Zeche in Auguste Victoria in Marl

1899 - 2018(?)

Namenspatin der Schachtanlage war Prinzessin Auguste Viktoria Friederike Luise Feodora Jenny von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg VA [was für ein Name!] als Gemahlin Wilhelms II. die letzte deutsche Kaiserin und Königin von Preußen. Sie ist aktuell (2011) eine der letzten Steinkohlenzechen in Deutschland. Sie war die am längsten privat betriebene Anlage im Ruhrgebiet und gehörte ab 1908 zur Interessengemeinschaft chemischer Werke (später IG Farben) und ab 1953 zur BASF, einem der größten Chemieunternehmen weltweit. Diese verkaufte 1991 das Bergwerk an die RAG.
Eine Sonderstellung nimmt die Zeche beim Erzabbau ein. Ein in einer Störung (Tertius-Sprung) zufällig erschlossenes Lager von Blei-Zinkerzen wurde bis 1962 abgebaut und lieferte in den 1950er Jahren knapp 20% der deutschen Förderung. Die ehemaligen Chemischen Werke Hüls (CWH) entstanden ab 1928 neben der Zeche auf der Basis von Kohlechemie zur Herstellung von künstlichem Kautschuk. Das aus Butadien und dem Katalysator Natrium produzierte Polymer Buna (ButadienNatrium) hatte große Bedeutung für die deutsche Rüstungs- und Kriegswirtschaft vor und während des Zweiten Weltkrieges. Aus den CWH entwickelte sich der Chemiepark Marl, einer der größten Chemiestandorte in Deutschland und Europa. Auf dem 650 Hektar großen Gelände produzieren knapp 30 Unternehmen insgesamt über 10.000 Beschäftigten (2004).
Mit der kleineren Nachbaranlage Brassert bewirkte die Zeche die Entwicklung des Kirchdorfs Marl zu der heutigen Stadt (Stadtrechte seit 1926), in der seit 1964 jährlich der renommierte Fernsehpreis des hier ansässigen Grimme-Institut vergeben wird. Eine weitere kulturelle Einrichtung ist das Skulpturenmuseum Glaskasten, das seit 1984 den Marler Video-Kunst-Preis verleiht.
Der alte Schacht 1 geriet beim Abteufen bei 40 m in Schiefstellung, die nicht mehr ausgeglichen werden konnte und mußte aufgegeben werden. Der Schacht 2 wurde zu Schacht 1 und ein neuer Schacht 2 geteuft. Das Weiterteufen setzte man zum ersten mal im Ruhrgebiet das Gefrierverfahren ein. Im Schacht wurde eine Solequelle erschlossen, die ab 1910 für ein Solebad genutzt wurde. Diese war bis Anfang der 1960er Jahre in Betrieb. Neben der Kohle wurde an diesem Standort auch das Erz aufbereitet, das ab 1936 abgebaut wurde.
Das Zechengelände ist zum Teil abgeräumt und als Gewerbegebiet ausgewiesen. Die beiden Fördergerüste sind erhalten. Die angrenzenden Werkstatt -und Verwaltungsgebäude sind weiter in Nutzung für die Ausbildung. Der alte Schacht 1 war nur abgedeckt und Brunnen für Kühlwasser. Er wurde wie die beiden anderen 2007 verfüllt. Er lag im Bereich des Parkplatz neben den Schächten und hat keine Spuren hinterlassen.
Das Ende der Kokerei hing unmittelbar mit der Absicht der CWH zusammen, von Kohlechemie auf Erdölbasis umzustellen. Gleichzeitig endete der Kohleabbau im Bereich der Anlagen 1/2 und 4/5, da die Flöze steil gelagert waren die Kohle nur für die Kokserzeugung geeignet war.
Beim Abteufen von Schacht 3 wurde gleich das Gefrierverfahren angewandt. Es konnte aber nicht verhindern, dass gleich nach der Fertigstellung 1927 Schwimmsand einbrach und der Schacht samt Förderturm zu Bruch ging. Es bildete sich ein wassergefüllter Trichter. Es kamen zufällig nur fünf Arbeiter ums Leben, da sich das Unglück an einem Sonntag ereignete. Erst 1934 wurde mit dem Wiederaufwältigen gegonnen und 1937 die Förderung aufgenommen. Nach dem Abteufen von Schacht 7 verlagerte sich der gesamte Zechenbetrieb an diesen Standort. Über Schacht 3 steht ein Doppelbockgerüst und eine Turmförderanlage über Schacht 7.


Die Anlage 4/5 sollte eigentlich die Kohlen im südlichen Feld abbauen. Beim Auffahren einer Verbindungsstecke zum Schacht 1/2 wurde in der Störungszone des Blumenthalsprungs zufällig ein Erzlager (Blei/Zink) entdeckt. Das Erz wurde ab 1937 hier gefördert und am Schacht 1/2 aufbereitet, die Kohleförderung eingestellt. Somit entstand eine reine Erzzeche. Das Betriebsgelände blieb daher relativ klein. 1962 endete der Abbau wegen Unrentabilität und bis auf den Schacht 4, der weiter Wetterschacht blieb alle Gebäude abgerissen.
Im Fördermaschinenhaus von Schacht 4 befindet sich heute ein Museum zum Erzabbau. Das als Denkmal erhaltene Gerüst erhielt als Komplettierung wieder ein Förderseil, das i.d.R. nicht aufgelegt wird. Der Schacht 5 ist als kreisförmige Rasenfläche mit einer Baumumrandung erkennbar. Auf dem restlichen Betriebsgelände entstand Wohnbebauung.
Das Grubenbild zeigt die Lage des Erzgangs im Blumenthal-Sprung. Dieser bedeutet ein Absinken der Schichten westlich davon um ca. 650 m. Angedeutet ist dies durch die Pfeile, die jeweils die Lage des Flözes Sonnenschein markieren. Der Ausschnitt aus dem Grundriss der 3. Sohle zeigt die Ausrichtung der Strecken. Die Erzförderung soll nie wirklich rentabel gewesen sein bis auf die Zeit des Koreakriegs 1950 - 1953.
maximale Erzförderung 352420 t 1942
durchschnittlich 100000 - 300000 t/a
Der Schacht 6 wurde zur Erschließung des nordöstlichen Grubenfelds als Luftschacht abgeteuft. Von 1958 bis 1994 fanden auch Seil- und Materialfahrt statt. Seit 1999 wird ein Teil des nicht mehr benötigten Geländes von einer Behindertenwerkstatt genutzt und der Schacht 2007 verfüllt. Die Turmförderanlage ist noch erhalten.
Mit dem Abteufen von Schacht 8 erfolgte die Konzentration aller Aktivitäten auf das Nordfeld. Er ist der zentrale Seilfahrtschacht. Direkt in der Lippeaue gelegen sollte er das Landschaftsbild möglichst nicht beeinträchtigen. Das gedrungen wirkende Fördergerüst in der Form eines A ist durch die Eingrünung der Betriebsfläche auch ziemlich unauffällig. Nach dem Ende des Kohleabbaus soll die Fläche renaturiert werden.
Der nördlichste aktive Schacht im Ruhrgebiet ist Auguste Victoria 9. Er liegt versteckt in einem Waldgebiet und hat nur die für einen Wetterschacht nötigen technischen Einrichtungen. Ein Schachtgerüst ist nicht vorhanden, nur eine Befahrungsmöglichkeit für Wartungsarbeiten. Auch hier steht nach dem Ende eine Renaturierung an.
Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stillegung max. Teufe (m) Kokerei
1 1899 1903 40
1 (2) 1900 1906 1967 1176 1908 - 1966
2 1903 1905 1967 1187
3 1925 1937 1035
4 1928 1929 1967 830
5 1930 1931 1967 705
6 1950 1952 2007 829
7 1957 1960 1260
8 1963 1967 1296
9 1987 1990 1330
Haltern 1/2 ab 2001
maximale Förderung 3.541345 t 1995
durchschnittlich 2,6 - 3 Mio. t/a
2001 wurde das stillgelegte Bergwerk Blumenthal übernommen. Von den zahlreichen Schächten wurden nur die Schächte Haltern 1/2 übernommen und der Schacht An der Haard 1, der für einen möglichen Abbau im Feld Olfen konserviert wurde. Die Schächte General Blumenthal 2/6, 3/4, 7, 8 und 11 wurden aufgegeben und später verfüllt, ebenso der Schacht Emscher Lippe 6.

Schacht 1

Schächte 1 und 2

Schacht 2

Schacht 3

Einbruchtrichter

Schacht 4

Schacht 4

Schacht 4

Schacht 4

Schacht 5

Schacht 5

Schacht 6

Schacht 7

Schacht 7

Schacht 8

Schacht 9
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