Zeche Blankenburg in Witten-Durchholz

1856 - 1925


Übersicht Blankenburg


Die Zeche Blankenburg war einer der typischen kleineren Betriebe südlich der Ruhr, die sich aus zahlreichen Stollenbetrieben entwickelten. Dabei waren die Grubenfelder im Vergleich zur Fördermenge sehr ausgedehnt. Da geologisch bedingt oft die Gebirgsmulden den Abbau bestimmten waren die Felder langezogen und eher schmal. Hier 5,6 km streichend und 2,75 m querschlägig.
Ein weiteres Merkmal sind ähnliche Betriebsentwicklungen. Beim Übergang zum Tiefbau fand die Konsolidation der zu kleinen Einzelzechen zu einem Betrieb statt, der die finanziellen Kosten tragen konnte. Meistens hielten sich die Betriebe bis zur ersten großen Bergbaukrise um 1926. Sie wurden stillgelegt oder finanzstarke Großzechen weiter nördlich kauften sie auf. Diese waren an der Erhöhung ihrer Förderquote beim Kohlesyndikat interessiert. Entweder legten sie die übernommenen Zechen gleich still oder betrieben sie noch einige Jahre. Sie beuteten nur die besten Flöze aus, sparten sich die Ausrichtung und konnten bei der folgenden Stilllegung eine höhere Quote mitnehmen.
Nach dem Krieg kam es in den Grubenfeldern zu einem erneuten Abbau durch Kleinzechen, die Pfeilerreste günstig abbauten und die Kohle beim herrschenden Kohlemangel gut absetzen konnten. Solange es sich lohnte lief der Abbau. Die meisten Betriebe endeten nach wenigen Jahren, einige liefen deutlich länger. Daneben entwickelten sich etwas größeren Anlagen, die bis in die 1960er überlebten. Es kam dabei immer wieder zu Um-/Rückbennenungen der Betriebe.
Bei Blankenburg ist eine ähnliche Entwicklung erkennbar. Die Zeche entstand aus den im Folgenden beschriebenen Stollenzechen. 1913 kam die Zeche Hammerthal dazu. Nach der Stilllegung entwickelte sich aus Teilbereichen die Zeche Neu-Blankenburg. Die seit 1727 bestehende Zeche Cleverbank übernahm ab 1935 größere Felderteile und auch die im südlichen Zechenfeld enstandene Zeche Elisabethenglück.


Blankenburg

Laurentius

Laurentius

Blankenburg

In der ersten Betriebsphase von 1754 bis 1856 gab er nur ein geringen Kohleabbau. Um 1856 begann als Neu-Blankenburg die Tiefbauphase mit dem Abteufen von Schacht Henry ab 1860. 1865 kam die Umbenennung in Blankenburg. Bei der Konsolidation wurden Ver. Geschwind, Friedrich August und der Jägerstollen übernommen. Im Tiefbau wurde 1875 80% der Förderung erzielt. Der Rest kam aus dem Jägerstollen. 1882 wurde die bisherige Schmalspur-Pferdebahn durch eine normalspurige Lokomotivbahn bis Bahnhof Blankenstein ersetzt und auch die Brikettfabrik in Betrieb genommen. Etwa zehn Jahre lang schwankte die Förderung zwischen 45000 und 80000 t jährlich. Erst 1895 lag sie über 100000 t. Grund waren die Übernahmen der südlich angrenzenden Zechen. Danach lag die Förderung zusammen mit der des Jägerstollen (Fördereinstellung 1915) bei etwa 130000 t/a. In den letzten Jahren lag sie fast 60000 t niedriger. Der Betrieb blieb so im Bereich der kleinen Mittelzechen stecken. 1925 wurde die Zeche stillgelegt.
Unter dem Namen Neu-Blankenburg begann 1946 ein neuer Abbau. 1948 wurden 5783 t gefördert, 1950 13895 t. Ab 1951 lief der Betrieb wieder als Blankenburg. Gefördert wurden 15000 - 22000 t/a mit dem Maximum von 22166 t 1958. Die Stilllegung kam 1960.
Heute steht noch ein Betriebsgebäude, das ein Sanitärhandel nutzt. Daneben ist der Feinkohleturm erhalten. Der Revisionsdeckel von Schacht Henry ist zugänglich. Am Feinkohleturm steht ein Kohlewagen und davor eine Infotafel. An der zweiten Zufahrt sind ein kleiner Abbauschild und eine Seilscheibe als Erinnerung an den Bergbau auaufgestellt worden.

Im Jahr 17. Januar 2012 gab es einen Tagesbruch im Bereich der A43 im Grubenfeld Blankenburg. Der Schaden sollte schnell beseitigt werden. Dazu wurde schnellbindender Beton über Bohrlöcher in die angestroffenen Hohlräume eingebracht. Das ging schief. Ein Teil des noch flüssigen Betons trat am Mundloch des Laurentiusstollen aus. Was war passiert?
Der Laurentiusstollen war noch in Teilen standfest. Er verläuft bei etwa 700 m unter der Autobahn und ist auch danach noch stabil. Da er weiter alle Grubenwässer aus dem Bereich Vormholz abführt hat er besonders im Winterhalbjahr einen starken Abfluss. Daher wurde der größte Teil des Betons, das über abbautechnisch bedingte Verbindungen (die vermeintlich begrenzten Hohlräume) zum Stollen abfloss in den Pleßbach gespült, der in die Ruhr fließt. Diese Schlämpe ist extrem gefährlich für die Fauna des hier bestehenden Altarms der Ruhr mit minimaler Fließgeschwindigkeit. Im Extremfall kann auch der sog. Ruhralarm ausgelöst werden, bei dem alle Wasserwerke unterhalb der Einleitungsstelle die Pumpen der Wassergewinnung abstellen.
Als Konsequenz wurde das Verfüllen unterbrochen und der Stollen erkundet. Wegen des Wassers legte eine Gerüstbaufirma einen etwa 800 m langen Steg an, um die Verfüllstelle überwachen zu können. Wegen CO2 aus dem oberen Stollenteil wurden Dämme gesetzt und Rohre für Frischwetter über Bohrlöcher eingebaut. Dazu kam noch die Beleuchtung des Stegs. Danach konnte die Verfüllung der Hohlräume erfolgreich beendet werden. Die Maßnahme dauerte gut sechs Monate und kostete letzlich einen hohen sechstelligen Betrag.
Der Grund für das Ausmaß des Schadens liegt wohl im 2. Weltkrieg. Der Stollen gehörte zur Firma Pleiger, die als Bergbauzulieferer begann. Das Mundloch liegt nicht frei zugänglich auf dem Betriebsareal. Produziert werden werden u.a. Hydraulikelemente. Diese wurden schon früher u.a. für U-Boote eingesetzt. Es scheint daher eine U-Verlagerung wie bei vielen Rüstungsbetrieben stattgefunden zu haben. Der Stollen hat in Teilen fast sechs m Breite und ist sehr gut in Stahl ausgebaut und deshalb nicht verbrochen. Dort arbeiteten Zwangarbeiter. Der Firmengründer Paul Pfleiger wurde wegen Verbrechen gegen den Frieden, Plünderung und Beteiligung an Zwangsarbeiterprogrammen angeklagt und am 11. April 1949 zu 15 Jahren Freiheitsstrafe ab dem 15. April 1945 verurteilt und vorzeitg 1951 entlassen.


Ver. Geschwind

1787 und 1812 wurde der Zeche Geschwind je ein Längenfeld gemutet. Der Abbau dürfte gering gewesen sein aber lohnte sich für ein Kohlenmagazin an der Ruhr um 1840. Genauso alt war die Zeche Adolphine. Von 1838 bis 1844 lief die zweite Betriebsphase.
1844 konsolidierten beide Betriebe zu Ver. Geschwind. 1855 begann das Abteufen eines tonnlägigen Schachts und 1856 der Tiefbau. Zur Bewetterung diente ein Wetterofen, der über einen gemauerten Rauchabzug an einem höher liegenden Wetterkamin angeschlossen war. Es gab solche Wetteröfen damals auch auf größeren Zeche wie Shamrock in Herne - allerdings unter Tage. Über Tage gab es nur wenige Öfen u.a. auf der Zeche Victoria in Essen-Kupferdreh/Byfang und der Zeche Urbanus in Bochum-Langendreer. Sie waren schnell veraltet, nachdem die ersten Ventilatoren wenige Jahre später zuverlässig arbeiteten.
Ab 1861 bestand eine Schmalspurpferdebahn zur Ruhr (zwei km Länge), später bis zum Bahnhof Blankenstein. 1865 kam die Konsolidierung zu Blankenburg. Der Schacht wurde danach nur noch zur Bewetterung genutzt. Heute ist nur noch der Wetterkamin erhalten. Die Förderung erreichte 1864 knapp 26000 t.
In der Berechtsame lag die Zeche Damasus. Sie förderte Mitte des 19. Jahrhunderts Kohlen- und Spateisenstein. Der Abbau von Kohle ist unbekannt. Etwas weiter westlich wurde 1842 der Piepers Erbstollen angesetzt. Er sollte u.a. die Berechtsamen von Geschwind und Blankenburg lösen. 1845 zu Freiheit konsolidiert.

Cleverbank / Pleßbach

Cleverbank
Die Feldverleihung war 1727, frühestens seit 1755 begann der Betrieb. Es lief mit mit vielen Unterbrechungen bis 1832. Der erste Stollen von Cleverbank lag in Witten in der Nähe von Haus Hardenstein. 1907 wurde der Betrieb wieder aufgenommen und 1911 Gut Glück & Wrangel übernommen. Danach bestand eine Betriebsgemeinschaft bis zur Stillegung 1925. 1928 übernahm die Zeche Taugenicht das Grubenfeld und nannte sich ebenfalls in Cleverbank um. Der Abbau verlagerte sich nach dem Erwerb der Laurentius-Erbstollengerechtigkeit und Umbenennung des Erbstollens in Laurentius-Stollen nach Westen. Ab 1940 (Durchschlag mit dem Stollen) und dem Erwerb der Berechtsame der seit 1925 stillliegenden Zeche Blankenburg wurden die Tageanlagen ins Hammertal verlegt. Ab 1941 wurde wieder der Name Taugenicht benutzt. 1952 kamen (nicht verwirklichte) Pläne zur Sümpfung von Blankenburg auf. Nach Konkurs im Jahr 1955 erwarb die Bayer AG in Leverkusen die Zeche und betrieb sie als Pleßbach weiter. Die Förderung lag bei 15000 - 30000 t/a, maximal 35832 t 1950.
Im selben Jahr wurde die Zeche Elisabethenglück (dort weiterhin selbständiger Betrieb) angepachtet. 1959 wurde die maximale Förderung von 40985 t erreicht. Es liefen gleichzeitig die Arbeiten an einem zwei Kilometer langen Verbindungsquerschlages. Der Durchschlag im Jahr 1961 brachte eine weitere Umbenennung in Neu-Pleßbach.
Die Zeche Elisabethenglück nahm nach der Mutung 1808 und missglückten Ansätzen um 1847 und 1873 erst 1927 den Betrieb auf, der bis 1930 gleich zweimal unterbrochen war. Die Förderung schwankte sehr stark. Das Maximum lag 1943 bei 84254 t und sank 1945 auf 22408 t. Im Mittel waren es rund 40000 t/a. Der Zusammenschluss mit Pleßbach brachte keine wirtschaflichen Vorteile. Ende 1962 kam die Stilllegung.
Das Zechegelände ist überwiegend bewaldet. Es steht noch die Ruine des Kauen-/Verwaltungsgebäudes.

Neben der Zeche Taugenicht lag die ältere Zeche St. Anna und Sybilla. Der Betrieb begann 1750 unter dem Namen St. Anna. Bis 1772 gab es einen unsteten Abbau. Die Zeche Sybilla war schon 1737 in Betrieb. Auch hier gab es bis 1772 einen unsteten Abbau.
1854 lebte der Betrieb wieder auf. Gefördert wurde im Pferdegöpelschacht Heinrich (zuletzt 173 m tonnlägig). Die Förderung lag bei 3000 - 4000 t/a. 1870 erfolgte auf Anordnung der Bergbehörde (Begründung: Verleihung) die Umbenennung in St. Anna & Sybilla. Bis zur Stillegung im Jahr 1880 lief der Betrieb unter diesem Namen. Von 1906 bis 1913 bestand die Wassserlösung durch Laurentius-Erbstollen.
Von 1921 bis 1924 lebte der Abbau unter dem Namen Anna & Sybilla noch einmal auf. 1922 erreichte die Förderung 7883 t. Nach der Stilllegung übernahm Taugenicht 1924 den Betrieb.

Im Bereich des Grubenfelds lagen weitere überwiegend unbedeutende Zechenbetriebe.
Fernerglück bestand kurze Zeit ab 1785. Eine neue Inbetriebnahme 1837 scheiterte am unbauwürdigen Flöz. Ähnlich erfolglos war eine Betriebsphase von 1871 bis 1875. Von 1924 bis 1927 war die letzte Betriebsphase. Von 1071 t stieg die Förderung bis auf 3153 t im Jahr 1926.
Die Zeche Jungmann bestand schon von 1751 bis 1771 mit aktivem Betrieb. 1935 gab es die Wiederinbetriebnahme. Die Förderung betrug 1937 9777 t und 1939 12507 t. Im selben Jahr kam die Stilllegung wegen erhöhter Wasserzuflüsse.
Der Stollen Leo wurde 1840 verliehen, aber nur von 1873 bis 1876 betrieben. Das Feld kam 1903 zu Alte Haase.
Im Stollen von Neu-Lahn wurde von ca. 1881 bis 1888 Kohlen-, später auch Spateisenstein, möglicherweise auch Steinkohle abgebaut.
Nur Neugottsegnedich bestand längere Zeit. Der Ursprungsbetrieb lag in Witten in oberen Muttental. 1780 gemutet als Gottsegnedich dauerte die Hauptbetriebspase von 1797 bis 1834 an diesem Standort. Nach der Konsolidierung zu Ver. Neugottsegnedich 1835 wurden Stollen im Pleßbachtal angelegt, die bis 1846 und als Neugottsegnedich 1871 bis 1876 in Betrieb waren. 1886 wurde weiter östlich ein neuer Stollen angesetzt, der ab 1896 still lag. Gefördert wurden in der Spitze 3840 - 4789 t jährlich. In diesem Bereich entwickelte sich ab 1951 die Nachkriegskleinzeche Merkur, stillgelegt 1957.

Ver. Hammerthal

Hammerthal
Vor 1831 wurde schon ein Stollen unter dem Namen Hammerthal betrieben. Er war bis 1859 in Betrieb. 1888 begann der Abbau erneut. Dann folgte die Konsolidierung von Hammerthal und Vergißmeinnicht zu Ver. Hammerthal im Jahr 1890. 1893 kam die Stilllegung. Nach dem Erwerb Kuxenmehrheit durch Blankenburg kam es 1913 zur Wiederinbetriebnahme. Die Förderung lag bei 18000 - 21000 t/a mit dem Maximum von 15566 t 1922. 1925 kam die Stilllegung. Einen Teil des Grubenfelds übernahm die Zeche Elisabethenglück, die Berechtsame kam 1940 zu Alte Haase.
Südlich der Zeche lag der Stollen Johanna. Hier wurde ab etwa 1780 Kohle abgebaut. Bis 1858 lief der Betrieb mit jahrelangen Stillständen. Von 1875 bis 1910 gehörte er zu Blankenburg. 1933 konsolidierte ein Teilfeld zu Elisabethenglück.
Der Stollen Hergermann war von 1766 bis 1774 in Betrieb und konsolidierte um 1847 zu Ver. Glückauf & Hegermann. Der auch nur Gückauf genannte Betrieb wurde seit 1762 als Ver. Glückauf betrieben. Zwischen 1771 und 1824 ruhte der Abbau. Die Förderung lag bei 1000 - 3000 t/a. 1855 wurde mit 7611 t das Maximum erreicht. Die Stilllegung kam 1885. Das Grubenfeld übernahm 1901 Blankenburg und ging 1933 an Elisabethenglück.

Kleine Windmühle

Vereinigte Concordia
Die ehemalige Zeche Kleine Windmühle lag in Obersprockhövel am Sirrenberg. Der Bergbau im Umfeld begann schon im 18. Jahrhundert. Um 1750 begann das Auffahren des Gewerken-Hoffnungs Stollen (später als Munkerts Stolln bezeichnet). Der Stollen erreichte ein Länge von etwa 400 m. Ende 1773 erhielt er das Erbstollenrecht und war bis 1811 in Betrieb. 1822 konsolidierten Windmühlenbank, Concordia, Glücksburg, Gewerken-Hoffnungs Stolln und Bockmühlenbank zur Zeche Vereinigte Concordia. Ein Flügelort des Stock und Scherenberger Erbstollen hatte das Grubenfeld unterfahren und entwässerte den neuen Betrieb.
Dies führte 1841 zur Verleihung von Kleine Windmühle. Das bisher noch nicht gebaute Flöz Neuflöz sollte die Kohle liefern. Es ist meistens unbauwürdig - ein Abbau fand daher nicht statt. Erst nach der Betriebsaufnahme der Kleinbahn Bossel-Blankenstein begann die Ausrichtung des Grubenfeldes. Von 1920 bis Ende 1922 wurden etwa 7700 t gefördert. Nur auf formalen Gründen wurde 1924 einen Monat lang gefördert (Vergrößerung des Grubenfeldes und höhere Quote beim Kohlesyndikat).
Mit der Übernahme durch die VEW begann Ende 1926 eine nur bis 1930 dauernden Betriebsphase. Ende 1933 wurde die Gewerkschaft Kleine Windmühle aufgelöst. Die Förderung lag bei jährlich 45000 - 50000 t, 1929 wurden maximal 58956 t erreicht. Damit blieb der Betrieb im Bereich der Kleinzechen. Abgebaut wurden auch die Flöze Wasserbank und Hauptflöz.
1947 kam es durch die Kleinstzeche Angelus zu einem neuen Abbau, der nach 1 1/2 Jahren endete. Er fand im stehen gebliebenen Flöz Dreckbank statt.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude und Reste der Verladestation an der Kleinbahn Bossel-Blankenstein sind erhalten.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik
Geschwind 1855 1856 1925 101  
Henry 1860 1865 1925 214 1882 - 1925
Taugenicht 1920 1920 1941 68 (90 t)  
Kleine Windmühle 1919 1920 1930 176 (220 t)  


maximale Förderung 135417 t 1906
durchschnittlich 70000 - 120000 t/a


Kleinbahn Bossel–Blankenstein

Kleinbahn Bossel–Blankenstein
Die Kleinbahn Bossel–Blankenstein (KBB) war eine normalspurige Eisenbahnstrecke, nur 9,37 km lange Bahn durch das Hammertal. Sie verband die Bahnstrecke Hattingen–Wuppertal am Bahnhof Bossel mit der Ruhrtalbahn am Bahnhof Blankenstein. Die Bauzeit war von 1909 bis 1912. Planungen gab es schon 1834. Anfang des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage. Dies traf besonders die Steinbrüche im Hammertal. Es gab noch mehrere Hammerwerke, die wegen der hohen Transportkosten für Kohle nicht Dampfmaschinen für den Antrieb nutzten sondern Wasserkraft. Die Zeche Blankenburg hatte einen eigenen Bahnanschluss, Adolar im oberen Talabschnitt nicht. Als 1904 die Stilllegung der Zeche Sprockhövel angekündigt wurde war dies für die umliegenden Gemeinden der Anlass, so schnell wie möglich die Bahnstrecke anzulegen. Sie würde Transportkosten senken und Adolar könnte die Förderung und Beschaftigtenzahl verfünffachen. Diese Rechnung ging später tatsächlich in etwa auf. Der erste Bauabschnitt wurde am 18. Oktober 1910 eröffnet und band die reaktivierte inzwischen Glückauf Barmen genannte Zeche an. Der Abschnitt bis Ibachsmühle folgte am 22. Juli 1911 und der bis zum Bahnhof Bossel am 7. Februar 1912. Hier liegt der noch vorhandene Sirrenbergtunnel. Mit 35 m Länge ist einer der kürzesten in Deutschland. Hier liegt auch ein steiler Einschnitt, der einige Felsrutschungen auslöste. Die Einstellung der Bauarbeiten war zu befürchten. Da die Gemeinden 2/3 der Baukosten trugen kam Unruhe auf. Vorher hatte es schon Unstimmigkeiten bei der Streckenführung gegeben und kleinere Brände durch Funkenflug. Die betroffenen Kötter (Kleinbauern, die wenn möglich als Bergmann arbeiteten) erlitten Einbussen bei der Selbstversorgung. Wegen des Streits um Entschädigungen gab es keine Feier zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts.
Der letzte Bahnabschnitt hatte die Mermale einer Gebirgsbahn mit Steigung von bis zu 2,5 %, 20 m tiefen Einschnitten und 15 m hohen Dämmen. Die Bahn war als Güterbahn angelegt, transportierte in den Kriegsjahren als Ausnahme Bergleute in umgerüsteten Güterwagen. Die fast termingerechte Fertigstellung wurde 1912 groß gefeiert.
Von Beginn an schienen sich alle Erwartungen zu erfüllen. Mehrere Steinbrüche nahmen wieder die Produktion auf. Da das Hauptabsatzgebiet der Raum Bochum war kam 1912 in Bochum-Stiepel die Idee auf, eine Verlängerung bis zum Bahnhof Bochum-Weitmar zu bauen. Dabei wären mehrere kleinere Zechen angebunden worden. Der erste Weltkrieg beendete den (eher unrealistischen) Plan. Bei der KBB brach der Transport ein, erholte sich nach dem Krieg. Trotz der wirtschaftlich guten Lage kündigte die Continentale Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft mit Sitz in Berlin als Betreiber den Vertrag. 1921 übernahm die Betriebsgesellschaft für die Kleinbahn Bossel-Blankenstein. In der Zeit der Ruhrbesetzung hatte die KBB ironischerweise eine Blütezeit, da sie umgeleitete Verkehre zwischen besetztem und nicht besetztem Gebiet ermöglichte. Nach dem Abzug der Franzosen und Belgier 1925 lief die Wirtschaft im Ruhrgebiet wieder an, bedeutete für die Zechen im Hammertal wie schon erwähnt das Aus. Nur der unerwartete Bedarf an Bruchsteinen verhinderte eine Stilllegung. In nur zwei Jahren verdreifachte sich das Transportaufkommen. Die Weltwirtschaftskrise beendete 1929 diesen Boom. Alle Steinbrüche schlossen. Die Bahn fuhr nur noch bei Bedarf. Von 1933 bis 1945 erholte sich die KBB im Rahmen der Autarkiepolitik und erreichte 1944 die bis dahin höchste Transportmenge von 161000 t, davon 141000 t Kohle (v.a Zeche Elisabethenglück). Dies ging allerdings nur auf Kosten der Betriebsanlagen. Besonders die Gleise waren marode. Kriegsschäden gab es keine. Die Streckke war vergleichsweise unwichtig und die nur drei Loks und zehn Güterwagen konnten unter Bäumen versteckt werden. Nach dem Krieg drohte wieder die Stilllegung. Mit Beginn des "Wirtschaftswunders" lebte der Betrieb wieder auf, das Hauptgleis wurde erneuert und 1952 mit 277314 t das höchste Transportaufkommen erreicht. Dieses bestand allerdings bis zu 95% aus Kohle. Als die letzte Zeche schloss verlor die Bahn fast alle Kunden. 1966 wurde der Abschnitt Bossel-Durchholz stillgelegt. Dazu trug eine Entschädigung von 750000 DM bei, die beim Bau der in diesem Bereich geplanten A43 gezahlt werden sollte. Der Restbetrieb war unrentabel und 1968 wurde er eingestellt.
Heute sind noch einige Trassenstücke erkennbar. Der Sirrenbergtunnel und das ehemalige zum Wohnhaus umgebaute Bahnhofsgebäude in Blankenstein sind erhalten.

Geschwind
Wetterkamin der Zeche Geschwind
Blankenburg
Zeche Blankenburg um das Jahr 1920
Blankenburg
Schacht Henry der Zeche Blankenburg
Blankenburg
Schacht Henry der Zeche Blankenburg
Blankenburg
Schacht Henry der Zeche Blankenburg
Blankenburg
erhaltenes Gebäude der Zeche Blankenburg
Blankenburg
erhaltenes Gebäude der Zeche Blankenburg
Blankenburg
erhaltenes Gebäude der Zeche Blankenburg mit Feinkohlenturm
Blankenburg
Feinkohlenturm
Blankenburg
Feinkohlenturm
Blankenburg
Bergbauerinnerungen
Blankenburg
Segment eines kleinen Schildabbaus und Seilscheibe
Blankenburg
Kohlewagen am Feinkohlenturm
Blankenburg
Infotafel
Cleverbank
Stollen von Cleverbank um das Jahr 1935
Taugenicht
Zeche Taugenicht um das Jahr 1935
Taugenicht
Zeche Taugenicht um das Jahr 1937
Taugenicht
Zeche Taugenicht im Jahr 1938
Pleßbach
Verladung der Zeche Pleßbach im Jahr 1960
Pleßbach
Verladung der Zeche Pleßbach im Jahr 1960
Elisabethenglück
Elisabethenglück in der Stollenphase
Elisabethenglück
Stollen der Zeche Elisabethenglück
Elisabethenglück
Luftbild Zeche Elisabethenglück im Jahr 1952
Elisabethenglück
Fördergerüst der Zeche Elisabethen- glück im 1952
Elisabethenglück
alte Verladung von Elisabethenglück
Elisabethenglück
Verladung Elisabe- thenglück nach Umbau
Kleine Windmühle
Einschnitt der Kleinbahn bei Zeche Kleine Windmühle
Kleine Windmühle
Anschlussgleis Zeche Kleine Windmühle um 1985
Kleine Windmühle
Verladestelle der Zeche Kleine Windmühle um 1985
Kleine Windmühle
Verwaltung Zeche Kleine Windmühle um 1985

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