnahme einer Kokerei und untertage zum Einsatz von Benzinlokomotiven. Damit befand sich der Betrieb auf dem damals ublichen technischen Standard. Allerdings waren insgesamt acht Schächte in Betrieb, die relativ weit verteilt waren.
Eine Besonderheit im Grubenfeld war der Abbau von Kohleneisenstein, der stellenweise in den Flözen so stark angereichert war, dass sich ein Abbau lohnte. Auf dieser Grundlage entstand die Haßlinghauser Hütte (siehe weiter unten).

Die Vorgängerbtriebe im Bereiche der späteren Hauptanlage von Deutschland waren relativ kleine Stollenzechen, die mehr oder weniger erfolgreich waren und schon sehr früh mit dem Abbau begannen. Einen Überblick der unübersichtlichen Entwicklung bietet ein vereinfachter Stammbaum.

Nach dem 2. Weltkrieg entstanden im Grubenfeld mehrere Kleinzechen. Diese bauten Kohlereste in Pfeilern ab, die beim früher üblichen Abbau zur Sicherheit stehen blieben (Pfeilerbruchbau). Dazu kam Kohle, die für den Abbau mit Schlägel und Eisen zu hart war, aber nicht für den Presslufthammer. Hier sind einige davon beschrieben.

Die größeren Zechen, die in Deutschland aufgingen werden im Folgenden ausführlicher beschrieben.


Ulenberg

Beust

Rudolf
Die Hauptbetriebsanlagen von Deutschland befanden sich in Haßlinghausen. Hier gab es einen Bereich, in dem ausreichende Flächen für die nötigen Betriebsgebäude, Zechenbahnhof und die Halde vorhanden waren.
1871 begann mit der Konsolidation der oben beschriebenen Zechen die Vorbereitung zum Ausbau einer Tiefbauanlage. Alle Vorgänger hatten bis zur Stollensohle ihre Vorräte abgebaut oder standen kurz davor. Unter der Stollensohle standen noch größere Vorräte an. Dieser Bereich wurde mit dem noch unverritzten Feld Deutschland zusammen gelegt, dessen Bezeichnung zum Namen der gepanten Zeche wurde. Von 1872 bis 1876 wurde der Schacht Rudolf tiefer geteuft und von dort die neuen Sohlen aufgefahren. 1877 begann die Förderung in der Schächten Rudolf und Harkort.
Die Förderkapazitäten der beiden Schächte waren langfristig zu gering. Daher wurde ab 1891 der Schacht Ulenberg abgeteuft. Er nahm 1893 den Betrieb auf. Dies war auch der Beginn des "echten" Tiefbaus. In der Nähe entstand später auf dem Gelände der ehemaligen Haßlinghauser Hütte die Kokerei. Sie wurde 1914 in Betrieb genommen und sofort stillgelegt. Die Koksmenge konnte auf die Quote der Zeche Constantin der Große aufgeschlagen werden. Diese hatte 1912 Deutschland erworben und wohl schon damals die Förderquote im Blick, die bei Stilllegung als "Beute" mitgenommen wurde. Durch die Konsolidierung mit Stock & Scherenberg im Jahr 1902 verbesserten sich die Zukunftaussichten, da die neu erschlossenen Kohlevorräte größer als die eigenen waren und über der Fördersohle anstanden. Der übernommene Schacht Beust wurde ab 1904 zum Bergeversatz genutzt, Schacht Rudolf wurde Material- und Bergeschacht. Daneben fand auf allen Schächten Seilfahrt statt.
1913 ereichte die Förderung den Höhepunkt und fiel nach dem Krieg auf weniger als die Hälfte. 1924 wurde die Anlage Ulenberg stillgelegt. 1925 folgte der Restbetrieb. Danach wurden alle Anlagen abgebrochen. Die Betriebsfläche von Schacht Ulenberg ist Teil eines Gewerbegebiets. Der Schachtbereich mit der Revisionsöffnung ist verwildert. Am Schacht befindet sich eine Revisionsöffnung. Die abgetragene Haldenfläche nutzt ein Gewerbebetrieb. Das Schachthaus von Harkort ist in einem größeren Wohnhaus aufgegangen. Es ist als solches nicht mehr erkennbar. Nur noch die Proportionen und die nördliche angesetzte Erweiterung deuten auf das frühere Gebäude hin. Am Schacht Beust steht noch das zum Wohnhaus umgebaute historische Maschinenhaus der alten Schachtanlage. An seiner Giebelseite sind Reste der Schachthalle des später gebauten Fördergerüst zu sehen. Vom erst 1985 verfüllten Schacht ist nichts erkennbar, da er keine Revisionsöffnugng hat.

Stock & Scherenberg

Diese Anlage war eine der ältesten im gesamten Ruhrgebiet und entstand aus vielen kleinen Stollenbetrieben.

Durch die Konsolidierung von Ver. Stock & Scherenberg und Herzkämper Mulde enstand 1898 Stock & Scherenberg. Im Wesentlichen war dieser Betrieb nur die Vorbereitung für die Konsolidation zu Deutschland, die 1903 erfolgte. Dazu wurden untertägige Verbindungstrecken aufgefahren. 1900 wurde das Fördermaximum von 117736 t erreicht. Dazu kamen 7237 t Eisenerz der angeschlossenen Zeche Union I.

Stock & Scherenberger Erbstollen
Während des Betriebs von Deutschland war der Schacht Beust für die Seilfahrt in Nutzung.
Eine ausführliche Darstellung des aktuellen Zustands des Stock & Scherenberger Erbstollen findet sich auf der Site des Vereins Forschungs- und Besucherbergwerk Stock und Scherenberger Erbstollen. Hier kann auch eine Befahrung vereinbart werden. Diese ist für Menschen von etwa ab 1,75 m Körpergröße etwas mühsam, da man die meiste Zeit gebückt gehen muss. Befahrungen werden regelmäßig im Rahmen des im Mai stattfindenen Sprockhöveler Bergmannstags angeboten. Infos gibt es unter Bergbauaktiv Ruhr. Da dieses Besucherbergwerk in seiner Art im Ruhrgebiet einzigartig ist folgt hier eine Fotostrecke. Das bei der Gängigmachung anfallende Gestein wird mit "Bollerwagen" abtransportiert und am Lichtloch 1 gehoben. In der Anfangszeit der Arbeiten am Stollen sendete der WDR einen Beitrag, der hier angesehen werden kann.



Infotafel zum Erbstollen

Stollenmundloch mit "Arbeitsgerät"

Besuchergruppe vor der Befahrung

Lichtloch Nr. 1 im Wald nahe des Mundlochs

Blick in das Lichtloch

Typisches Stollenprofil

Flöz Geitling im Stollen als Aufschluss

Impression aus dem für Besucher zugäng- lichen Stollenbereich

Impression aus dem für Besucher zugäng- lichen Stollenbereich

Impression aus dem für Besucher zugäng- lichen Stollenbereich

Impression aus dem für Besucher zugäng- lichen Stollenbereich

Impression aus dem für Besucher zugäng- lichen Stollenbereich

Herzkamp


Sieper & Mühler Gruben

Stöckerdreckbank

Herzkampämper Stollen

Sieper & Mühler

Schacht Hoevel
Seit etwa in Betrieb, erste Gewerken: Engel auf der Mühle und Johann Siepermann. Danach bestand der Familienbetrieb etwa 100 Jahre lang. Er war neben Stock & Scherenberg (auf Familienbetrieb) lange der größte im märkischen Revier. Dabei wurde um 1739 nur 1000 t mit zehn Bergleuten gefördert und dabei hoch profitabel. Bis 1796 stieg die Förderung auf 10480 t. Danach kam es zu einer längeren Stillstandsphase, da man auf den neuen Herzkämper Erbstollen wartete, der Abbau unter der Stollensohle ermöglichte. Ab 1825 lebte der Abbau wieder auf. 1827 starben beim Stollenauffahren vier Bergleute durch matte Wetter. Offenbar wurde aus diesem Grund zusammen mit Glückauf der Schacht Hoffnung abgeteuft. Von 1832 bis 1846 wurde der Erbstollen bis auf insgesamt 3,8 km vorgetrieben. Zur Förderung dienten viele kleinere Schächte. Auf den wichtigten standen Pferdegöpel, die mehrfach umgesetzt wurden.
Mit den Teufen von Schacht Hövel konzentrierte sich die Förderung an diesem Standort. Die Förderung stieg ab 1862 von rd. 5000 t/a auf 8000 - 10000 t. Die 1855 erreichten 12406 t wurden 1884 mit 13367 t Maximalförderung übertroffen. 1889 kam die Konsolidierung zu Herzkämper Mulde.
Obwohl die Kohle kaum Methan enthielt kam es zu zwei Schlagwetterexplosionen. 1870 starben vier Bergleute und 1875 zwei. Die Ursache lag in den im Hangenden von Flöz Hauptflöz enthaltenen Goniatiten mit Einschlüssen von Methan. Durch die beim Abbau entstehenden Risse kann das darin enthaltene Methan ausgasen. Die mit vielen muschelartigen Schalenresten durchsetzten Goniatiten sind meist etwa faustgroß, können auch Metermaß erreichen. Diese schweren Brocken lösten sich wegen ihres Gewichts oft ohne erkennbare Vorzeichen und erschlugen Bergleute. Sie hatten daher die Bezeichnung "Sargdeckel".
Nur kurze Zeit bestand der Betrieb Herzkämper Mulde, der 1889 durch Konsolidierung der Sieper & Mühler Gruben mit Glückauf entstand. Der Schacht Hövel wurde 1890 tiefer geteuft und zur Hauptförderanlage. 1891 wurden eine Brikettfabrik und eine Kokerei gebaut, beide eher Kleinbetriebe. Der Schacht Heinrich wurde 1895 aufgegeben, ebenso die Kokerei. Die Brikettfabrik folgte vor 1898 als wegen ständiger Zubußen die Konsolidation zu Stock & Scherenberg stattfand.
Die Zeche Neu-Herzkamp wurde 1855 zum Abbau von Kohleneisenstein gegündet. Vorher waren dazu die Felder neu verliehen worden, um das Erz zukünftig systematisch abzubauen. Gefördert wurde im Schacht Söhngen von Sieper & Mühler. 1876 wurde der alte Schacht von Stöckerdreckbank zu übernommen. Das Grubenwasser wurde durch den Stollen abgeleitet. Es folgte eine Pause bis 1905 mit der erneuten Betriebsaufnahme. Dabei wurden der Schacht Hövel mit Wetterschacht Heinrich von der Zeche Deutschland übernommen. 1906 wurde der Schacht Söhnchen (= Söhngen), auch genannt Gustav abgeteuft. Mit der Auflösung des Pachtvertrags 1911 endete der Betrieb.
Die Belegschaft lag bei 40 Mann 1905 und bei 70 bis 72 gegen Betriebsende. Die Förderung betrug 1905 1622 t Steinkohle + 1998 t Erz, 1907 15332 t Steinkohle + 2398 t Erz und 1910 14872 t Steinkohle + 2822 t Erz. Die Kohle diente dem Eigenverbrauch, das Erz wurde zur Haßlinghauser Hütte geliefert.

Dachs & Grevelsloch


Dachs & Grevelsloch
Im Jahr 1784 wird ein Betrieb Dachs genannt. Wahrscheinlich ist er identisch mit Dachs & Grevelsloch. Dasselbe gilt für Grevelsloch. Er wird 1739, 1784 und 1787 erwähnt.
Dachs & Grevelsloch wurde 1715 verliehen. Bis 1799 lief ein relativ regelmäßiger Betrieb, allerdings auf relativ niedrigem Niveau. Profit wurde auf jeden Fall erziehlt, da die Hauerleistung pro Schicht bei sieben Tonnen statt der üblichen vier lag. Dies fiel dem Freiherrn vom Stein auf, als er 1784 als preußischer Bergdirektor das südliche Ruhrgebiet bereiste. Die Zeche hatte im Raum Hasslinghausen ein Alleinstellungsmerkmal. Die verliehenen Flöze verliefen 2,55 km ohne geologische Störungen. Es waren die Schmale Bank (Hauptflöz 1 - 1,1 m mächtig), Breite Bank (Dreckbank - 0,9 bis 2,1 m) und Striepen (Neuflöz mit ca. 20 cm Kohle nicht bauwürdig). Sie waren sehr steil gelagert (97,5 gon), was aber bei der damaligen Abbautechnik eher von Vorteil war. Dazu lieferten sie beste Schmiedekohlen.
1821 begann am Schacht Aurora der Zeche Adler ein Neuanfang. Im selben Jahr wird auch der Schacht Theodor genutzt. Ab 1835 kam der Schacht Rudolph in Förderung. Er erhielt 1838 eine Dampffördermaschine. 1845 lag die Förderung bei 7232 t. 1855 wurde der Schacht noch einmal modernisiert. Ein Dampfgöpel konnte von der Zeche Trappe erworben werden. Für den besseren Absatz der Kohle baute die Zeche 1858 eine Kokerei auf dem Gelände der Haßlinghauser Hütte. Sie hatte primitive Bienenkorböfen und bestand bis 1862. Die eingesetzte Kohle eignete sich nur bedingt zur Verkokung. Ein Teil der Esskohlenpartie hatte Fettkohleneigenschaften.
Bis zur Konsolidation zu Deutschland im Jahr 1871 stieg die Förderung auf 15491 t im Jahr. Über Stollensohle wurden noch bis 1887 die Restvorräte abgebaut. Die Förderung sank von 14903 t kontinuierlich auf zuletzt 4250 t im Jahr. Die Restberechtsame kam 1889 zu Deutschland.
Der Zechenbetrieb zeigt die hoffnunglose Unterlegenheit gegenüber den Zechen nördlich der Ruhr. Die kleinen Grubenfelder waren nur während der Stollenphase einigermaßen rentabel. Für den Tiefbau reichten sie generell nicht. Nur die Konsolidation zu Deutschland gab die Chance für einen weiteren Betrieb.
Ein Folgebetrieb Dachs & Grevelsloch begann im Jahr 1910, endete aber sofort wieder. Von 1924 bis 1928 begann die erneute Ausrichtung der Grubenbaue mit dem Teufen eines 100 m langen tonnlägigen Schachts südlich vom Bahnhof Silschede. Im Jahr 1928 wurden 8100 t gefördert. Schon 1929 endete der Betrieb.
Die Zeche Adler war mindestens ab 1710 in Betrieb. Eine eher kontunierliche Abbauphase bestand zwischen 1796 und 1820 während der bis zu fünf Schächte in Förderung standen, zuletzt der schon erwähnte Schacht Aurora. Die Stilllegung war 1826 und die Konsolidation zu Trappe 1854/55.

Die Haßlinghauser Hütte


Haßlinghauser Hütte

Neu-Hiddinghausen
Die Haßlinghauser Hütte enstand auf der Basis des Kohleneisensteins, der ab 1850 im Raum Sprockhövel verstärkt erschlossen wurde. Ab 1854 wurde die Hütte gebaut und 1856 folgte der erste Abstich. In Hattingen enstand gleichzeitig die Henrichshütte auf Basis des dort vorkommenden Spateisensteins. Die Hütte in Haßlinghausen war die einzige in Deutschland, die ausschließlich Kohleneisenstein einsetzte. Dieser war relativ einfach zu verhütten. Der Koks wurde in einer eigenen Kokerei erzeugt, weiterer kam von Dachs & Grevelsloch. Die hier anstehenden Wittener Schichten eigneten sich gerade noch zur Verkokung. Der als Zuschlag benötigte Kalkstein kam aus eigenen Brüchen bei Schwelm. Alle Rohstoffe kamen aus einem Umfeld mit etwa fünf km Radius. Da kein Eisenbahnanschluss bestand war dieser Umstand wichtig. Allerdings blieb die Produktion mit 20 - 22 t Roheisen pro Ofen auf niedrigem Niveau. Die Erwartungen in den Betrieb erfüllten sich nicht und 1875 wurde er stillgelegt. Selbst ein Bahnanschluss (erst ab 1890) hätte dies nicht verhindert. Kohleneisenstein enthält 0,5 % Phosphor und eignet sich daher nicht für das Bessemerverfahren, das währendder Betriebszeit der Hütte zum technischen Standard wurde.
Das Betriebsgelände war terrassiert. Direkt an der Strasse lag die Bremmesche Kokerei. Sie bestand von 1858 bis 1862 und erzeugte Koks in primitiven Bienenkorböfen. Betrieben wurde sie von Dachs & Grevelsloch und Kaninchen, die auch Erz lieferten. Knapp 0,3 m tiefer lagen die modernere von der Hütte betriebene Kokerei, der Erzlagerplatz, das Kesselhaus und Werkstätten. Die Höchöfen lagen ca. 1,5 m tiefer. Die Schlacken wurden direkt ins anschließende Tal verstürzt. Westlich der Hüttenzufahrt gab es ein paar Wohnhäuser und eine Stallung. Diese blieben als einzige bei der Stilllegung erhalten. Später baute die Zeche Deutschland ihre Aufbereitung und die Brikettfabrik am oberen Rand der Halde. Der Rest des Geländes ist heute mit Gewerbebetrieben besetzt.
Mit dem Ende der Hütte endete auch der Kohleneisensteinabbau der Betriebe Union I und Neu-Hiddinghausen. Neu-Herzkamp lief weiter, da hier der Erzabbau zusätzlich zur Kohlegewinnung stattfand. Etwa ein Drittel der Belegschaft verlor ihren Arbeitsplatz. Insgesamt war im Raum Haßlinghausen 25 - 30% der Bevölkerung direkt oder bei Zulieferern betroffen. Die dadurch einsetzende Krise bewirkte eine teilweise Abwanderung von Arbeitern und eine Stagnation im industriellen und handwerklichen Bereich.
Union I war von 1854 bis 1875 in Betrieb. Jährlich wurden rd. 300 t Kohle gefördert, wahrscheinlich für den Eigenbedarf. 1867 wurden 58951 t Erz erreicht. Nach der Anpachtung durch Ver. Stock & Scherenberg im Jahr 1883 gab es bis 1901 noch mal einen Abbau (1892 6243 t Erz) vom Schacht Beust aus.
Die Zeche Neu-Hiddinghausen ist hier beispielhaft für den Eisensteinabbau in der Karte ausführlicher dargestellt. Überwiegend waren die Erzzechen Stollenbetriebe. Der Gustav Erbstollen wurde 1856 verliehen. Von 1863 bis 1866 gab es Abbau. Frischbewagt fuhr ab 1839 einen insgesamt ewa 370 m langen Stollen auf. Ab 1843 lief der Betrieb als Frischer Morgen. Bis zur Stilllegung 1866 gab es nur ab 1863 kurze Betriebsphasen. Das Feld des Stollen Kleinigkeit wurd 1772 verliehen. Abbau fand wahrscheinlich nur 1846 statt. Wie verzettelt und unregelmäßig der Erzabbau war ist leicht erkennbar.
Zusammengefasst wurden die älteren Betriebe als Neu-Hiddinghausen ab 1849 betrieben. Die Zeche baute auch Kohle ab. Neben dem eigenen Schacht nutzte sie den Schacht Peter Caspar als Fahrschacht und den Schacht Landrath zur Förderung. 1867 wurden 160856 t Kohleneisenstein abgebaut, 1868 20834 t. Von 1905 bis 1908 lebte der Erzabbau noch einmal auf. Dabei wurde der Schacht Voerster von Trappe genutzt. Danach endete der Betrieb endgültig.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Betrieb Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik/Kokerei
Beust 1845 1847 1925 493 1910 - 1925 (B)/1890 - (K)
Harkort vor 1853 1858 1894 196 t / 173 s  
Rudolf 1835 1838 1925 490  
Hövel 1850 1862 1911 285  
Ulenberg 1891 1893 1924 338 1885 - 1925 u. 1905 (K)


maximale Förderung 386404 t 1913
durchschnittlich 200000 - 250000 t/a


Der Steinkohleabbau im Feld von Deutschland lebte nach dem 2. Weltkrieg noch einmal kurz auf. Der letzte aktive Betrieb war die Kleinzeche Ulrich in Hiddinghausen. Sie baute Restkohlen in den Flözen Drecksbank und Hauptflöz ab. Der Betrieb begann am 1. Juni 1951. 1952 gewannen 74 Bergleute 16847 t Kohle, 1955 95 Bergleute 39452 t. Von 1958 bis zum Jahresanfang 1959 und im Jahr 1963 wurde am Schacht Ulenberg eine Brikettfabrik betrieben. 1959 wurde die Maximalförderung von 51709 t erreicht und die Belegschaft hatte mit 108 Beschäftigten ihren Höchsstand. Bis zur Stilllegung am 15. September 1966 lag die Förderung auf einem Niveau von ca. 40000 t/a. Betreiber der Zeche war die Papierfabrik Scheufelen.

Schacht Hoevel
Schacht Hoevel um 1890 vor dem Ausbau
Schacht Hoevel
Schacht Hoevel nach dem Ausbau mit Halde und Verladung
Schacht Hoevel
Schacht Hoevel nach dem Ausbau, vorne die Förderbrücke
Schacht Söhngen
Schachthaus Söhngen um 1980
Schacht Hoevel
Schacht Hoevel im Jahr 2016 mittig das umge- baute Maschinenhaus
Schacht Hoevel
Schacht Hoevel im Jahr 2016 - umgebautes Fördermachinenhaus
Schacht Hoevel
Schacht Hoevel im Jahr 2016 erhaltenes Zechenhaus
Schacht Hoevel
Infotafel am Schacht Hoevel
Neu-Herzkamp
Erhaltenes Maschinen- haus Neu-Herzkamp im Jahr 1980 (umgebaut)
Schacht Beust
Schacht Beust im Jahr 1924 mit Trasse der Kettenbahn
Schacht Beust
Brikettfabrik Beust im Jahr 1924
Schacht Beust
Brikettfabrik Beust Fundamente im Jahr 2015
Schacht Beust
Schacht Beust 1926 aus der Luft im Abriss
Schacht Beust
Brikettfabrik Beust 1926 aus der Luft im Abriss
Schacht Rudolf
Grundriss Schacht Rudolf 1855
Schacht Rudolf
Aufriss Schacht Rudolf 1855
Schacht Rudolf
Schacht Rudolf im Jahr 1924
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg im Jahr 1900
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg im Jahr 1924
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg aus der Luft 1926 im Abriss
Schacht Beust
Maschinenhaus Beust im Jahr 2016
Schacht Beust
Mauer der Schacht- halle mit Resten von Einbauten
Schacht Harkort
Umgebauter Schacht Harkort im Jahr 2016
Schacht Harkort
Umgebauter Schacht Harkort im Jahr 2016
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg Schachtdeckel im Jahr 2016
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg Schachtdeckel im Jahr 2016
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg Infotafel
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg Reste der Verladung im Jahr 2016
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg Widerlager im Jahr 2016
Schacht Ulenberg
Schacht Ulenberg Widerlager im Jahr 2016
Schacht Sack
Schacht Sack der Erz- zeche Neu-Haßling- hausen um 1920
Schacht Sack
Schacht Sack der Erz- zeche Neu-Haßling- hausen im Jahr 2015
Ulrich
Kleinzeche Ulrich um das Jahr 1958
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