Zeche Hagenbeck in Essen-Altendorf

1575 - 1928


Übersicht hagenbeck


Die Zeche Hagenbeck ist wahrscheinlich die älteste urkundlich erwähnte im Ruhrrevier. Die vorlaufenden Stollenbetriebe lagen überwiegend am Herbrügger Bach.

Ab 1775 wurde erstmals der Name Hagenbeck für die ersten Betriebe geführt. Der Name bedeutet Bach in einem Waldgebüsch. So dürfte damals der Bereich am Herbrügger Bach ausgesehen haben. Um 1750 nutzten alle zu Hagenbeck gehörenden Betriebe den Hostenkämper Stollen, um ihr Grubenwasser abzuleiten. Er wurde 1775 aufgegeben, da die Kohle über der Stollensohle abgebaut war. Für die geringen Aktivitäten bis 1815 war die tiefer gelegene Hagenbecker Adit neuer Wasserlösungsstollen. Er lag unterhalb eines Mühlenteichs und wenn der Müller das Wehr öffnete wurde der Stollen geflutet. Dies führte zu einer weitgehenden Betriebseinstellung.
Ab 1815 begann der Tiefbau, allerdings nur mit Stollenschächten. Der Tiefbau i.e.S. begann 1837 nach der Konsolidation mit den angrenzenden Stollenbetrieben ab 1837. Wegen der unübersichtlichen Abbaubetriebe gab es ab etwa 1770 ständig Rechtstreitigkeiten. 1815 verfügte das die Umbenennung von Fettlappen (nicht identisch mit der Zeche nahe der Essener Innenstadt) und Beckstadt in Hagenbeck, um das Wirrwarr zu beenden.
Nach anfänglichen Wasserproblemen entwickelte sich die Zeche gut. Darauf hin deutet auch die Aufnahme der Pferdeförderung unter Tage im Jahr 1847. 1851/52 und 1854 war Ver. Hagenbeck die größte Zeche im Ruhrgebiet. Ab 1870 entstanden hohe Kosten durch Bergschäden und die nötige Modernisierung der Schächte (z.B. Ersatz des Holzausbaus durch Mauerwerk oder Ersatz der veralteten Wetteröfen durch Ventilatoren. 1897 übernahm der Mülheimer Bergwerksverein die jetzt nur Hagenbeck genannte Anlage. 1898 wurden die Felder der stillgelegten Zechen Hobeisen und Neuschölerpad übernommen. Auf dem Gelände der letzteren wurde ab 1905 eine Brikettfabrik betrieben. Nach der Stilllegung 1928 übernahm die Mühlheimer Zeche Rosenblumendelle Hagenbeck als Nebenanlage. Die Förderung ging unter Tage nach Mülheim.
Für eine Tiefbauzeche ungewöhnlich ist, dass es keine (gemeldeten) Unglücke mit Todesfällen gab.


Hagenbeck 1/2/3
Die Zeche Hagenbeck hatte den ersten Bahnanschluss zum weit nördlich liegenden Bahnhof in Essen-Bergeborbeck wie auch die Zeche Schölerpad. Die gleichnamige Straße verläuft teilweise auf dieser Trasse. Mit dem Bau der Rheinischen Bahn wurde er durch einen neuen Anschluss ersetzt, der Anfang des 20. Jahrhunderts durch den letzten an die Köln-Minderner Bahn ersetzt wurde. Dieses Muster bei der Schienenanbindung findet sich überall im Ruhrgebiet. Die damit verbundene Zerschneidung von Siedlungsflächen und die Behinderung einer geordneten Stadtentwicklung hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Eine positive Entwicklung ist öfter die Folgenutzung als Radweg.
Von den Betriebsgebäuden ist wenig erhalten. Das Fördermaschinengebäude des 1971/72 verfüllten Schachts 1 wird gewerblich genutzt. Die Schachtabdeckung liegt auf einem Park- und Lagerplatz. Der 1966 verfüllte Schacht 2 liegt auf einem Speditionsgelände, das angrenzende Werkstattbauten nutzt. Die Schachtabdeckung des 1971/72 verfüllten Schachts 3 liegt in einer Tennisanlage. Das lange als Finanzamt genutzte Verwaltungsbebäude der Zeche Hagenbeck ist weiter Bürogebäude. Hier hatte auch der Mühlheimer Bergwerks Verein seinen Sitz, zu dem Hagenbeck seit 1897 gehörte. Von den zahlreichen Tagesöffnungen im Umfeld sind keine erkennbaren Reste erhalten.

Luftschacht West
Ein Luftschacht für das westliche Grubenfeld wurde im Essener Stadtteil Frohnhausen abgeteuft. Er hatte ein kleines Betriebsgelände, das heute mit Wohnungen bebaut ist. Der Schachtdeckel liegt versteckt in einer Grünanlage innerhalb der Stellflächen für PKWs.

Luftschacht Holsterhausen
Im Bereich der Gewerbeparks am Essener Technologiezemtrum (ETEC) lagen 17 bekannte Tagesöffnungen, die überwiegend aus der Zeit des frühen Stollenbergbaus stammen. Sie sind wegen ihren geringen Teufen und Durchmesser nicht mehr nachweisbar. Nur der Luftschacht von Hagenbeck hat Spuren hinterlassen. Er lag nah am Fernmeldeturm und ist heute mit einer Halle überbaut. Er war ab 1876 in Betrieb. Er liegt nicht zugänglich auf Firmengelände.

Schölerpad
Auch eine sehr alte Zeche war Schölerpad. Wahrscheinlich vor der ersten Erwähnung 1678 gab es zeitweiligen Betrieb, ab 1698 auch belegt. 1802 war der Stollen etwa 200 m lang. Bis 1816 lief der Abbau nur sporadisch. Von 1816 bis 1826 sollte wohl im Tiefbau mehr Kohle gewonnen werden, was vom Bergamt verboten wurde (Überangebot). Ab 1820 gab es Versuche zur Koksherstellung in offenen Meilern, die völlig ineffizient waren. Auch sog. Backöfen brachten wohl keine Verbesserung. 1836 wurden die ersten geschlossenen Öfen im Ruhrgebiet betrieben. Ab 1833 begann der Tiefbau mit dem Abteufen des Schacht Flashoff. 1847 wurde die höchste Koksproduktion im Revier erreicht. Offenbar wurde die Technik ständig verbessert. 1851 erfolgte nach der Konsolidation mit Friederike, die vor 1830 einen kleinen Stollen betrieb (der notwendige Tiefbau kam nicht zu Stande), in Neuschölerpad. Der Betrieb lief bis 1875. Das Grubenfeld wurde zuerst von Sälzer & Neuack übernommen und ging 1898 an Hagenbeck. Die Zeche betrieb auf dem alten Gelände ab 1905 eine Brikettfabrik. Die Förderung lag bei 40000 - 80000 t/a mit dem Maximum von 86536 t 1864.
Die beiden Schächte meldeten sich am 19. Juni 1930 mit einem spektakulären Tagesbruch mitten auf der heutigen Heinrich-Strunk-Straße zurück, die über das abgeräumte Zechengelände führt. Ein Zehnjähriger kam dabei ums Leben, seine Leiche konnte nicht geborgen werden. Endgültig wurden die Schächte nach der erneuten Bildung von Hohlräumen zwischen 2002 und 2005 saniert. Die Schachtabdeckungen liegen in der Fahrbahn. Der Wetterschacht liegt auf dem Gelände einer Gesamtschule. Der Revisionsdeckel ist am nördlichen Rand des Schulhofs im Grünstreifen zu finden.

Das Grubenfeld der Zeche Hobeisen (auch Hohe Beisen genannt) wurde 1898 von Hagenbeck übernommen. Ihr Ursprung ist wahrscheinlich der Betrieb Alter Hobeisener Stolln, der schon im 17. Jahrhundert bestand und vor 1670 endete. Ab 1718 folgten etwa zehn Versuche, den Betrieb unter dem Namen Hobeisen wieder aufzunehmen. 1834 wurde mit dem Schacht Adolf (Adolph) der Übergang zum Tiefbau begonnen, da mit Stollen kein ausreichender Kohlevorrat aufgeschlossen wurde.
Als Ver. Hobeisen wurde von 1836 bis 1841 lief ein unrentabler Betrieb. Selbst das Bergamt empfahl 1838 die Einstellung, um noch größere Verluste zu vermeiden. Gefördert wurden etwa 2500 bis 10000 Tonnen pro Jahr. Letzlich brachten Wasserzuflüsse den Betrieb zum Erliegen. Der tonnlägige Schacht war insgesamt 177 m tief. Die Kohle wurde mit einer Pferdebahn, die auch die südlicher gelegene Zeche Rettelstruck nutzte nach Altendorf zur dort verlaufenden Landstraße gebracht.
Die zahlreichen Hohlräume wurde im Bereich des Jugendzentrums Essen von Oktober 2011 bis Februar 2012 verfüllt, um mögliche Tagesbrüche zu verhindern. Auch im Bereich der Theodor Fiedner Schule wurde im Herbst 2011 verfüllt. Dabei musste rasterartig vorgegangen werden, da exakte Karten über den Abbau nicht vorliegen.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei/Brikettfabrik
Hagenbeck 1 1837 1840 1951 401 1896 - 1927
Hagenbeck 2 1850 1858 1965 744  
Wetterschacht Frohnhausen 1875 1876 1923 46  
Beckstadter Wetterschacht 1876 1876   398  
Wetterschacht Holsterhausen 1893 1893 1931 398  
Hagenbeck 3 1922 1923 1965 853  
Schölerpad (Flashoff) 1833 1835 1875 280 1836 - 1874/1905 - 1927
Schölerpad (Bückmann) 1833 1835 1874 207  
Hobeisen (Adolf) 1834 1837 1841 177 (t)  


maximale Förderung 517376 t 1927

durchschnittlich 300000 - 500000 t/a


Die Schächte 2 und 3 blieben nach Stilllegung von Rosenblumendelle zunächst offen für die Wasserhaltung zum Schutz der noch noch fördernden Anlagen in Essen.


Hagenbeck 1
Schacht 1 Maschinenhaus
Hagenbeck 1
Schacht 1 auf einem Lagerplatz
Hagenbeck 2
Grundriss von Schacht 2 bei Baubeginn
Hagenbeck 2
ehem. Maschinenhaus Schacht 2 mit Mauerrest des Schachtturms
Hagenbeck 3
Schacht 3 in der Wiese neben einer Sportanlage
Hagenbeck Bauten
Restgebäude Hagenbeck
Hagenbeck Bauten
ehemaliges Verwaltungsgebäude
Hagenbeck Restgebäude
Standort der Förderanlage Schölerpad
Schölerpad
Schölerpad Förderanlage Schachtdeckel im Straßenniveau
Schölerpad
Luftschacht Schölerpad am Rand des Schulhofs
Schölerpad
Revisionsdeckel Luftschacht Schölerpad

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