Zeche Westerholt in Herten-Westerholt

1907 - 2008

Zeche Westerholt Übersicht

Zeche Fürst Leopold in Dorsten

1911 - 2002

Zeche Fürst Leopold Übersicht


Die Zeche Westerholt lag auf der Stadtgrenze von Gelsenkirchen und der 1975 nach Herten eingemeindeten Stadt Westerholt. Der größere Teil der Betriebsfläche liegt auf Hertener Gebiet. Nach Westen schloß sich die Kokerei Hassel an. Sie galt als die "Apotheke", da hier kleinere Kokschargen für spezielle Zwecke z.B. für Gießereien hergestellt wurden. Sie ersetzte die veraltete Zechenkokerei. Zum Gesamtkomplex gehörte auch ein Kraftwerk, das inzwischen auch abgerissen ist. Es hatte seit 1981 mit 300 m einen der höchsten Schornsteine Europas. Damals wurde statt Rauchgasreinigung auf einen möglichst weiten Export des Drecks gesetzt. Bei südlichen Winden erreichten die Schadstoffe Skandinavien. Spektakulär war die Schornsteinsprengung der unübersehbaren Landmarke. Sie wurde live vom WDR am 3.12.2006 übertragen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde im Nordfeld die Anlage Wulfen übernommen, die ursprünglich selbständig werden sollte. Der Krieg und die danach einsetzenden Rationalisierungsmaßnahmen machten diesen Plan unrentabel. Später kam noch der Luftschacht in Altendorf dazu. Gegründet wurde die Zeche vom preußischen Staat für eine eigene Kohlenversorgung. Später war sie Teil der Hibernia Berwerks AG. Wie bei vielen Zechen nördlich der Emscherzone wurde sie nach der nächstgelegenen Siedlung benannt.
Ab 1960 bestand der Verbund mit der Gelsenkirchener Zeche Bergmannsglück. 1998 folgte der Anschluß der Dorstener Zeche Fürst Leopold. Der Gesamtverbund lief als Bergwerk Lippe bis zur Stillegung 2008, die zwei Jahre früher als geplant erfolgte. Zuletzt wurde nur noch im Bereich der Schächte Altendorf und Polsum Abbau betrieben, da hier die profitabelsten Flözpartien anstanden.


Westerholt

Westerholt
Beim Abteufen der ersten Schächte gab es einige Bauernhöfe in der Umgebung und das Dorf Westerholt, das im Kern auch heute noch besteht wie seit dem Mittelalter. Mit dem dazu gehörenden Schloß stehen 58 Fachwerkhäuser unter Denkmalschutz. [Ein Besuch lohnt sich auch für reine Zechenfans.] Für das nördliche Ruhrgebiet ist dieses Ensemble einzigartig. Einen ganz anderen Charakter haben die angrenzenden Stadtteile, die sich wie fast überall ziemlich chaotisch entwickelten. Mit den Zechensiedlungen entwickelte sich Westerholt zu einer Kleinstadt, die völlig von der Zeche abhängig war. Daher kam 1975 bei der Gemeindereform die Eingemeindung nach Herten, genauso wie bei der Gemeinde Bertlich. Auch heutenoch prägen die Zechenkolonien die Siedlungsstruktur.
Am Standort Westerholt 1/2/3 bestand bis 1953 eine Kokerei, die durch die weiter westlich in Gelsenkirchen-Hassel gelegene ersetzt wurde. Die frei gewordene Fläche konnte für Verbesserungen des Übertagebetriebs genutzt werden. Ab 1986 wurde der Schacht 1 umgebaut und erhielt 2001 eine neue Turmförderanlage. Damit konnten große Ausrüstungsteile leichter und schneller nach unter Tage gebracht werden. Trotz dieser Investitionen wurde die Zeche noch früher als geplant stillgelegt. Die vorhandenen Kohlenvorräte hätten wohl einen Betrieb bis etwa 2020 ermöglicht.
Die drei Fördertürme standen noch bis 2010, da das Gelände für eine neue Nutzung überplant wurde. Das Strebengerüst von Schacht 2 wurde 2009 abgerissen, da der Schacht schon 1990 verfüllt war. Etwa ab 2018 werden alle nicht weiter nutzbaren Gebäude abgerissen. Erhalten bleibt nur der Schacht 3 ohne den Wagenumlauf. Der Schacht ist etwa baugleich mit dem inzwischen abgebrochenen von Shamrock 11, der nach seinem Vorbild entstand. Da auf Westerholt in relativer Eile gebaut wurde ist der Gesamtkomplex nicht sehr stabil ausgeführt. Daher wäre ein Erhalt des Wagenumlaufs finanziell nicht tragbar.
Erhalten bleiben die Torhäuser und die angrenzenden Gebäude (Verwaltung, Waschkaue und Werkstätten). Die restliche Fläche soll zu einem Gewerbegebiet entwickelt werden. Das Konzept ist unter Neue Zeche Westerholt einsehbar.
Das Kokereigelände in Gelsenkirchen-Hassel wird überwiegend zu einem Stadtteilpark entwickelt, nachdem es bis auf einige Gebäude an der Zufahrt komplett abgeräumt ist. Im südlichen Teil sollen Wohnungen entstehen, am östlichen Rand eine Gewerbefläche.
Das ehemalige Kraftwerksgelände ist unter dem Motto "Wohnen am Bach" inzwischen mit 150 Einfamilienhäusern fertiggestellt. Ein überbauter Bachlauf wurde als Kern eines Grünzugs wiederhergestellt.

Polsum
Am Schacht Polsum sollte ursprünglich eine eigene Schachtanlage entstehen. Verzögerungen durch den 2. Weltkrieg stoppten die Planung, die mit der um 1958 einsetzenden Kohlekrise unrentabel wurde. Es entstand nur eine Seilfahrtanlage mit einem zusätzlichen Luftschacht. Daher standen nur eine Waschkaue und einige Sozialgebäude, die inzwischen alle abgerissen wurden. Das Fördergerüst von Polsum 1 wurde 2010 nach Haiger umgesetzt und dient dort nahe der A45 als Blickfang der SIEMAG TECBERG, einem weltweit agierenden Anbieter von Bergwerksförder- und kühlanlagen. In der Schachthalle entstand unter fast realistischen Bedingungen ein Schulungs- und Trainingszentrum. Der ab 1979 erstellte Schacht Polsum 2 war nur Wetterschacht mit einer Befahrungsmöglichkeit. Mit dem Lüfter lag er unauffällig in einem Waldstück nahe dem Schacht 1.
Ab 1994/95 befand sich die zentrale Wetterkühlanlageanlage für den letzten Abbaubereich des Bergwerks Lippe am Standort Polsum. Der Kühler konnte kostengünstig vom Schacht Unser Fritz 3 übernommen werden.

Atendorf
Zum Ende der 20. Jahrhunderts konzentrierte sich der Abbau im Bereich von Altendorf-Ulfkotte, wozu der Wetterschacht Altendorf nötig wurde, da die Betriebe hier über 1000 m tief lagen. Dies erforderte zusätzliche Frischwetter. Er war ähnlich wie Schacht Polsum 2 konstruiert und bestand im Prinzip nur aus der nach über Tage verlängerten Schachtröhre ohne ein Gerüst.
Im jahr 2000 erhielt der Schacht einen neuen Lüfter. Er war vorher 10 Jahre auf Osterfeld in Betrieb. Ein zweiter als Ersatz von Polsum fast gleich stark (1800 kW Leistung schafften 200 m³ Wetter pro Sekunde). Ab 2003 wurde der Haspel verstärkt, um eine zusätzliche Fahrung zwischen den untersten Sohlen zu ermöglichen. Am Schacht trafen fast alle Materialströme aufeinander.

Bermannsglück
Die Schachtanlage Bergmannsglück prägte mit den dazu gehörenden Zechensiedlungen im Stil der Gartenstadt einen großen Teil des Stadtteils Buer-Hassel. Der Name geht auf eine 1872 in Essen gegründete Bohrgesellschaft zurück. Er sollte wohl motivierend für die Beteiligten sein. Schon ab 1874 wurden Mutungsbohrungen erfolgreich niedergebracht und 1880 die Berechtsamen zu Bergmannsglück konsolidiert. Aber erst 1903 begann der preussische Staat, der das Feld erworben hatte, mit den Abteufarbeiten. Ab 1907 lief die regelmäßige Förderung, die im Schnitt bei 700000 - 1 Mio. t/a lag mit dem Maximum von 1.419496 t im Jahr 1912. Als sich die Vorräte erschöpfen folgte der Verbund mit der Zeche Westerholt, wo fortan die Kohle gehoben wurde. 1975 endete der Abbau und 1984 wurden nicht mehr benötigte Bebäude und schon 1982 die Fördergerüste abgerissen. Auf der Fläche wurden ein Materiallager und die zentrale Prüfstelle der Bergbau AG Lippe eingerichtet.
Als neuer Nutzer der Gesamtfläche (bis auf den weiter genutzten Anteil von Uniper im Bereich des Zecheneingangs) errichtet die HVG Grünflächen­management GmbH hier ihren zentralen Standort. Sie wurde 1989 für die Bewirtschaftung der land- und forstwirtschaftlichen Liegenschaften der RAG gegründet und ist inzwischen auf weiteren Geschäftsfeldern tätig. Das "Zentrum der Immobiliendienstleister" unfaßt Betriebe, die u.a. im Bereich Grünflächenpflege, Heizkostenerfassung und Breitbandkommunikation tätig sind, in Neudeutsch gerne als "Faciltymanagement" aufgehübscht.
Die Schächte ligen nicht frei zugänglich und eingezäunt auf dem Betriebsgelände. Das Fördermaschinenhaus III von 1911 mit der Zwillingsdampfmaschine und die angrenzende Prüfhalle bleiben auch ohne Denkmalschutz als Ensemble erhalten. Die Halle soll Bermannsglücker Vereinen zur Verfügung gestellt. Der von den Vereinen gewünschte Erhalt des Bauensembles am ehemaligen Zechentor konnte nicht erreicht werden. Nur das etwas unansehliche Schalthaus steht noch. Hier betreibt die Tochter des Künstlers Schmidt. Er war stark mit dem Bergbau verbunden uns liefert u.a. großflächige Zeichnungen für die U-Bahnstation Zeche Consolidation in Gelsenkirchen.

Fürst Leopold

Fürst Leopold

Baldur
Die Zeche Fürst Leopold war eine der nördlichen Randzechen. Ihr Grubenfeld reichte weit über die Lippe hinaus und lag damit schon unter dem Münsterland. Benannt ist sie nach dem Anholter Standesherrn Nikolaus Leopold Joseph Maria Fürst zu Salm-Salm (1838–1908), dem Inhaber des vom Erzbergbau abstammenden Bergregals. Er hatte damit den gesetzlich geregelten Anspruch auf die hier anstehende Steinkohle und erlaubte den Abbau. Als Gegenleistung erhielt er von der Zechengewerkschaft eine Zahlung pro Tonne Kohle. Ab 1910 wurden die beiden Schächte im Gefrierverfahren abgeteuft. Um sie herum entstand nördlich der Lippe der neue Stadtteil Hervest der alten Hansestadt Dorsten, deren Kern auch heute noch die mittelalterliche Struktur bewahrt hat. Die Zechensiedlungen haben Gartenstadtcharakter.
Gleiches gilt für die westlich gelegene Zeche Baldur. Hier wurde 1900 von der Bohrgesellschaft Trier mit dem Abteufen begonnen, aber schon im nächsten Jahr abgebrochen, als im Schacht 1 bei 23 m und im Schacht 2 bei elf m Teufe Schwimmsand einbrach. Die finanziellen Mittel waren damit aufgebraucht. Ab 1905 wurden die Schächte im Gefrierverfahren 50 m weiter östlich neu abgeteuft und die Zeche nach dem germanischen Gott Baldur umbenannt. Dabei soff Schacht 1 1906 bei 135 m 1906 ab. 1907 soff er erneut und der Schacht 2 zweimal, was die Schwierigkeiten beim noch jungen Gefrierverfahren verdeutlicht. Schließlich konnte 1911 die Förderung aufgenommen werden. Hier entstand mit den Zechensiedlungen der Stadtteil Holsterhausen. 1920 kaufte der Köln-Neuessener Bergwerksverein die Anlage zur Erweiterung seiner Kohlenbasis und der sich schon damals abzeichnenden Nordwanderung des Bergbaus. Wegen der Ruhrbesetzung kam der Betrieb nicht richtig in Fahrt und 1931 wurde er mit Fürst Leopold vereinigt. Die jährliche Förderung lag bei 300000 - 470000 t. Maximal waren es 1927 536762 t. 1930 kaufte Hoesch die Zeche, da der Konzern nur eine einzige Zeche (Kaiserstuhl) als Kohlebasis besass. Da kurz vorher auf Baldur das Fettkohlenflöz Katharina mit drei Metern Mächtigkeit aufgefunden wurde bestand die Hoffnung, auch weitere dieser zur Verkokung geeigneten Flöze anstanden.
Die Zeche lief nun bis 1970 unter dem Namen Fürst Leopold-Baldur. Die geförderten Kohlen wurden hauptsächlich an Reedereien verkauft, die zu dieser Zeit die Dampfkessel ihrer Schiffe noch mit Kohle heizten. Zum Verkoken waren sie nicht geeignet. Daher gab es keine Kokerei. Später wurde bei den Schiffen Schweröl eingesetzt, womit dieser Absatzmarkt wegfiel. Die Kohle ging danach an Kraftwerke und Eisenbahnen. Mit dem langsamen Aussterben der Dampfloks brach auch dieser Markt ein. Durch das 1953 in Betrieb genommenen eigene Kraftwerk ergab sich eine scheinbar langfristige Planungssicherheit. Mit der anstehenden Gas- und Gasflammkohle wurde ab 1955 zusätzlich eine Anlage zur Gaserzeugung versorgt, das Gas mit Erdgas versetzt in das Stadtgasnetz einspeiste. Insgesamt waren das 30% der Kohleförderung. Auch diese Basis ging nach dem Bau der großen europäischen Pipelinesysteme für Erdgas verloren.
Ab 1970 gab es eine Betriebsphase in der die Anlage Wulfen (s.u.) angebunden und auf Baldur der Schacht 1 tiefer geteuft wurde. Hier befanden sich bei über 1300 m Teufe die letzten Abbaubetriebe. Die nun fast nur noch im Kraftwerksbereich absetzbare Kohle bildete trotz der riesigen Vorräte, die theoretisch für mehrere 100 Jahre bei einer Förderung von 2 Mio. t/a reichten keine langfristige Perspektive. So kam 1998 der Verbund zum Bergwerk Lippe. Schon ab 2001 endete der Abbau in Dorsten. Nur noch die Verwaltung des Bergwerks Lippe bestand weiter bis zur Stilllegung im Jahr 2008.
Das Zechengelände ist weitestgehend saniert und wird allmählich neu bebaut. Im westlichen Bereich bilden Büro- und Wohnhäuser eine Anbindung an die nahe gelegenen zentralen Verwaltungseinrichtungen der Stadt Dorsten. Der Bereich der Förderschächte bis zum Zecheneingang sind die meisten Gebäude erhalten. Zum privatwirtschaftlich betriebenen sog. Creativquartier gehören Veranstaltungsräume, Werkstätten und Gastronomiebetriebe. Über die Aktivitäten informiert Creativquartier. Daneben enstand als Neubau das soziokulturelle ZentrumDas Leo. Der Schacht 1 ist mit dem Fördermaschinenhaus als Denkmal erhalten. Dort ist das Projekt Fürst Leopold Regal angelaufen.
Der Schacht 2 erhielt 2008 eine neue Befahrungsanlage. Dort wurde noch die Wasserhaltung weiter betrieben. Durch Verbindungen über das Grubengbäude von Wulfen hätte Wasser unkontrolliert auf Auguste Victoria übertreten können. Die denkbare Weiternutzung der Dampfmaschine von Schacht 1 wäre für gelegentliche Wartungsarbeiten zu teuer geworden. Eine Befahrung ist mit einem Haspel möglich. Dazu wurde eine Stützstrebe wegen der um 90 Grad gedrehte Belastung des Fördergerüsts gebaut. Bis 7,5 t Nutzlast oder 20 Personen konnten transportiert werden.
Auf dem Gelände von Baldur steht noch die Kohlenwäsche, die zum Lagerhaus umgebaut wurde.

Wulfen

Wulfen
Zum Anfang der 1950er Jahre zeichnete sich eine allmähliche Erschöpfung der wirtschaftlich zu gewinnenden Vorräte ab. Die Gewerkschaft Mathias Stinnes hatte Zechen bei Rheinhausen und in Mülheim, die nur Hausbrandkohlen förderten. Nur die namensgleiche Zeche in Essen baute die profitable Kokskohle ab. Längerfristig war diese Basis nicht ausreichend. Daher beschloss man, eine schon seit 40 Jahren geplante Schachtanlage zu bauen. Die Einschätzung des zukünftigen Kohlebedarf war zu optimistisch. Dass sich der Import amerikanischer Kohle von 1954 bis 1956 mehr als versechsfachte lag eher an den vergleichsweise niedrigen Kosten beim Abbau. Die immer stärker werdende Konkurrenz des Erdöls war sicher bekannt. Es löste die schon lange schwelende Bergbaukrise 1958 endgültig aus.
Diese neue Zeche entstand in Wulfen und wurde auch so benannt. 1938 hatte die Gesellschaft in diesem Bereich Reservefelder erworben, die kriegsbedingt nicht erschlossen werden konnten. Erst 1964 wurden mit zwei Jahren Verspätung erste Kohlen gefördert, die mit LKWs zur Aufbereitung der Zeche Fürst Leopold gebracht wurden. Da Mitte der 1960er Jahre eine weitere Kohlekrise einsetzte fand der Ausbau zu einer kompletten Zeche nicht mehr statt. Diese hätte täglich rd. 17000 t Rohkohle fördern sollen. Dazu waren eine Kokerei (4000 t Koks/Tag) und ein Großkraftwerk geplant. Damit wäre die Anlage die leistungsstärkste des Ruhrgebiets geworden.
1981 ging ein 7,5 km langer Querschlag zur Zeche Fürst Leopold in Betrieb, auf der ab sofort die Förderung geboben wurde. Bis dahin waren jährlich 320000 - 370000 t gefördert worden, maximal 413110 t 1974. Nach dem Verbund zum Bergwerk Lippe endete der Kohleabbau im Feld Wulfen im Jahr 2000 mit der Verfüllung beider Schächte.
Nördlich der Schächte wurde ein neuer Stadtteil gebaut. Wulfen-Barkenberg war eine Planung, die völlig realitätsfremd war. Es wurde für 8000 Bergleute (tatsächlich maximal rd. 400) und insgesamt bis zu 50000 Einwohner geplant. 1961 wurde ein Städtebauwettbewerb ausgeschrieben und mit internationaler Beteiligung die "Neue Stadt Wulfen" aufgebaut. Das ging auf Grund der bewusst (?) ausgeblendeten wirtschaftlichen Realität völlig voll in die Hose. Lediglich der für die Zeit ungewöhnliche ökölogische Ansatz hat das totale Desaster verhindert. Die Bebauung sollte sich dem ländlichen Umfeld unterordnen und erhielt eine durchgehende Kaltluftschneise. Der PKW-Verkehr sollte weitgehend aus der Siedlung herausgehalten werden. Eines der hochgelobten experimentellen Gebäude, aufeinander getürmte würfelartige Wohnzellen ("Metastadt") wurde 1987 wegen Baumängeln abgerissen. Das Habiflex mit ursprünglich flexiblen Innenwänden scheiterte ebenfalls. Dazu findet sich eine Fotostrecke auf moderneREGIONAL. Noch vorhanden ist die umstrittene Einkaufpassage des Architekts Josef Paul Kleihues und die Finnstadt des Architekts Toivo Korhonen. Die vermeintlich sauberen Nachtspeicherheizungen erweisen sich spätestens heute als Energieschleudern mit Asbestprpoblem. Seit 2007 ist ein Rückbau im Gange, der besonders die Hochhäuser betrifft. Sie standen überwiegend leer und wurden ganz abgerissen oder auf 3 - 4 Etagen zurückgebaut. Auch die überdimensionierte Haupterschließungsstraße ist inzwischen zurückgebaut. Daneben laufen Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung. Wegen klammer Finanzen ist es fraglich, ob das Gesamtkonzept umgesetzt werden kann, besonders nach dem Verkauf des ehemaligen Eigentümer LEG an einen Finanzinvestor, der sich eher an Renditeerwartungen als als an sozialen Gesichtspunkten orientiert.
Deutliches Zeichen des Scheitern ist die offizielle Bezeichnnug des Stadtteils als Wulfen-Barkenberg. Der Begriff Neue Stadt Wulfen ist wohl zu negativ besetzt. Eine Chronologie der Siedlungsentwicklung und die aktuelle Situation beschreibt die Website Stadtumbau-Barkenberg.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
Westerholt 1 1907 1908 2008 1232 1912 - 1953
Westerholt 2 1908 1910 1999 906 Hassel 1953- 1999
Westerholt 3 1956 1960 2008 1232  
Bergmannsglück 1 1903 1905 1982 908  
Bergmannsglück 2 1904 1906 1982 908  
Polsum 1 1943 1948 2008 874  
Polsum 2 1979 1982 2008 725  
Altendorf 1967 1970 2008 1217  
Fürst Leopold 1 1910 1912 2002 1034  
Fürst Leopold 2 1911 1912 2002 1034  
Baldur 1 1900/1905 1911 2008 1351  
Baldur 2 1900/1905 1911 1954/1973 782  
Wulfen 1 1958 1964 2000 1076  
Wulfen 2 1959 1964 2000 1061  


maximale Förderung Westerholt 2.501714 1982

durchschnittlich t/a 2,2 -2,4 Mio. t/a

maximale Förderung Fürst Leopold 2.400350t 1997

durchschnittlich 1,4 - 2,3 Mio t/a

maximale Förderung Bergwerk Lippe 3.615000 t 1998

durchschnittlich 1,7 -2,6 Mio. t/a


Steinkohlegas AG. Dorsten

Die schon oben erwähnte Vergasungsanlage soll hier wegen ihrer Besonderheit ausführlicher vorgestellt werden. Das technische Verfahren, die Lurgi-Druckvergasung stammt aus dem mitteldeutschen Braunkohlengebiet. Das Verfahren schien nicht auf Steinkohle übertragbar zu sein. Da die städtischen Gaswerke nach dem 2. Weltkrieg zusätzlich Gas über die Ferngasleitungen benötigten reichten die bestehenden Kapazitäten der Kokereien nicht mehr aus, trotz der Beimengung von Erdgas.
Die Ruhrgas AG konnte ab 1949 in dreijähriger Arbeit eine Versuchasanlage bis zur Einsatzmöglichkeit entwickeln. Danach wurde die erste Großanlage (und einzige im Ruhrgebiet) in Dorsten gebaut, die 1955 den Betrieb aufnahm. Eine neuartige Technik wusch ca. 90% des Schwefelwasserstoffs aus. So konnte zusätzlich Schwefelsäure gewonnen werden. Das dem Kohlegas zugesetzte Erdgas kam aus dem Emsland.
Es fielen neben dem Gas noch Produkte aus in der Teerdestillation der eingesetzten Kohle an. Dazu gehörten Phenol (Benzinzusatz) und Ammonsulfat, das als Dünger nutzbar war.
Die Anlage wurde von der daneben liegenden Zeche Fürst Leopold mit etwa 900 t Kohle täglich beliefert. Dazu kamen Druckluft und Dampf. So blieben die Kosten relativ niedrig und die Anlage selbst erzeugte wenige Emissionen. Sie war noch Mitte der 1960er Jahre in Betrieb.


Mit dem Ende des Steinkohlebergbaus hat sich das Umfeld der Zeche Westerholt stark verändert, da dominierende Anlagen wie das Kraftwerk mit dem hohen Schornstein und die ebenfalls das Umfeld stark beeinträchtigende Kokerei Hassel komplett verschwunden sind. In Dorsten sind die Veränderungen weniger stark, da bis auf das abgerissenen Fördergerüst von Schacht 1 keine auffällige Landmarke vorhanden war.


Bergmannsglück 1912
Torhäuser Bergmanns- glück im Jahr 1912
Bergmannsglück 1922
Bergmannsglück im Jahr 1922
Bergmannsglück 1929
Bergmannsglück im Jahr 1929
Bergmannsglück 1959
Bergmannsglück im Jahr 1959
Bergmannsglück Reste
Bergmannsglück Restgebäude
Bergmannsglück Reste
Bergmannsglück Restgebäude
Bergmannsglück 1
Bergmannsglück Rohr auf Schacht 1
Bergmannsglück 2
Bergmannsglück Rohr auf Schacht 2
Bergmannsglück Brache
Bergmannsglück Brache im Jahr 2016
Bergmannsglück Fördermaschinenhaus
Bergmannsglück Fördermaschinenhaus
Bergmannsglück Fördermaschinenhaus
Bergmannsglück Fördermaschinenhaus
Bergmannsglück Fördermaschinenhaus
Bergmannsglück Fördermaschinenhaus
Bergmannsglück Schalthaus
Bergmannsglück Schalthaus
Bergmannsglück Schalthaus
Bergmannsglück Schalthaus
Bergmannsglück Schalthaus
Bergmannsglück Schalthaus
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Uniper
Bergmannsglück Berginspektion
Ehemalige Preussische Berginspektion 3
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1/2 in den 1950er Jahren
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 1978
Westerholt 1/2/3
Westerholt 1/2 im Jahr 1978
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 2017
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 2017
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 2017
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 2017 mit Sperre aus Grubenwagen
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 Hängebank
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 2017
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 1 im Jahr 2017
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 2 2017
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 2 Schachthalle
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 2 noch verbliebener Strebe
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 3 im Jahr 2012
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 3 im Jahr 2012
Westerholt 1/2/3
Westerholt Schacht 3 mit Kohlewäsche 2017
Westerholt 1/2/3
Lohnhalle 2017
Westerholt 1/2/3
Waschkaue 2017
Westerholt 1/2/3
Waschkaue 2017
Westerholt 1/2/3
Waschkaue 2017
Westerholt 1/2/3
Waschkaue 2017
Westerholt 1/2/3
Waschkaue 2017
Westerholt 1/2/3
Lampenstube 2017
Westerholt 1/2/3
Kohlenwäsche 2017
Westerholt 1/2/3
Kohlenwäsche 2017
Westerholt 1/2/3
Verladung 2017
Westerholt 1/2/3
Verladung 2017
Westerholt 1/2/3
Waschkaue mit Manschaftsgang 2017
Westerholt 1/2/3
Blockheizkraftwerk zur Grubengasnutzung
Westerholt 1/2/3
Torhäuser 2017 von der Zechenseite
Westerholt 1/2/3
Torhäuser 2017 von der Straßenseite
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Dorf Westerholt
Polsum
Schacht Polsum 1 im Jahr 2005
Polsum
Schacht Polsum 1 im Jahr 2005
Polsum
Schacht Polsum 2 im Jahr 2005
Polsum
Schacht Polsum 2 im Jahr 2005
Schacht Altendorf
Schacht Altendorf (2005)
Schacht Altendorf
Schacht Altendorf (2005)
Schacht Altendorf
Schacht Altendorf (2005)
Fürst Leopold
Fürst Leopold 1913, Schacht 1 im Bau, 2 im Abteufen
Fürst Leopold
Fürst Leopold 1/2 im Jahr 1963, Blick auf Schacht 2
Fürst Leopold
Fürst Leopold 1/2 im Jahr 1963 mit Zechensiedlung
Fürst Leopold
Fürst Leopold 1/2 2004
Fürst Leopold
Fürst Leopold 1/2 2004
Fürst Leopold
Fürst Leopold 1/2 2004
Fürst Leopold
Fürst Leopold Schacht 1 im Jahr 2004
Fürst Leopold
Fürst Leopold Schacht 1 mit Denkmal Fördermaschinenhaus
Fürst Leopold
Infotafel zur Dampfmaschine
Fürst Leopold
Fürst Leopold Schacht 1 mit Denkmal Fördermaschinenhaus
Fürst Leopold
Fürst Leopold Schacht 1
Fürst Leopold
Fürst Leopold Schacht 1 mit Stützstrebe für die Befahrung
Fürst Leopold
Fürst Leopold 2 im Jahr 2004
Fürst Leopold
Fürst Leopold 2 im Jahr 2004
Fürst Leopold
Fürst Leopold 2 Befah- rung und Betriebsge- bäude Wasserhaltung
Fürst Leopold
Fürst Leopold 2 Haspel zur Befahrung
Fürst Leopold
Fürst Leopold 2 Befahrung mit Lüfter
Fürst Leopold
Creativquartier mit LEO an der Seite rechts
Fürst Leopold
Creativquartier, früher Kaue und Lohnhalle
Fürst Leopold
Creativquartier, früher Maschinenhaus Schacht 2
Fürst Leopold
Creativquartier Allee
Fürst Leopold
Creativquartier, früher Kaue und Lohnhalle
Fürst Leopold
Zugang zur Zechenkolonie
Fürst Leopold
Früheres Zechentor
Baldur
Schacht Baldur 1 2008
Baldur
Schacht Baldur 2 2008
Baldur
Schacht Baldur 2 Sicherung im Jahr 2014
Baldur
Schacht Baldur 2 Sicherung im Jahr 2014
Baldur
Schacht Baldur 2 Siche- rung im Jahr 2014, da- hinter die Kohlenwäsche
Baldur
Schacht Baldur 2 Sicherung im Jahr 2014

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