Zeche Franziska in Witten-Innenstadt

1856 - 1925


Übersicht Franziska


Die Zeche Franziska war eine der beiden "Großzechen" in Witten. Wie alle anderen Tiefbauzechen in Bereich der Ruhr - die sog. Südzechen - begann der Betrieb früh als Stollenzeche. Etwa ab der Mitte des 19. Jahrhundert setzte der Tiefbau unter der Stollensohle ein. Die Betriebsanlagen blieben wegen der meistens beengten Lage relativ klein. Da die geförderte Kohle nicht zu Koks veredelt werden konnte reichte der vorhandene Platz. Eine Kokerei benötigt viel mehr Fläche als die Brikettfabriken dieser Zechen. Der überwiegende Absatz war Hausbrandkohle (gebrochen und als Brikett), Schmiedekohle und bis zur Elektrifizierung Kohle für den Betrieb von Dampfmaschinen. Etwa bis 1900 konnten die Zechen noch gut mit den Großanlagen weiter nördlich mithalten. In den 1920er Jahren kam für die meisten Südzechen das Aus. Einige wenige konnten sich bis in die 1960er Jahre halten.
Die Zeche Franziska stellte den Betrieb 1925 ein. Eine mögliche Wiederaufnahme bei besserer Konjunktur blieb noch einige Jahre in der Diskussion, wurde dann endgültig ausgeschlossen. Das nötige Abpumpen des Grubenwassers wäre sehr teuer geworden und hätte mit Sicherheit viele kleinere Schäden in der Wittener Innenstadt erzeugt. Der erneute Abbau im Norden der Stadt, der nicht so stark bebaut war wurde noch bis in die 1960er Jahre nicht ausgeschlossen.
Der Stollenbetrieb begann in der Nähe des Wittener Hauptbahnhofs und weitete sich nach Osten aus. Später wurden südlich angrenzende Zechenfelder übernommen und gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die im Norden. Gleichzeitig erfolgte der Anschluß der Zeche Hamburg in Witten-Annen. Die erste Tiefbauanlage enstand durch Konsolidation der folgenden Stollenbetriebe zu Ver. Franziska Tiefbau im Jahr 1866. Die Trennung in Einzelbetriebe ist zuweilen unscharf, da Schächte gemeinsam genutzt wurden.


Franziska Tiefbau



Im Jahr 1839 konsolidierten die oben beschriebenen Stollenzechen unter der Erbstollensohle zur Anlage einer Tiefbauzeche. An 1839 begann am Haus Witten das Abteufen des Schachts Hardt. Er ging 1840 für die Wasserhaltung in Betrieb zusammen mit einem Schienenweg zur Kohlenniederlage an der Ruhr - damals der Haupttransportweg. Ab 1843 war er auch Förderschacht. Durch den Eisenbahnanschluss im Jahr 1849 und der besseren Absatzmöglichkeit verdoppelte sich die Förderung von 1845 bis 1855. Sie blieb bis zur Konsolidation zu Ver. Franziska Tiefbau im Bereich von 50000 Jahrestonnen. Das Maximum mit 68207 t wurde 1865 erreicht. 1859 endete die Förderung im Schacht Helene. Danach war er Wetterschacht. Dazu wurde unter Tage ein Wetterofen installiert und über Tage ein Wetterkamin. Die später übliche Ventilatortechnik befand sich noch im Anfangsstadium.
Ab 1853 war der Seilschacht in Betrieb. Sein Name kommt von einer hier eingebauten Seilförderung. Die Seile verliefen erst 33 m senkrecht und danach im Flöz Franziska bis zur 2. Tiefbausohle. Von dort wurden Wagen zur 1. Sohle gezogen. Die funktionierte nur weil kaum Grubenwasser zufloss, das auf der 1. Sohle abgepumpt wurde. Der Schacht konnte auch über Leitern befahren werden. Seilfahrt wuar damals noch nicht erlaubt. Heute wird das erhaltene Schachthaus von der Diakonie genutzt.

Ver. Franziska Tiefbau

Diese Betriebsgemeinschaft von Franziska Tiefbau und Frischauf Nordflügel (unter der Erbstollensohle), begann 1866 mit der gleichzeitigen Übernahme von Juliana und Schnepfenthal. Damit dehnte sich die Berechtsame in den Bereich des Borbachtals aus. Mit dieser Erweiterung nach Süden wuchsen die Wasserprobleme. [Bei Einbrüchen starben 1867 und 1870 jeweils vier Bergleute]. 1873 wurde Frischauf ganz übernommen. Die Förderanlage wurde ausgebaut und 1881 eine Brikettfabrik in Betrieb genommen. Der erste Föderschacht Hardt wurde durch den Schacht Eleonore ersetzt und diente danach nur noch der Wasserhaltung. Gleichzeitig nahmen die Bergschäden im Wittener Stadtgebiet zu. Ab 1885 war deshalb der Bergeversatz durch das Bergamt vorgeschrieben. In diesem Fall wurde Spülversatz angewendet. Die eingebrachten Aschen und Schlacken reduzierten die Senkungen stärker als reine Waschberge. 1895 waren die flächenmäßigen Expansionsmöglichkeiten erschöpft, dasselbe galt für die Zeche Hamburg. Daraus resultierte die Vereinigung zu Ver. Hamburg & Franziska.
Auf den früheren Zechengelände neben dem Haus Witten befinden sich heute Parkplätze und eine Grünanlage. Die Schächte sind an den Revisionsöffnungen erkennbar.

Hamburg

Die Zeche Ver. Hamburg war neben Ver. Franziska die zweite große Anlage in Witten. Auch sie hatte einige Vorläufer, die Stollenbau betrieben. Diese begannen schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Kohlegewinnung, allerdings in einem überwiegend bescheidenem Maß.
Später vergrößerte die Zeche ihr Grubenfeld durch Zukauf markscheidender Felder und dehnte sich nach Westen aus. Hier traf sie im Bereich einer Störung (Crengeldanzer Sprung) auf die Zeche Ver. Franziska. Beide fusionierten 1895 und bauten fast unter der gesamten Stadt Witten (mit den Eingemeindungen von 1929) Kohle ab.










Nördlich des ersten Stollenbetriebs entstand ab 1851 die Tiefbauanlage am Bahnhof Annen-Nord. 1848 hatte die Bergisch-Märkische Eisenbahn ihrer Strecke von Düsseldorf über Hagen nund Witten nach Dortmund aufgenommen. Mit dem Abteufen wurde der Betrieb in Ver. Hamburg umbenannt. Die Zechenleitung lag bei Adolph Hueck und Wilhelm Crone aus Dortmund-Hörde. Sie waren wie damals üblich die Namenspaten der neuen Tiefbauschächte. Der Ausbau ging relativ langsam voran, da nur der Gewinn der Förderung am Schacht Carl eingesetzt wurde. Ab 1856 lief der Betrieb an und erreichte aufgrund der kaum gestörten Flöze schnell eine Förderung von ca. 100 t täglich. Die weiteren Aufschlüsse nach dem Abteufen von Schacht Wilhelm waren weniger günstig, aber reichten für einen profitablen Betrieb. Der Abbau im südlichen Feld der 1899 übernommenen Zeche Ringeltaube war dagegen sehr lukrativ.
Die Zeche kam aber nicht über die Größe einer mittleren Anlage hinaus. So war der Zusammenschluss mit Franziska langfristig die einzige Option für das Überleben der Zeche. Heute sind noch die Revisionsöffnungen der beiden Schächte sichtbar. Daneben liegt der begrünte Haldenrest. Der nördliche Teil der Betriebsfläche ist heute Nahversorgungsbereich. Südlich ist noch das Schlaf- und Speisehaus von 1873 erhalten, heute Mehrfamilienhaus. Es wurde nötig um Bergleute unterzubringen als der Betrieb stark wuchs.
Die südlich der Betriebsanlage Hamburg gelegenen Zechen hatten wenige Verbindungen untereinander, da hier nur wenige abbauwürdige Flöze anstanden. Dazu kam die geringe Teufe. Hier stehen die ältesten Flöze im Ruhrgebiet an. Darunter liegen die flözleeren Schichten des Karbons.
In der Nähe des Freibads gab es zwei kleine Betriebe. Kleine Johann wurde von 1752 bis 1772 betrieben. Der Stollen erreichte eine Länge von nur 150 m und blieb unprofitabel. Der Friedrich-Braß-Stollen bestand von 1920 bis 1925. Er wurde von der Zeche Ver. Hamburg & Franziska betrieben und förderte aus dem Flöz Wasserfall, das viel Nebengestein enthält. So konnte ein Teil der Förderung der 1920 erschöpften Vorräte im Borbachtal kompensiert werden.

Wallfisch

Die Zeche Wallfisch war von Beginn mit anderen Anlagen verbunden, da alle i.W. drei nebeneinander liegende Flöze abbauten, die durch einen gemeinsam genutzten Stollen erschlossen waren. Der Zechenname könnte vom Sternbild Walfisch abgeleitet sein. Die anderen Stollenzechen haben den Namensbezug zum Steinberg, der in der Nähe des Stollenmundlochs liegt.
Das Grubenfeld wurde von der Zeche Franziska übernommen, die mit einer Tiefbauanlage die Kohle unterhalb der Stollensohle abbaute.