Zeche Ver. Bommerbänker Tiefbau in Witten-Bommern

1856 - 1906


Übersicht Bommerbänker Tiefbau


Südlich der Ruhr gab es im Stadtteil Bommmern die südlichste Zeche in Witten. Sie war eine für ihre Zeit typische Anlage im Bereich des Ruhrtals, die aus vielen Stollenbetrieben hervorging. Die Betriebsfläche war relativ klein und die Förderanlage war in einem Schachthaus untergebracht. Daher sind heute fast keine Spuren von der Zeche Ver. Bommerbänker Tiefbau zu finden. Trotz der geringen Größe warf der Betrieb lange Zeit Gewinne ab. Die Lebensdauer war durch die Lage am Südrand des Reviers und die geringen Kohlenvorräte begrenzt und wäre auch ohne die vorzeitige Stilllegung (s.u.) spätesten in der Krise der 1920er Jahre erreicht worden. Die Gemeinde Bommern verlor viele Steuereinnahmen. Letzendlich war die Eingemeindung nach Witten im Jahr 1929 eine Spätfolge.
Bis auf eine Schlagwetterexplosion mit vier Toten im Jahr 1885 ereigneten sich keine größeren Unglücke. Die Vorgängerbetriebe werden hier kurz beschrieben.


Bommerbänker Erbstolln

Bommerbaenker Erbstolln

Bommerbaenker Erbstolln

Bommerbaenker Erbstolln
1790 wurde eine Genehmigung zur Anlegung des Erbstollens beantragt. Der Antrag wurde abgelehnt und nur ein Längenfeld verliehen. Die Genehmigung zur Auffahrung wurde 1798 erteilt. Die Zechen Alte Bommerbank, Helene Gertrud, Cronenbank und Ver. Tulipan sollten ihr Grubenwasser durch den Stollen ableiten. Dazu wurde der Stollen immer weiter nach Westen aufgefahren. Um 1850 waren die o.g. Zechen angeschlossen und zusätzlich Glückstern. Da der Stollen im Flöz vorgetrieben wurde fielen auch Kohlen an (800 - 1200 t/a). Haupteinnahme war die "Stollentradde", die 10% der Förderung der entwässerten Betriebe ausmachte.
An der Konsolidation von Ver. Bommerbänker Tiefbau waren 17 Zechen beteiligt, die vorher auch durch den Erbstollen entwässert wurden. Diese werden in der Reihenfolge des Eintrags in die Akte beschrieben. Die Konsolidation 1862 zu Ver. Bommerbänker Tiefbau betraf den Bereich unter der St. Johannes Erbstollensohle da dieser tiefer lag und auch Grubenwasser abführte. Gut zu erkennen sind auch die "Karteileichen" die bei vielen Konsolidationen eher zufällig dabei waren da sie im Bereich des neuen Grubenfelds (alte Felder in der Karte mit Umring beschriftet) lagen.

Bis 1861 waren alle Vorräte abgebaut und 1862 kam die Konsolidation zu Ver. Bommerbänker Tiefbau. Die Stillegung kam um 1865. Ab 1870 wurde der teilweise verbrochene Stollen augewältigt, da sich das Grubenwasser von Ver. Tulipan aufstaute. Als diese Zeche 1880 stillgelegt wurde kam es zur endgültigen Aufgabe des Erbstollen. Einige der aufgelisteten Zechen hatten einen Bezug zm Muttental und sind hier Muttental beschrieben.

Stollenschächte


Ver. Bommerbänker Tiefbau

Bommerbaenker Tiefbau
1862 entstand aus einer Vielzahl von kleineren Stollenzechen die neue Tiefbauanlage. Bis 1873 bauten die beteiligten Zechen noch auf eigene Rechnung über der Erbstollensohle Kohle ab. 1873 begann das Abteufen des Tiefbauschachts und ab 1875 wurde regelmäßig gefördert. 1876 kam der Eisenbahnanschluss und 1880 lag die Förderung schon bei über 100000 t. Als Wetterschächte dienten der ehemalige Göpelschacht Gotthilf von Alte Bommerbank und der Schacht Aurora der Zeche Fortuna. 1892 wurde die Zeche Helene Gertrud übernommen, 1893 weitere Grubenfelder erworben. Diese lagen südlich des bisherigen langgestreckten Grubenfeldes. Für den Abbau wurde 1895 ein 1,2 km langer Querschlag nach Süden aufgefahren und der Schacht Südstern abgeteuft. Er diente zur Bewetterung und als Fahrschacht.
Ab 1887 war schon der Schacht Rosa der gleichnamigen Stollenzeche übernommen worden. Er wurde 1898 mit einem Ventilator ausgestattet und war danach ausziehender Wetterschacht.
Die Aufschlüsse waren ungünstig, die Kohle in den Feldern Carl und Rheinweserbahn (mit Schacht Südstern) unbauwürdig. 1903 wurde hier der Abbau eingestellt und der Schacht Südstern verfüllt. 1904 erwarb die Herner Gewerkschaft Mont Cenis die Zeche. Obwohl nur eine Förderschicht pro Tag gefahren wurde konnten 1905 noch 111153 t Kohle gewonnen werden. Abbau fand nur noch in der Nähe der Förderanlage statt. Am 15. September 1906 soff die Grube nach einem Defekt in der Wasserhaltung ab und wurde zwei Tage später wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt. Ab 1897 waren keine Gewinne erzielt worden. 1907 waren die verbliebenen Schächte verfüllt und fast alle Betriebsgebäude abgerissen.
Zwischen 1921 und 1925 kam es zum oberflächenahen Abbau von Restkohlen in fast allen früheren Feldern auf einer Fläche von sieben Quadratkilometern.
Die Betriebsfläche ist heute unter Wohnbebauung verschwunden. Zwei umgebaute Gebäude sind noch erkennbar. Die frühere Verwaltung ist kaum verändert ein Mehrfamilienwohnhaus. Das für die elektrische Wasserhaltung (nicht mehr realisiert) vorgesehene Betriebsgebäude ist auch zu einem Wohnhaus umgebaut und an der typischen industriellen Bauart um 1900 zu erkennen. Eine der beiden kleinen Zechenhhalden wurde für einem Sportplatz eingeebnet. Ein Hinweisschild steht in der Nähe des Förderschachts, der nicht zugänglich im Gartenbereich der daneben liegenden Wohnhäuser liegt. Das Zechengleis ist heute eine Zufahrt.

Louisenglück

Etwas nördlich von Ver. Bommerbänker Tiefbau lag eine weitere Zeche, die aus einigen Stollenbetrieben entstand. Die Vorgängerbetriebe von Louisenglück waren drei Stollenzechen, die jeweils nur ein Flöz abbauten.


Louisenglueck
Die etwas nördlich von Ver. Bommerbänker Tiefbau gelegene Zeche Louisenglück nahm ab 1823 den Abbau in den drei Flözen der Vorgängerstollen wieder auf. Für die Förderung wurde 1828 der Schacht Constanz im Muttental abgeteuft. Die Kohle wurde ab 1830 auf der mit vier weiteren Zechen 1829 gebauten Muttentalbahn transportiert. Die Förderung lag bei 5000 t/a.
1837 ging der Schacht Jupiter in Betrieb. Die Kohlen wurden durch einen Stollen (im Schacht bei 16 m Teufe) zur Ruhr abgefahren. Am Stollenmundloch wurden die zum Betrieb der Dampfmaschine benötigte Kohle mit einem Schrägaufzug zum Schacht am Berghang hochgezogen. Der Kohleversand lief ab 1854 über eine Schwimmbrücke (vorher mit der Fähre). Seit 1851 konnte der Schienenweg der Zeche Franziska Tiefbau nördlich der Ruhr mitbenutzt werden. Ab 1848 stand der Hauptschacht Elisabeth in Förderung, die sich darauf etwa versechsfachte. Dazu trug auch das Anschlussgleis zum Bahnhof Bommern bei.
Ab 1853 lief der Betrieb unter Ver. Louisenglück. Die Förderung stieg weiter an und ab 1863 kamen auch Pferde zum Einsatz bei der Streckenförderung unter Tage. Problematisch waren die ständigen Wasserzuflüsse. 1854 soff die Zeche nach einem Pumpenschaden ab, 1870 und 1871 nach Ruhrhochwasser und Starkregen. Dadurch sank die Förderung vom Maximum (ca. 58500t 1853) auf 30000 - 40000 t. 1878 soff die 4. Sohle ab, 1880 erreichten die Zuflüsse 5,4 m³/Minute. 1885 fiel im Januar die Wasserhaltung aus, das Grubengebäude soff ab und die Zeche wurde stilllgelegt.
Von den Zechenanlagen sind keine Reste erhalten. Hier befindet sich heute Wohnbebauung. Der Schacht liegt in einer Stichstraße und ist an der Revisionsöffnung erkennbar.

Glücksstern

Glücksstern
1748 wurde die Zeche gemutet und ging danach vermutlich in Betrieb. 1759 wurde ein Längenfeld im Flöz Kreftenscheer) östlich vom Muttental verliehen, aus dem bis 1846 Kohle gewonnen wurde. Unter der St. Johannes Erbstollensohle erfolgte 1862 die Konsolidation zu Ver. Bommerbänker Tiefbau. 1871 begann der erneute Betrieb in Richtung Osten. Die Förderstrecke erreichte die Endlänge von 2165 m. Daher wurde ab 1872 der Schacht Glückstern abgeteuft. Die Förderung wurde noch bis 1875 im Schacht Juno der Zeche Fortuna ins Osten gehoben, das Grubenwasser über den St. Johannes Erbstollen abgeführt. Die Nachbarzeche Bommerbänker Tiefbau nutzte denSchacht ab 1875 für ausziehende Wetter. Als dieser 1881 teilweise einstürzte lief das Wasser in die Grubenbaue von Bommerbänker Tiefbau. 1888 kam die Stilllegung. Die Förderung lag bei 1000 t/a mit dem Maximum von 4911 t im Jahr 1876.
Am 14. Juni 1954 nahm die Kleinzeche Erhard den Betrieb auf. Sie fördert bis 25. August 1959 maximal 3763 t/a. Danach lief der Betrieb bis zum 31. März 1964 unter Glückstern. 1964 wuden 4261 t Kohle. Die durchschnittliche Förderung lag bei beiden Betrieben einige 100 t unter der Maximalmenge. Der Nachfolgebetrieb Glückstern II bestand vom 1. Januar 1964 bis 31. Oktober 1972. Er förderte zwischen 7371 t (1964) und 9396 t (1970).
Zusammen mit der Zeche Witten (s.u.) fand ein relativ langer Nachkriegsbergbau im Ortskern von Bommern statt.

Witten

Witten
Am Ruhrufer östlich von Bommern lag die Kleinzeche Witten. Von August 1935 bis November 1936 wurden etwas mehr als 2000 t Kohle gefördert.
Am 4. März 1948 wurde der Betrieb erneut aufgenommen. 1950 begann die Förderung im neuen Schacht. Bis zur Stilllegung am 31. August 1967 wurden jährlich 6000 - 8000 t Kohle gefördert mit dem Maximum von 11681 t im Jahr 1957. Bei zwei leichten Schlagwetterexplosionen wurden 1954 und 1963 jeweils drei Bergleute verletzt.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik
Constanz 1828 1829 zu Hermann 22  
Jupiter 1836 1837 1885 124  
Elisabeth 1840 1847 1885 230  
Glücksstern 1872 1875 1888 18  
Bommerbänker Tb. 1873 1875 1906 282 1885 - 1906
Fortuna ab 1873   1906    
Best (W) 1878 1879 1906 50  
Schacht Rosa 1840 1841 1906 110 flach  
Südstern 1895 1898 1903 110 flach  


maximale Förderung 180311 t im Jahr 1882
durchschnittlich 110000 - 150000 t/a


Bommerbaenker Tiefbau
Bommerbänker Tiefbau im Jahr 1886
Bommerbaenker Tiefbau
Infotafel am ehema- ligen Betriebsgelände
Bommerbaenker Tiefbau
Strasse auf dem frühe- ren Anschlussgleis
Bommerbaenker Tiefbau
Strasse auf dem frühe- ren Anschlussgleis
Bommerbaenker Tiefbau
Ehemalige Verwaltung
Bommerbaenker Tiefbau
Wasserhaltungsgebäude hahinter Lampenstube
Bommerbaenker Tiefbau
Wasserhaltungsgebäude
Bommerbaenker Tiefbau
Wasserhaltungsgebäude
Louisenglück
Zeche Louisenglück um 1840
Louisenglück
Schachtdeckel von Luisenglück
Louisenglück
Ehemaliges Betriebsgelände
Louisenglück
Revisionsöffnung des Förderschachts
Witten
Kleinzeche Witten Betriebsgebäude im Jahr 1935
Witten
Kleinzeche Witten Schacht im Jahr 1935

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