Zeche Oberhausen in Oberhausen

1854 - 1931


Übersicht Oberhausen


Die Zeche wurde unter dem Namen Königsberg nach den Mutungsbohrungen gegründet und 1858 umbenannt (bis 1871 wurde der alte Name noch benutzt). Der Bergbaupionier Franz Haniel konnte hier seine teuer erkauften Erfahrungen mit Wassereinbrüchen beim Teufen (Zeche Kronprinz) positiv nutzen. Man wagte das gleichzeitige Abteufen von zwei Schächten. Dabei wurde ein heute übliches Verfahren erstmals eingesetzt. Vom tieferen Schacht 1 wurde eine Strecke unter den Schacht 2 aufgefahren und dieser von unten aufgebrochen. So sparte man eine Förderung ein. Das Vorhaben glückte und die neue Anlage war schnell profitabel, da mehrere mächtige Flöze anstanden. Sie wurde als Doppelmalakoffanlage ausgeführt. Wegen des finanziellen Risikos konnten sich diese Anlagen nur sehr wenige Gesellschaften leisten. Selbst Haniel ging ein hohes Risiko ein. Im Schacht 2 wurde 1859 eine (im Ruhrgebiet wenig verbreitete) Fahrkunst installiert.
Zum Aufschluss des weit nach Norden reichenden Grubenfeldes wurden Luftschächte geteuft, die aber schnell zu selbständigen Anlagen wurden (Hugo Haniel, Sterkrade, Vondern und Osterfeld). Zwischen 1871 und 1891 ereigneten sich sieben Schlagwetterexplosionen. Bei der letzten starben 10 Bergleute, 1892 weitere fünf und 1903 drei Bergleute. Die letzte Explosion mit zwölf Toten ereignete sich 1912. Die Bewetterung war wohl immer nicht ausreichend, da durch "matte Wetter" (zu wenig Sauerstoff) 1929 drei Bergleute starben.
Nach der Stilllegung 1931 blieben die Wasserhaltung und die Brikettfabrik weiter in Betrieb. Ab 1937 bestand für einige Jahre ein Anschauungsbergwerk (wie allgemein so dargestellt) mit Kino in 609 m Tiefe. Tatsächlich wurde die Zeche zu einer Ausstellung zur Präsentation von Bergbauausrüstung der GHH umgebaut. Unter Tage wurde eine Bandförderung gezeigt, offensichtlich in einer nachgebauten Strecke. Sie befand sich wohl wie das Kino im Bereich des Füllorts der letzten Wettersohle. Das Publikum bestand eher aus Honoratioren (die Ehefrauen waren wie bei offiziellen Anlässen gekleidet) und Kaufinteressenten. Ein Anschauungsbergwerk mit Demonstrationsbetrieb wäre damals genauso gescheitert wie von einigen Jahren z.B. bei der Zeche Hugo, da die Sicherheitsvorschriften nicht einzuhalten waren.
Die Zeche gehörte zu dem früh begonnenen Verbund mit der Gute Hoffnungs Hütte, die in direkter Nähe entstand. Damit war sie erste der sog. Hüttenzechen, die wie eigene Erzgruben die Versorgungssicherheit bei Koks und Kohle garantierten.


Oberhausen 1/2
Die Schachtanlage Oberhausen war eine der Keimzellen der Industrialisierung in Oberhausen. Direkt nördlich entstanden die riesigen Anlagen der Gute Hoffnungs Hütte (GHH), auf deren Fläche heute u.a. das Centro Oberhausen liegt. Das Grubenfeld hatte die damals enorme Größe von knapp 85 km². Daher war es logisch im Nordfeld eigenständige Anlagen zu errichten. Diese waren bei der endgültigen Stilllegung übrigens alle an das Bergwerk Osterfeld angeschlossen, das aus dem ursprünglich als Schacht Oberhausen 3 geplanten Schacht entstand. Mit einer maximalen Förderung von 681424 t lag der Betrieb im Bereich der mittelgroßen Zechen. Bis 1879 befand sich die Zeche unter den zehn größten im Ruhrgebiet, was auf die solide Ausstattung und die daraus resultierende Produktivität zurück geht. 1861 lag die Leistung pro Mann und Schicht beispielsweise um mehr als 67% über der bei der Nachbarzeche Concordia.
Heute sind noch die Torhäuser am Zecheneingang erhalten und das Maschinenhaus von Schacht 1. Die Eingangsgebäude werden von einer Seniorenwerkstatt und einem Hostel (Herberge für Rucksacktouristen) genutzt, im Maschinenhaus arbeitet das Resonanzwerk, ein Eventveranstalter mt eigenem Tonstudio. Weitere Gewerbebetriebe und ein Getränkemarkt haben die Betriebsfläche bis auf einen kleinen Rest gefüllt. Etwa ein Drittel der Fläche besetzt das ehemalige Coillager der GHH. Hier hat heute die S + R Schweiß- und Rohrleitungstechnik GmbH ihr Lager. Der südlich angrenzende Bereich wurde nach dem 2. Weltkrieg mit Wohnungen bebaut.
Die beiden Schächte liegen in einem Grünstreifen. Ab 2015 wurden beide Schächte neu gesichert. Dazu wurde jeweils der Schachtkopf mit einem Betonpfropfen verschlossen. Über den Schächten stehen Protegohauben.
Die voll bewaldete und zugänglich gemachte Halde ist eine der weniger fast ursprünglich erhaltenen Spitzkegelhalden in Ruhrgebiet. In der Halde wurde ein Luftschutzstollen angelegt. Auf der Spitze befindet sich eine Aussichtsplattform und über die Halde verteilt sind kleine "Kunstwerke" zu finden.

Oberhausen 3
Der Schacht Oberhausen 3 wurde zur Bewetterung des Südfelds abgeteuft und befand sich auf Essener Gebiet im Stadtteil Frintrop. Letzlich war dies die Folge von zahlreichen Anordnungen der Oberbergamts am Ende des 19. Jahrhunderts (s.u.). Der Schacht wurde 1932 verfüllt und 2007 endgültig gesichert. Das Betriebsgelände und die kleine Halde wurden zu einer Parkanlage umgestaltet. Der Revisionsdeckel des Schacht liegt in einer Rasenfläche.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei/Brikettfabrik
1 1854 1857 1960 709 1859 - ca. 1890 (K)
2 1855 1859 1960 608 1907 - 1950 (B)
3 1904 1905 1930 396  


maximale Förderung 681424 1902

durchschnittlich 400000 - 600000 t/a


Die häufigen Schlagwetterexplosionen in den Anfangsjahren der Zeche bewirkten 1872 strenge Vorschriften der Bergbehörden (auch bei vielen anderen Zechen). Es war ein aus heutiger Sicht unglaublicher Leichtsinn verbreitet. Das Oberbergamt Dortmund erließ am 11. März 1872 dazu eine Verordnung, die Folgendes festschrieb:

Bei einer Überprüfung am 26. September 1872 wurde der Einbau eines Ventilators vorgeschlagen. Für 395 Mann und 12 Pferde der stärkstbelegten Schicht gab es nur 395 m³/min an Frischwettern. 1894 führte eine erneute Befahrung zu weiteren Vorschriften:

Am 9. Februar 1898 stellte die Wetterkommission der Oberbergamts immer noch Mängel fest. Die Temperatur lag über 29° C, zeitweise kam es zu Wetterstillstand und in der Lampenstube traten Mängel auf.
Dieses Beispiel zeigt klar, wie mangelhaft die Bewetterung (nicht nur der Zeche Oberhausen) war und wie unwillig die Zechenleitung bei der Verbesserung der Verhältnisse war. Die Konsequenz war des Abteufen des Wetterschachts.


Oberhausen 1/2
Oberhausen Schacht 1/2 historischer Prospekt der Tagesanlage
Oberhausen 1/2
Oberhausen Schacht 1/2 um 1910
Oberhausen 1/2
Oberhausen Schacht 1/2 um 1910
Oberhausen 1
Oberhausen Schacht 1 2014
Oberhausen 1
Oberhausen Schacht 1 2014
Oberhausen 1
Oberhausen Schacht 1 2016
Oberhausen 1
Oberhausen Schacht 1 2016
Oberhausen 1
Oberhausen Schacht 1 2016
Oberhausen 2
Oberhausen Schacht 1 2014
Oberhausen 2
Oberhausen Schacht 1 2014
Oberhausen 2
Oberhausen Schacht 1 2016
Oberhausen 2
Oberhausen Schacht 1 2016
Oberhausen 1/2
Oberhausen 1/2 Torhäuser
Oberhausen 1/2
Oberhausen 1/2 Hostel
Oberhausen 1/2
Oberhausen Schacht 1/2 Gewerbebetriebe
Oberhausen 1/2
Übersicht der Ausstellungsräume
Oberhausen 1/2
Historischer Saal
Oberhausen 1/2
Bandanlage unter Tage
Oberhausen 1/2
Kinosaal unter Tage
Oberhausen Halde
Oberhausen Knappenhalde
Oberhausen 3
Oberhausen Schacht 3 während der Sanierung im Jahr 2007
Oberhausen 3
Oberhausen Schacht 3
Oberhausen 3
Oberhausen Schacht 3

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