Zeche Jacobi in Oberhausen-Klosterhardt

1912 - 1974


Jacobi Übersicht


Abgeteuft wurde die Zeche von der Gutehoffnunghütte (GHH) und nach dem ehemaligen Generaldirektor Hugo Jacobi benannt. Sie war als Musterzeche geplant und sollte nebenbei den Konzern repräsentieren. Daher wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, der auch spätere Erweiterungen der Tagesanlagen und die Zechensiedlung umfasste. Es enstand von 1912 - 1920 eine großzügig gestaltete Anlage, die pathetisch den Beinamen Versailles des Ruhrgebiets erhielt. Über eine Platanenallee gelangte man zur fast 200 m breiten Frontseite der Zeche, die einen großen Innenhof (140 x 70 m) mit von Bäumen gesäumten Rasenflächen begrenzte. Ein besonders auffälliger Bauteil war die mit blauen Fliesen gekachelte Lohnhalle. Die Kokerei nahm 1918 den Betrieb auf.
Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise wurde 1932 das Grubenfeld der stillgelegten Zeche Vondern übernommen.


Jacobi

Jacobi 1/2
Der Aufschluß des Grubenfelds begann 1910 von der Zeche Vondern aus. Beide Schächte wurden im Gefrierverfahren abgeteuft. Beim Schacht 2 bedingte ein Wassereinbruch 1912 eine Unterbrechung von zwei Monaten. 1913 konnten die Schächte in Betrieb gehen. Da unter Tage schon die Sohlen aufgefahren waren konnten im selben Jahr schon fast 60000 t Kohle gefördert werden. 1918 ging die Kokerei in Betrieb (wegen der Weltwirtschaftskrise von 1931 bis 1934 ausser Betrieb). 1921 begann der Vortrieb in Richtung der Zeche Franz Haniel. Der Durchschlag erfolgte 1924. Als 1925 der Schacht Franz Haniel 2 einstürzte ersoff Jacobi deshalb bis zur zweiten Sohle durch das zuströmende Wasser.
Während der Weltwirtschaftskrise legte die GHH die Zeche Jacobi mit der Zeche Vondern zu einem Verbundbergwerk zusammen. Die Stilllegung erfolgte 1974. Ab 1965 bestand ein Verbund mit der Zeche Franz Haniel in Bottrop, die beide Schächte noch bis 1978 zur Bewetterung nutzte. Wegen der unterschiedlichen Kohlesorten lief der eigenständige Betrieb weiter. Die geförderte Kokskohle wurde auf der Kokerei weiter verarbeitet. Diese wurde als letzter Betriebsteil 1984 stillgelegt.
Die Folgenutzung des Zechenareals erwieß sich als Problem, da der Boden unter der Kokerei zu starke Altlasten aufwies. Statt eines Austauschs kam nur die Versiegelung in Frage statt wie geplant, Gewerbe anzusiedeln. Das anfallende Grundwasser wird in einer Drainage gesammelt und mit Aktivkohlefiltern gereinigt. Dieses BTX-Absorption genannte Verfahren kam hier 1989 erstmals zur Anwendung. Die Dauer der Bodensanierung wurde auf 20 Jahre geschätzt.
Als einziges Gebäude blieb das Pförtnerhaus erhalten. Das Gelände ist zu einem Volksgolfplatz umgestaltet worden. Die beiden Schächte liegen in der Grünanlage am Eingang, sind aber nicht zu erkennen, da keine Markierungen vorhanden sind. Sie wurden komplett mit Beton verfüllt und unterlagen damit nicht mehr der Bergaufsicht. Auf der Bahn 2 des Golfplatzes ist noch ein kleines Stück der Kokereigasleitung als letzter Rest der Zeche erhalten. Der Golfplatz startete holprig, da der Investor (EGC-Golf Cours GmbH aus Gladbeck ohne gültige Baugenehmigung arbeitete. Der Vertrag mit dem Kommunalverband Ruhr (KVR) wurde gekündigt. Ein neuer Investor (Sommerfeld GMBH aus Friedrichsfehn) eröffnete am 23. April 2001 eine 9-Loch-Anlage mit weiteren sechs Kurzbahnen. Mit der Zeit vernachlässigte der Betreiber die Pflege der Anlage. Auch die 2007 beim Orkan "Kyril" zerstörte Abschlaghalle war nach einem Jahr nicht wieder aufgebaut. Bevor der Ruf der Anlage völlig ruiniert war zog der Regionalverband Ruhr als Rechtsnachfolger die Notbremse und kündigte 1998 den Vertrag. Der Nachfolger wurde die Red Golf Oberhausen GmbH & Co. KG. Mit der Renovierung des Clubhauses, besserer Pflege und dem Neubau einer vollautomatischen Abschlaghalle konnte das verloren gegangene Vertrauen der Golfer zurück gewonnen werden. Heute besteht die Anlage aus 18 Bahnen und einer großen Übungsanlage. Die aktuellen Firmierung lautet GC Oberhausen GmbH & Co. KG.

Vondern

Vondern 1/2
Die Zeche wurde nach der gleich nebenan liegenden Burg Vondern benannt. 1898 nur als Wetterschacht für die Zeche Oberhausen geplant, wurde die Anlage ab 1903 zur eigenständigen Zeche ausgebaut, die auch ab 1907 eine Kokerei besaß. Es wurden beim Abteufen viele bauwürdige Flöze durchfahren und dadurch unerwartet große Kohlenvorräte erschlossen. 1913 wurde mit 685074 t die maximale Förderung erreicht. Im Schnitt lag sie bei 400000 - 550000 t/a.
Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise erfolgte 1932 die Fördereinstellung und der Abriss der meisten Tagesanlagen. Die Schächte blieben für Seilfahrt und Materialtransport offen und wurden von der Zeche Jacobi bis 1965 benutzt. Die noch vorhandene Gebäude wurden nach dem Verfüllen der Schächte im selben Jahr abgerissen.
Seit 1974 verläuft die A42 über den nördlichen Teil des Zechengeländes. Der Rest ist naturbelassen und verwaldet langsam. Die Schächte sind an den Revisionsöffnungen erkennbar. Der einzige Hinweis auf die Zeche ist die nördlich gelegene Zechenkolonie.
Die Brache Vondern gehört zur Route der Industriekultur und ist inzwischen zu einem wichtigen Biotop geworden. Von besonderer ökologischer Bedeutung sind eine kleine Orchideenwiese und ein winziges Moor, das sich an einer Stelle mit stark verdichtetem Boden bildete. Zu stark wuchernde Pflanzen wie der japanische Knöterich werden regelmäßig beschnitten, damit die Pflanzenvielfalt (etwa 450 Arten) bestehen bleibt. Ohne diese Maßnahme gäbe es hier nur noch vergleisweise wertlosen Wald.
2003 gab es noch Hinweisschilder über den Schächten, 2010 nur noch am Schacht 2. An gleicher Stelle war der Versuch, ab 1863 den Schacht Herzog von Arenberg abzuteufen gescheitert. Die Arbeiten wurden 1865 eingestellt.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
Jacobi 1 1912 1913 1974 890 1918 - 1984
Jacobi 2 1912 1913 1974 874  
Vondern 1 1898 1902 1932 508 1907 - 1930  
Vondern 2 1903 1905 1932 663  


maximale Förderung 2.054970 t 1942

durchschnittlich 1 - 2 Mio. t/a


In den 1940er Jahren wurde mit dem Bau einer Bahnstrecke zwischen dem Bahnhof Bottrop-Nord und der Zeche Jacobi begonnen; aus unbekannten Gründen wurde dieses Projekt jedoch nicht beendet.


Jacobi 1/2
Abteufgerüst Jacobi 1
Jacobi 1/2
Plan der Schachtanlage Jacobi von 1922
Jacobi 1/2
Plan des "Innenhofs" Jacobi von 1922
Jacobi 1/2
Frontansicht
Jacobi 1/2
Lohnhalle
Jacobi 1/2
Zechenzufahrt um 1925
Jacobi 1/2
Luftbild Jacobi 1/2 aus den 1920er Jahren
Jacobi 1/2
Ansicht Jacobi 1/2 1939 mit neuem Berüst von Schacht 2
Jacobi 1/2
Zechenplan Jacobi 1/2 von 1961
Jacobi 1/2
Luftbild Jacobi 1/2 von 1968
Jacobi 1/2
Ansicht Jacobi 1/2 um 1970
Jacobi 1/2
Golfplatz mit mit Rest der Gichtgasleitung
Jacobi 1/2
Abriss der Förder- gerüste im Juli 1979
Jacobi 1/2
Abschlaganlage am Golfplatz
Jacobi 1/2
Bereich der Schächte
Vondern 1/2
Vondern 1/2 im Abteufen und um 1925
Vondern 1/2
Vondern 1/2 im Jahr 1912
Vondern 1/2
Vondern 1/2 im Jahr 1920 mit kanalisierter Emscher
Vondern 1/2
Vondern 1/2 im Jahr 1926 hinter der Burg Vondern
Vondern 1/2
Vondern 1/2 im Jahr 1956 mit Restgebäuden
Vondern 1/2
Vondern 1 nach Umbau im Jahr 1956
Vondern 1/2
Schachtmarkierung Vondern 1 im Jahr 2003
Vondern 1/2
Schachtmarkierung Vondern 1 im Jahr 2003
Vondern 1/2
Schachtdeckel Vondern 1 im Jahr 2006
Vondern 1/2
Schachtmarkierung Vondern 2 im Jahr 2003
Vondern 1/2
Schachtmarkierung Vondern 2 im Jahr 2003
Vondern 1/2
Schachtmarkierung Vondern 2 im Jahr 2010

zur Auswahl