Zeche Sälzer in Essen-Altendorf

Anfang 1600 - 1962



Die Anfänge der eng mit den Kruppschen Werken verbundenen Zeche Sälzer gehen auf einen sehr frühen Stollenbergbau am Sälzerbach in Essen-Altendorf zurück, von dem sich auch der Name ableitet. Hier baute eine Reihe Zechen mit zum Teil langen Unterbrechungen Kohle ab, die sich zu immer größeren Betrieben zusammen schlossen und dadurch finanziell in der Lage waren etwa ab 1800 zum Tiefbau überzugehen. Im wesentlichen exisitierten drei Vorgänger.

Der Sälzerbach wurde komplett von den Kruppschen Werken überbaut. Er lag etwa dort, wo sich der neue Park neben der Krupp-Thyssen Hauptverwaltung befindet. Die Quelle lag südlich vom Schacht Waldthausen.


Sälzer alt
1804 konsolidierten Sälzer Ak und Neue Ak zu Ver. Sälzer & Neuack und planten gleichzeitig den Übergang zum Tiefbau. Dies gelang erst 1809 am Schacht Josina. Gleichzeitig entbrannte ein Streit mit der Nachbarzeche Hoffnung über den Kohleabbau unter deren Stollensohle, der 1812 gewonnen wurde. Die Karte zu diesem Streit zeigt anschaulich die Abbautechnik, bei der über viele kleine Schächte aus den vom Stollen erschlossenen Flözen Kohle gefördert wurde. Auch die Dimension der Schächte gegenüber der neuen Tiefbauanlage wird deutlich. Einige dieser Schächte, deren Lage einigermaßen zuzuordnen ist sind in der Karte zur Altanlage Sälzer eingetragen. Spuren haben sie nicht hinterlassen.
Die ersten Tiefbauschächte lagen an der Krämerstraße. Damals war das Umland unbebaut und die Bahnlinie mit dem Bahnhof Essen-West existierte noch nicht. Hier befand sich später der südwestliche Bereich des Kruppareals. Die stillgelegten Schächte wurden ab 1894 mit einer der größten Werkshallen überbaut. Die Mechanische Werkstatt Nr. 9 überdeckte mehr als 30000 m². Die Halle ist inzwischen abgerissen und die Fläche als Teil des Kruppgürtels in Neuplanung. Von den ehemaligen Schächten ist nichts erhalten. 1816 fanden erste Versuche mit der Koksherstellung in offenen Meilern statt, einer sehr ineffektiven Methode. Diese wurden 1830 durch sog. Koksbacköfen ersetzt. Die Koksprokuktion war lange die zweithöchste im Revier. Bei der Kohleförderung war die Anlage 1830 - 1832 mit rd. 30000 t/a die größte im Ruhrrevier. Die Schächte wurden nach dem Gewerken Arnold Huyssen und seiner Frau Josina von Wengler benannt, sowie dem Gewerken Johann Wilhelm Waldthausen.
Ein Pionier im Maschinenbau - Franz Dinnendahl - baute die Dampfmaschinen für die Schächte. Am Schacht Josina erstellte er die erste kombinierte Maschine für Wasserhaltung und Förderung. Wahrscheinlich war die Anlage die erste voll in Betrieb genommene Tiefbauzeche im Ruhrgebiet.
Ab 1937 waren alle Anlagen als Sälzer-Amalie zusammengefasst. Am Standort Amalie wurden danach die Förderung gehoben. Ab 1950 waren alle Restbetrieb von Sälzer-Amalie und Wolfsbank unter Sälzer-Amalie/Wolfsbank zusammengefasst. Nach der Neuordnung mit der Verfüllung nicht mehr benötigter Schächte hieß der Betrieb Amalie, der nur noch die geregelte Stilllegung erledigte.
1927 starben bei einem Streckenbruch auf Sälzer drei Bergleute, 1938 vier auf Amalia bei einer Sprengstoffexplosion im Streckenvortrieb und 1949 drei bei einer weiteren Explosion.

Sälzer Neuack
Als Ersatz für die ungüstig gelegene erste Anlage wurden ab 1857 die Schächte Huyssen und Smits (später Schmits genannt) abgeteuft. Sie wurden als Doppelmalakoffanlage ausgeführt. Dies ist ein Indiz für die damals herausragende Stellung der Zeche. Der Bau einer solchen Anlage war sehr kostspielig, andererseits auf der Höhe der Technik. 1856/57 und noch eimal 1870/71 hatte Sälzer die die höchste Förderung im Revier. Namenpaten der Schächte waren die Gewerken Arnold Huyssen und die der Familie Smits aus Mülheim.
Die Anlage übernahm ab 1866 die gesamte Förderung des Grubenfelds. Der Schacht Waldthausen wurde Wetterschacht. Die Nähe zur Stadt Essen machte Probleme. Zur Vermeidung von Bergschäden durfte ab 1868 nur ein schachbrettartiger Abbau erfolgen, womit etwa die Hälfte der Vorräte nicht gewonnen werden konnte. Dies traf den Eigentümer Krupp nicht sehr hart, da er unter seinen Werksanlagen ohnehin auf einen Abbau mit möglichst wenig Bergsenkungen achtete. Das ab 1879 generelle Abbauverbot unter dem Stadtgebiet von Essen war dann eher eien Einschränkung. Um die Schachtanlage herum entstand das riesige Kruppareal, das nach 2010 komplett überplant und in den folgenden Jahren neu bebaut wurde. Erste Projekte wie der neue Stadtteilpark waren schnell verwirklicht.
Der Schacht Schmits liegt neben einem Industriebetrieb und ist mit einer Infotafel versehen. Der Schacht Huyssen ist mit einer Halle überbaut. Die Protegohaube auf der Dachfläche deutet seine Lage an. Der zugehörige Wetterschacht liegt am Rand der Halle und ist am Schachtdeckel erkennbar. Der Spülschacht liegt auf dem Parkplatz den neu gebauten Finanzamts. Er wurde für den Spülversatz der unter dem Kruppareal abgebauten Flöze benötigt, um Schäden an den Produktionsanlagen durch Bergsenkungen so weit wie möglich zu verringern. 2003 wurde der Schachtkopf aufwändig gesichert.

Sälzer Amalie

Die Anlagen Helene und Amalia waren als Ver. Helene & Amalie bis 1927 eine betriebliche Einheit. Danach waren sie selbständig. Ab 1957 wurde die Förderung zusammengelegt. Die Fettkohle für die Kokerei wurde auf der Anlage Helene gefördert, die anderen Sorten auf Amalia. Hier bestand eine Brikettfabrik von 1910 - 1967. Die Schächte wurden nach den Frauen der Familie Krupp benannt, in diesem Fall nach Helene Amalie Krupp.
In Essen-Altendorf wurde ab 1840 der Schacht Amalia abgeteuft, der mit dem Abteufen eines weiteren Schachts (Amalie) zum Wetterschacht wurde. 1855 war die Zeche die größte im Ruhrrevier mit 154107 t Förderung. Bei zwei Kohlenstaubexplosionen kamen 1921 zwölf und 1922 24 Bergleute ums Leben. Der Schacht Amalia erhielt 1902 ein leider abgerissenes markantes Förderüst in Stahlfachwerkbauweise, das mit dem heute noch erhaltenen von Schacht Marie eine unverwechselbare Landmarke darstellte. Beide Schächte waren Ende 2017 noch Teil der Zentralen Wasserhaltung der RAG. 1938 wurde hier die erste Schwarz-Weiss-Kaue der Welt errichtet. Bis dahin wurde die schmutzige Arbeitskleidung zusammen mit der Alltagskleidung in einem Raum aufbewahrt. Erhalten sind einige Werkstattgebäude und die Verwaltung. Die Reste des noch länger genutzten Kraftwerks wurden mit der Planung des Kruppgürtels gesprengt.

Helene
Die Anlage Helene lag in Essen-Altenessen. Sie war gehörte zu Ver. Helene & Amalie. Ab 1927 bestand ein eigenständiger Betrieb bis zur Eingliederung in Amalie. Nach der Stilllegung war das Zechengelände als Teil der Trasse für die A52 vorgesehen. Erst nach der Aufgabe dieser Planung wurde es zum Helenenpark umgestaltet und dient heute der Naherholung. Hier befindet sich hier auch eine Bezirkssportanlage. Im Bereich der nicht frei zugänglichen Schächte haben die Stadtwerke Essen einen Betriebshof eingerichtet. Einige Gebäude im ehemaligen Eingangsbereich sind erhalten, darunter auch ein 1927 erbautes Verwaltungs- und Kauengebäude von Edmund Körner. 1983 wurde dieses Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und nach 1989 im Rahmen der IBA Emscher Park restauriert und neu genutzt (Sport- und Gesundheitszentrum Helene). Hier kann in einer Indooranlage Freeclimbing betrieben werden. Das Gebäude ist Teil der Route der Industriekultur.

Sälzer Barbara
Der Schacht Barbara wurde als Luftschacht für die beiden Anlagen Amalie und Helene abgeteuft. Er war mit 1215 m der tiefste Schacht in Essen. Heute wird die Fläche vom Ausbildungszentrum der Bauindustrie NRW genutzt. Von den wenigen Betriebsgebäuden (kleines Strebengeüst mit Maschinengebäude, Lüfter und Werkstätten) ist nichts erhalten.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
Arnold 1807 1809   46 1816 - ca. 1866
Josina 1807 1809 1825 42  
Waldthausen 1822 1822 1875 146  
Huyssen 1842 1843 1966 854  
w Fünffußbank 1854 1854 1926 421  
Schmits 1857 1862 1961 685  
Spülschacht ca. 1900 ca. 1900 1926 65  
Amalia 1840 1843 1919 159  
Amalie 1850 1852 1966 975 1871 - 1944
Helene 1870 1873 1966 975 1876 - 1963
Bertha 1898 1900 1966 975  
Amalie 2 (Marie) 1904 1908 1966 975  
Barbara 1922 1926 1966 1182  
Wolfsbank 2 ab 1960   1966    
Wolfsbank 3 ab 1960   1966    
Carolus Magnus 1 ab 1960   1962    
Christian Levin 1 ab 1960   1966    
Christian Levin 2 ab 1960   1966    
Christian Levin w ab 1960   1966    
Neu-Cöln 1 ab 1960   1961    
Neu-Cöln 2 ab 1960   1961    


Sälzer & Neuack - maximale Förderung 608957 t 1917
Sälzer & Neuack - durchschnittlich 300000 - 500000 t/a

Helene & Amalie - maximale Förderung 1.031785 t 1913
Helene & Amalie - durchschnittlich 600000 - 800000 t/a


Der ab 1937 bestehende Verbund Sälzer-Amalie erreichte bei der Förderung anfangs über 900000 t/a mit einem Maximum von 929126 t 1940. Diese Zahlen sind wohl durch Raubbau im Krieg zu erklären. Später wurden nur noch etwa 600000 t erreicht. Diese Menge reichte für einen langfristig wirtschaftlichen Betrieb nicht aus und führte zum Stilllegungsbeschlusss. Nach dem Zusammenschluss mit der Zeche Wolfsbank im Jahr 1960 stieg die Förderung noch einmal auf 1 - 1,2 Mio. t/a. Dies sicher nur durch Abbau der profitabelsten Kohlepartien, geringerem Aufwand für die Vorrichtung und Abwerfen aller unrentablen Teilbetriebe. 1967 endete der Gesamtbetrieb.



Protegohaube Schacht Huyssen

Schacht Schmits

Sälzer Luftschacht

Sälzer Spülschacht

Schacht Barbara

Schacht Amalie

Befahrungsanlage Schacht Marie

Schacht Marie 1978

Schacht Amalia Panorama

Schacht Helene Bertha

Verwaltungsgebäude Helene

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