Monopol in Kamen/Bergkamen

1879 - 1983


Übersicht Monopol


Nachdem die Nordwanderung des Kohlebergbaus im mittleren und westlichen Ruhrgebiet schon stark vorangeschritten war, setzte auch weiter östlich dieser Trend ein. Hier ist das Deckgebirge wesentlich mächtiger. Damit entstanden noch höhere Kosten beim Abteufen der Schächte. Monopol war eine Gründung mit dem Hauptbeteiligten Friedrich Grillo aus Essen. Er hatte sich davor stark im Raum Essen/Gelsenkirchen engagiert (u.a. Zeche, Stahlwerk, Maschinenfabrik). Die Förderanlagen von Monopol befanden sich in Kamen und Bergkamen. Die bis dahin ländliche Gegend veränderte sich nicht so sehr wie im Kernruhrgebiet, da die Hauptsiedlungsbereiche Kamen und Werne nur kleine Ackerbürgerstädte waren und bei den Zechenanlagen neben Siedlungen kaum Industrie entstand. Die Ausnahme sind die Scheringwerke, die heute noch produzieren.
Die Anlage Grillo wurde nach ihrem Gründer benannt, Grimberg nach dem Bochumer Heinrich Grimberg, der mit Grillo zusammen die ersten F Marke Monopole-Heidsiek am Abend vor der (nach einer Mutung vorgeschriebenen) Konsolidierung der Einzelfelder beim Oberbergamt. Da ihnen kein schlüssiger Name einfiel, erinnerten sie wohl noch nicht ganz nüchtern an den Sekt. Auch wenn es nicht stimmen sollte - eine nette Anekdote. Die einzelnen Anlagen wurden mehrfach zu Betriebseinheiten zusammengelegt, die jeweils als eine neue Schachtanlage geführt wurden.
1898 übernahm die Gelsenkirchener Bergwerks AG die Zeche Monopol, 1933 die Essener Steinkohlenbergwerks AG und 1952 die Harpener Bergbau AG. 1956 erfolgte die Umwandlung zur Monopol-Bergwerks AG, die 1969 in die RAG eingebracht wurde. In den 1970er Jahren kam auch im Raum Kamen die Strukturkrise voll an. Daher wurde ein Verbund geplant, der unter dem Namen Neu-Monopol einen langfristigen Kohleabbau sichern sollte. Nach nur zehn Jahren kam der Stilllegungsbeschluss für Ende 1993. Über das ganze Jahr fanden Demonstrationen statt, Straßensperrungen, Betriebsbesetzungen, Auftritte im Fernsehen und viele Aktionen vor Ort. Geholfen hat es nicht. Nach 120 Jahren endete der Bergbau in Kamen und Bergkamen. Die Nachnutzung der Betriebsflächen bezieht sich auf das Jahr 2019.
Die Zeche hatte immer sehr große Probleme mit Methan. Bei Schlagwetterexplosionen starben insgesamt über 500 Bergleute (s.u.).


Grillo 1/2
Die Anlage Grillo 1/2 (Monopol I) wurde westlich der Stadt Kamen abgeteuft. 1873 begannen die Arbeiten am Schacht 1 unter dem Namen Acropolis angelehnt an die ersten verliehenen Felder. Nach der oben beschriebenen Anekdote kam 1874 die Umbenennung in (Friedrich) Grillo. Das Grubenfeld vergrößerte sich durch Zukauf bis 1901 auf 84,7 km² und war damit die größte Berechtsame im Ruhrgebiet.
Das Abteufen von Schacht 1 fiel in die Zeit der 1873 einsetzenden Konjunkturkrise. Dies verzögerte die Fertigstellung. 1879 wurden die ersten Kohlen gefördert, die nur für den Eigenbedarf bestimmt waren. Die Tagesanlagen wurden bis 1885 ausgebaut und die Förderung versechsfachte sich auf knapp 36000 t. 1887 wurden 126037 t erreicht. Seit 1885 bestand ein Gleisanschluss zum Bahnhof Kamen. Jetzt kam die Zeche in einen Bereich, der den Erwartungen entsprach. Es fehlte noch der zweite vorgeschriebene Schacht, da da ein zweiter Ausgang aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben war. Unter Tage wurde dazu ein Querschlag zur Zeche Königsborn aufgefahren. Da die Zeche den Vortrieb bei 1536 m einstellte und ihren noch fehlenden zweiten Schacht abteufte. Die letzten 900 m hätte Grillo alleine auffahren müssen. Der Rettungsweg wäre sehr lang geworden und möglicherweise wegen der schwierigen Bewetterung auch unsicher. Die Strecke in hartem Sanndstein und Konglomerat wärw sehr teuer geworden. Somit entschied man, den mittelfristig sowieso nötigen zweiten Schacht schon ab 1887 zu teufen. Er konnte schon 1889 in Betrieb gehen. Gleichzeitig verdoppelte sich die Förderung. Danach entwickelte sich Grillo zur Großschachtanlage. Ein Rückschlag trat 1898 ein, als unerwartet große Mengen Wasser auf der 3. Sohle auftraten. Die alte Gestängewasserhaltung (träge und langsam) konnte das Wasser nicht bewältigen. Der Abbaubereich mußte abgedämmt werden und konnte erst 1899 nach dem Einbau einer untertägigen Wasserhaltung gesümpft werden.
Die Anlagen über und unter Tage wurden weiter modernisiert. 1903 ersetzte eine Akku-Lok die Pferde in einer Förderstreckke. Monopol führte diese Technik als eine der srsten Zechen ein. Die Lok brachte sehr gute Resultate und Pferde kamen nach der Anschaffung weiterer Loks nur noch in entlegenen Betriebsteilen zum Einsatz. Der Zechenbetrieb lief auch während der Ruhrbesetzung ohne Einschränkung weiter, erst danach kam es bei der Krise der 1920er Jahre zu Einschränkungen. Trotzdem wurden die Tagesanlagen modernisiert. Das betraf besonders den Schacht 1. Er erhielt 1925 ein neues Gerüst, das mit 54 m damals eines der höchsten im Ruhtgebiet war. 1926 wurde der Malakoffturm abgetragen. 1927 wurde das Gerüst von Schacht 2 um 6,5 m aufgestockt. Damit konnten vieretagige Förderkörbe eingesetzt werden. Gleichzeitig ging ein automatischer Wagenumlauf in Betruieb. Die anfangs isoliert liegende Zeche mit ihrer Bergarbeiterkolonie und die Altstadt von Kamen wuchsen mit der Zeit zusammen. Auch immerhalb der Altstadt baute die Zeche zwei kleine Siedlungen.
Bis 1972 war Grillo 1/2 Förderstandort, danach noch bis 1981 Nebenanlage für Grimberg. Danach wurde im Schacht die zentrale Kühlanlage für den Abbau von Flöz Mausegatt installiert. Hier wurde im Unterbau der mit 1425 m Teufe bisher tiefste Abbaubetrieb im Ruhrgebiet eingerichtet. Ab 2002 befand sich hier auch die zentrale Wasserhaltung für das Grubenfeld Monopol. Das Verwaltungsgebäude gehört heute zum ab 1993 entstandenen Technopark Kamen. Im Newsletter von 2018 wird die Entwicklung zum 25-jährigen Bestehen ausführlich beschrieben. Für das Zentralmaschinenhaus und die Elektrozentrale konnten die Nutzungspläne nicht umgesetzt werden. Sie wurden 2016 abgerissen. Das Fördergerüst von Schacht 1 (verfüllt 2010) steht unter Denkmalschutz. Es ist eines der wenigen noch erhaltenen in Stahlkastenbauweise. Der Rest der Betriebsfläche ist für einen Gewerbepark erschlossen. Im östlichen Teil ist ein größere Siedlung (Gartenstadt Seseke Aue) mit Reihenhäusern entstanden, die die bisherige Lücke in der Bebauung um die Altstadt von Kamen schließt.

Grillo 3
Der Schacht Grillo 3 (genannt Kiwitt) liegt wie alle weiteren von Monopol auf dem Gebiet der Stadt Bergkamen. Der Name Kiwitt ist die plattdeutsche Bezeichnung für den Kiebitz, der hier wohl sehr zahlreich war, selbst als der Bergbau einsetzte. Die ansässige Bevölkerung verpasste dem neuen Schacht diesen Namen. Auch heute wirkt das Umfeld noch ländlich.
Der Schacht war als Frischwetterschacht für die Anlagen Grillo und Grimberg geplant. Diese Funktion brachte ab 1909 eine deutliche Verbesserung. Daneben sollte ein Teil der Belegschaft hier einfahren, da die Wege unter Tage immer länger wurden. So entstand hier eine große Zechenkolonie, die den Stadtteil Weddinghofen bis heute prägt, da sie im 2. Weltkrieg nur geringe Schäden erlitt. Es gab nur eine kleine Betriebsfläche, da ausser den Ventilatoren kein weiteren Anlagen bestanden. Eine Besonderheit war das Fördergerüst. Es stand bis 1926 auf der Zeche Hamburg in Witten-Annen. Von dort wurde es hierher versetzt und auf das bestehende Gerüst aufgesetzt. Eine solche Translokation hat es nur in ganz wenigen Fällen gegeben. Nach 1933 errichtete der Reichsarbeitsdienst am Schacht mehrere Wohgebäude, die nach dem Krieg als Notwohnungen dienten und später als Bergarbeiterwohnheim..
Auch bei Grillo 3 kam es zu einem Unfall. Am 26. April 1946 riss das Förderseil und ein Korb stürzte in den Schachtsumpf wobei sieben Bergleute starben.
Heute liegt der Schacht am Rand einer Kleingartenanlage, die auf der Betriebsfläche entstanden ist. Neben der Betonabdeckung des Schachts in einer Rasenfläche steht eine Informationstafel. Dahinter liegt die begrünte Minihalde, die aus dem beim Abteufen angefallenen Material aufgeschüttet wurde.

Grillo 4
Für das östliche Grubenfeld wurde der Schacht Grillo 4 (genannt Drei Finken) ab 1956 geteuft. Er ging 1959 in Betrieb und wurde als Material- und Wetterschacht genutzt. Er wurde nach der Stilllegung von Monopol weiter von Haus Aden genutzt und ab 2002 vom Bergwerk Ost. Der Schacht und die technischen Anlagen wurden abgerissen. Verwaltungs- und Kauenbebäude sind erhalten; sie nutzt heute ein Hersteller von Speiseeis und Popcorn. Auf der restlichen Fläche entstanden neue Produktions- und Lagerhallen. Die dort im Bereich der Hallentore liegende Revisionsöffnung über dem Schacht ist nicht frei zugäglich. Laut ihrer erstaunlich informativen Website ist die Firma Busemann international erfolgreich tätig.

Grimberg 1/2
Die Anlage Grimberg 1/2 (Monopol II) lag nahe dem Zentrum von Bergkamen. Neben ihr entstand aus den Anlagen der Kokerei ein Chemiebetrieb, der später die Hauptproduktionsanlage des Pharmaunternehmens Schering mit Sitz in Berlin war. Seit 2010 gehört es zu Bayer.
1890 begann das Abteufen von Schacht 1. 1892 war er mit 774 m Teufe der tiefste im Ruhrgebiet. Die Probleme mit dieser Teufe zeigt eine Schlagwetterexplosion mit vier Toten im selben Jahr. Dabei war die Förderung noch nicht aufgenommen worden. Man hatte wohl nicht so stark ausgasende Flöze erwartet, obwohl wie die hier anstehenden Gaskohlen bekannt waren. 1893 gegann die Eigenbedarfsförderung und gleichzeitig das Abteufen von Schacht 2. Offenbar führte ungenügender Schachtausbau in 82 m Teufe zum Zusammenbruch der Schachtwände. Dabei starben vier Schachthauer. Ab 1894 lief die regelmäßjge Förderung auf geringem Niveau, da zunächst die Grubenbaue ausgerichtet wurde. Die Flöze hatten zwar alle eine Mächtigkeit von reiner Kohle, die unter einem Meter lag, waren aber flach gelagert und hatten gutes Nebengestein. So hatte Grimberg langfristig eine gute Zukunftsprognose. Das Grubengas blieb weiter problematisch. 1901 starben durch eine Schlagwetterexplosion acht Bergleute.
Wie auf Grillo wurden ab 1927 die Tagesanlagen modernisiert. Der Schacht 1 erhielt ein neus Gerüst. Auch hier wurde der Wagenumlauf automatisiert und die Kohlenwäsche erneuert. Ab 1937 begann der Bau einer Fischer-Tropsch-Anlage zur Benzingewinnung aus Kohle. Schon damals gehörte dies zu den Kriegsvorbereitungen, um sich von Öllieferungen frei zu machen. Gleichzeitig konnte die stark erweiterte Kokerei optimal genutzt werden, da die Nebenprodukte direkt zu den daneben liegenden Chemischen Werken verarbeitet wurden. Bis 1944 hatte die Treibstoffproduktion oberste Priorität. Die Kohleförderung stieg unter Vernachlässigung der Vorrichtung.
Seit Anfang 1944 wurde auch Bergkamen bombardiert. Dabei wurden auch große Teile der Zechensiedlungen getroffen. Besonders katastrophal war ein Angriff am 11. September mit 300 englischen Bombern. Dabei wurden die Tagesanlagen von Grimberg 1/2 und das Kraftwerk total zerstört. Die Grubenbewetterung fiel aus und als Folge starben bei einer Schlagwetterexplosion 107 Bergleute, davon 21 Deutsche. Die anderen waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, überwiegend Russen und Italiener. In den zu 80% zerstörten Zechensiedlungen starben 162 Menschen. Die Schachtanlage wurde erst nach 1949 wieder aufgebaut. Die damals wieder teilweise produzierenden Chemischen Werke wurden trotz Protesten ab Juni demontiert. 300 britische Soldaten mit scharfen Waffen bewachten das abgesperrte Gelände. Die Militärregierung wollte jeden Widerstand mit Todesstrafe ahnden. Dieses Verhalten sorgte weltweit für Kritik und erst das am 22.November 1949 in Kraft tretende "Petersberger Abkommen" beendete die Demontage. Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer hatte erreicht, dass 18 große Industrieanlagen (darunter die Chemischen Werke) von der Demontageliste gestrichen wurden.
Ab 1949 wurde nach dem Wiederaufbau der Zechenanlagen der Kohleabbau fortgesetzt. Bis 1952 bestand ein Verbund mit Grillo. Von da an bis 1967 war Grimberg selbständig. 1953 forderte eine weitere Schlagwetterexplosion fünf Tote. 1967 wurden die Anlagen wieder als Grillo/Grimberg 1/2 geführt und ab 1970 unter dem Namen Monopol. Nachdem im Bereich Grimberg 1/2 der Kohleabbau 1974 eingestell war begann die Vorbereitung für den Betrieb Neu-Monopol. Dazu wurden ab 1975 insgesamt 12,325 km neue Strecken mit einer Vollschnittmaschine aufgefahren. 1979 kam der Schacht Werne 3 für die Wetterführung dazu. Für den langfristigen Absatz entstand in Bergkamen-Heil ein neues Kraftwerk, das über eine 2,1 km lange Bandanlage angeschlossen war.
Nach der Betriebsaufnahme am 13. 10. 1981 wurde die Kohle aus dem alten Feld Grimberg 1/2 und die Restkohlen von Grillo 3 und Grillo 4 gefördert. 1982 folgte die Rückbenennung in Monopol. Bis zum Verbund mit Haus Aden im Jahr 1993 vergingen nur wenige der prognostizierten Betriebsjahre. Im Nachhinein scheint die Entwicklung von Neu-Monopol eine politische Entscheidung der damaligen Landesregierung gewesen zu sein. Die Kohlelobby in der SPD war damals sehr stark. Die frühere Verwirklichung des Verbunds mit Haus Aden wäre sicher die wirtschaftlichere Lösung gewesen. Die Stilllegungspläne wurden von großen Demonstrationen und Straßenblockaden begleitet. Ein Autokorso legte die Dortmunder Innenstadt lahm.
Heute ist das Gerüst über dem Schacht Grimberg 2 erhalten. Es ist 73 m hoch und eine weit sichtbare Landmarke. Die Bauweise als Stahlkastenstrebegerüst ist einmalig. Besonders auffällig sind die vier übereinander angeordneten Seilscheiben. Die Fördergefäße hingen jeweils an vier Seilen, die Gegengewichte an dreien. Der Schacht blieb bis 2019 für die Wasserhaltung offen und wurde danach verfüllt. Über dem Schacht 1 steht eine Protegohaube. Weitere Überreste sind nicht vorhanden. Auf dem Kokereigelände entstand der Gewerbepark Neu-Monopol. Hier steht noch die Halle der Kohhlenmischanlage die ein Betrieb zum Recyclen von Rest- und Altholz nutzt. Die restlichen Flächen nutzen Betriebe aus dem KFZ-Bereich und ein Fitnesscenter. Damit wird das frühere Zechengelände komplett neu genutzt.

Grimberg 3/4
Die Anlage Grimberg 3/4 (Monopol III) lag nordwestlich von Grillo 3. Mit dem Abteufen von Schacht Grimberg 3 (genannt Kuckuck) wurde 1923 begonnen. In der Bevölkerung kam schnell die Bezeichnung Kuckuck auf, da dieser in der Umgebung sehr häufig anzutreffen war. Wegen der wirtschaftlichen Lage wurde die Anlage 1927 stillgelegt und der Bau der Tagesanlagen gestoppt. Der Schacht soff bis zur Karbongrenze bei 414 m Teufe ab. Erst nach dem Kauf von Monopol durch die Essener Steinkohlenbergwerke AG ging der Ausbau weiter. Der Schacht 3 wurde 1934 gesümpft und daneben Schacht 4 abgeteuft. 1936 begann die Förderung. Bis etwa 1942 dauerten die Ausbauarbeiten unter Tage. Dabei kam zum ersten Mal im Ruhrbergbau der schreitende Ausbau (im Prinzip der Vorläufer des heutigen Schildausbaus) zum Einsatz, der später als Löbbehobel serienreif wurde.
Bei dem oben beschriebenen Luftangriff war auch Grimberg 3/4 betroffen, da die Stromversorgung ausfiel für zwei Monate ausfiel. Nach dem Anschluss an eine Überlandleitung der VEW lief der Betrieb Ende 1944 wieder an. Ab 1945 wurde die Anlage selbständig geführt, zunächst unter der Regie der englischen Besatzungstruppen. Dabei kam es 1946 zum schwersten Unglück in einer deutschen Zeche. Um den Ausfall von Grimberg 1/2 zu kompensieren (Druck von oben durch die "North German Coal Control" NGCC) wurden alle Sicherheitsmaßnahmen stark zurückgefahren. Die Zeche galt als schlagwettergefährdet und die relativ weiche Kohle erzeugte beim Abbau viel Staub. Dieser lagerte sich überall ab, teilweise knöcheltief. Dieser leicht entflammbare Kohlenstaub wurde wegen des fehlenden Personals nicht mehr entfernt. Bei einem Gewitter am 20. Februar 1946 fiel der Luftdruck so stark, dass zusäztliches Methan aus der Kohle ausgaste und ein zündfähiges Gemisch entstand. Ein Funken löste eine Schlagwetterexplosion aus, die normalerweise lokal begrenzt bleibt. Hier wirbelte sie den Kohlenstaub auf und löste damit eine Kettenreaktion aus, die die gesamte 2. Sohle erfasste. Aus dem Schacht 3 schoss eine 300 hohe Stichflamme, die Druckwelle zerstörte die Schachthalle. Durch Trümmerteile starben drei Arbeiter auf dem Zechenplatz. Alle Schachteinbauten wurden zerstört. Unter Tage befanden sich 466 Personen. 64 Bergleute konnten lebend, 18 tot geborgen werden, die restlichen bliebn unter Tage. Auch der Betriebsleiter und drei britische Offiziere der NGCC waren unter den Toten. Insgesamt starben 405 Bergleute. Bei den Bergungsarbeiten von den Nachbaranlagen aus kam es immer wieder zu kleineren Bränden.
Besonders tragisch war das Schicksal von elf Überlebenden. Nachdem durch zu hohe Kohlenmonoxidwerte und Hitze durch die Brände keine Rettungsversuche von den Nachbaranlagen mehr möglich waren, begann die Suche über den zerstörten Schacht 3. So konnten einige Bergleute gerettet werden, die sich unterhalb der 1. Sohle befanden. Elf weitere waren von der 2. Sohle auf Notfahrten bis 40 m unterhalb der 1. Sohle geklettert und dort stecken geblieben. Sie waren so erschöpft, das die Rettung mit einem Einzelgeschirr zu gefährlich schien. Sie sollten mit einem Teufkübel geborgen werden. Als dieser in den Schacht abgelassen wurde erwies sich das Seil als 30 zu kurz. Bevor ein längeres Seil (mehr als 500 m) besorgt war, kam es auch auf der 1. Sohle zu einem Feuer (18:30 Uhr). Als der Rettungsversuch um 22 Uhr wieder aufgenommen wurde konnten die elf Bergleute nicht mehr gefunden werden.
Vor dem Schließen des Dammes am 22. Februar fanden Grubenbeamte noch einen überlebenden Elektriker. Bei einer erneuten Suche von Grillo 3 aus wurden acht Bergleute gefunden. Danach wurde weiter gesucht, aber allem Anschein nach gab es keine Überlebenden. Die Brände in den teilweise mit Holz ausgebauten Strecken näherten sich immer mehr dem Schacht. Daher wurde der Streckendamm geschlossen. Im März wurde in der Verbindungsstrecke zu Grimberg 1/2 ein 50 m breiter Damm gesetzt. Als nach 14 Wochen noch immer Brandgase gemessen wurden beschloss man, das gesamte Baufeld zu fluten. Dazu waren 1,2 Mio. m³ Wasser nötig.
Die Katastrophe bewirkte ein Verbesserung bei den Sicherheitseinrichtungen unter Tage und bei der Ausrüstung der Grubenwehren. Die alten Rettungsgeräte hatten nur für zwei Stunden Sauerstoff. Auch die Entwicklung von Filterselbstrettern wurde beschleunigt. Sie gehörten schon Mitte der 1950er Jahre zur Standardausrüstung und neutralisieren das tödliche Kohlenmonoxid für 60 - 90 Minuten. Alle elektischen Komponeten wurden sukzessive gekapselt, so dass heute bei gewissenhafter Wartung kein Funkenschlag möglich ist.
Erst 1952 waren die Schäden beseitigt und es folgte die erneute Förderaufnahme und der Ausbau der Tagesanlagen unter der Federführung des bekannten Industriearchitekten Fritz Schupp, der schon den ersten Entwurf geliefert hatte. Die neue Anlage wirkte etwas plump, da die Pläne gekürzt wurden. Die weitläufige Platzanlage mit Zechentor, Verwaltung und Waschkaue wurde zu einem Baukörper "geschrumpft". Offensichtlich war die Repräsentation nicht mehr gefragt. Ganz anders ist dies bei der zusammen mit seinem Kollegen Martin Kremmer geplanten Zeche Zollverein, die daher auch zum Welterbe der UNESCO zählt.
1973 wurde der Betrieb auf Grimberg 3/4 eingestellt und die Anlage 1974 von Haus Aden übernommen. Die anstehende Kohle wurde noch bis 1994 dort gehoben. Ab 1987 wurde der Schacht Grimberg 3 für den Abbau des Flözes Mausegatt tiefer geteuft. Er erreichte 1989 die Endteufe von 1635 m und war damit der tiefste Schacht in Europa. Zwischen 1995 und 1997 wurden alle Tagesanlagen abgerissen und die Schächte verfüllt. Auf den Schächten stehen Protegohauben. Das anfallende Methan wurde bis 2006 in einem Blockheizkraftwerk von der Firma Minegas verwertet.
Die ehemalige Bergschule wird vom TÜV Nord genutzt, der hier Qualifizierungsmaßnahmen durchführt.
Nahe der Anlage befindet sich ein russischer Friedhof. Hier sind 147 Zwangsarbeiter begraben, die auf der Zeche eingesetzt waren. Dazu habe ich eine Website (leider nur in Russisch) Zwangsarbeiter gefunden. Hier sind Fotos von Gräbern, eine Liste der Toten und auch eine "Personalkarte" zu finden. In Unterverzeichnissen sind (wahrscheinlich) zu allen weiteren Lagern Informationen verfügbar. [Erstaunlicherweise habe ich auf der Startseite eines meiner Fotos vom Schacht Grillo 3 gefunden.]

Neu-Monopol
Die Zeche Neu-Monopol war anders als der Name andeutet keine neu angelegte Zeche. Es entstand nur eine neue Förderanlage, um die Restkohlen der nördlichen Felder (Baufeld Grillo III) zu erschließen. Dazu wurde der Schacht Grimberg 2 mit einer Vierseilförderung neu gebaut. Auf dem früheren Kokereigelände entstand die neue Kohlenmischanlage, da etwa 60% der Förderung über eine 2135 m lange Bandbrücke zum Kraftwerk in Bergkamen-Heil gelangten. Die Kohle mußte dazu immer dieselbe Qualität haben und wurde aus den unterschiedlichen Sorten zusammengemischt (Wassergehalt unter 10%, Ascheanteil unter 5% und Schwefelgehalt unter 1 %). Die heute weiter genutzte Halle ist eine 217 m lange Konstrktion aus Holzbindern.
Als einziehender Wetterschacht kam der Schacht 3 der Zeche Werne dazu. Ab 1979 wurde der Schacht auch für Seilfaht und Materialtransport genutzt. Da im Schacht die Einbauten schon länger entfernt waren konnte nur im Kübel gefahren werden, maximal mit fünf Bergleuten. Material wurde am Seil hängend transportiert.
Der Schacht Grillo 4 wurde tiefer geteuft und als ausziehender Wetterschacht genutzt..

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Betriebsbeginn Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
Grillo 1 1873 1879 2010 1016 1888 - 1938
Grillo 2 1887 1890 1983 691  
Grillo 3 1906 1910 1983 1021  
Grillo 4 1956 1959 1998 1030  
Grimberg 1 1890 1893 1972 1031 1906 - 1978
Grimberg 2 1893 1896 1972 1066  
Grimberg 3 1923/1934 1936 1974 1635  
Grimberg 4 1934 1936 1974 1096  
Werne 3 ab 1975   2000 975  


Monopol (1879 - 1945) maximale Förderung 2.265430 t 1940
durchschnittlich 800000 - 1,4 Mio. t/a
Neu-Monopol (1981 - 1992) maximale Förderung 2.559169 t 1990
durchschnittlich 2 - 2,5 Mio. t/a
Grillo (1952 - 1967) maximale Förderung 984462 t 1955
durchschnittlich 800000 - 900000 t/a
Grimberg 1/2 (1952 - 1967) maximale Förderung 1.084602 t 1965
durchschnittlich 800000 - 950000 t/a
Grimberg 3/4 (1945 - 1974) maximale Förderung 1.439083 t 1973
durchschnittlich 800000 - 1,4 Mio. t/a


Durch die Schachtanlagen mit ihren Siedlungen veränderten sich die kleinen Landgemeinden Bergkamen, Rünthe, Weddinghofen, Oberaden und Heil. Für eine sinnvolle kommunale Struktur schlossen sich diese 1966 (1968 kam Overberge dazu) zur Stadt Bergkamen zusammen. Lange war sie die größte (Förderung/Einwohner) Bergbaustadt Europas. Das Stadtzentrum ist die frühere Gemeinde Bergkamen, wo die zentrale Verwaltung und eine künstliche Stadtmitte gebaut wurde. Diese sterile Planung wurde erst in den letzten Jahren bürgerfreundlicher umgestaltet. Seitdem scheint die ursprüngliche Idee einer lebendigen Stadtmitte langsam zu greifen.


Grillo 1/2
Schacht Grillo 1/2 im Jahr 1898
Grillo 1/2
Schacht Grillo 1/2 im Jahr 1958
Grillo 1/2
Grillo 1/2 aus der Luft im Jahr 1967
Grillo 1/2
Grillo 1/2 aus der Luft im Jahr 1967
Grillo 1/2
Grillo 1/2 aus der Luft im Jahr 1967
Grillo 1/2
Grillo 1/2 aus der Luft im Jahr 1967
Grillo 1/2
Schacht Grillo 1/2 im Jahr 1975
Grillo 1/2
Schacht Grillo 1/2 im Jahr 1975
Grillo 1
Schach Grillo 1 im Jahr 2005 mit neubauten
Grillo 1
Schachtgerüst Grillo 1 im Jahr 2005
Grillo 1
Schachtgerüst Grillo 1 im Jahr 2005
Grillo 3
Betriebsfläche Schacht Grillo 3 im Jahr 2005
Grillo 3
Schacht Grillo 3 im Jahr 2005 mit Infotafel
Grillo 3
Infotafel am Schacht Grillo 3
Grillo 4
Folgenutzung Schacht Grillo 4 im Jahr 2013
Grillo 4
Folgenutzung Schacht Grillo 4 im Jahr 2013
Grillo 4
Folgenutzung Schacht Grillo 4 im Jahr 2013
Grillo 4
Folgenutzung Schacht Grillo 4 im Jahr 2013
Grillo 4
Revisionsöffnung Schacht Grillo 4 im Jahr 2013
Grimberg 1/2
Plan Schacht Grimberg 1/2 von 1893
Grimberg 1/2
Schacht Grimberg 1/2 im Jahr 1898
Grimberg 1/2
Schacht Grimberg 1/2 im Jahr 1910
Grimberg 1/2
Schacht Grimberg 1/2 im Jahr 1958
Halde Grosses Holz
Halde Grimberg 1/2 mit Holzplatz um 1960
Grimberg 3/4
Schacht Grimberg 3/4 im Jahr 1958
Grimberg 3/4
Schacht Grimberg 3/4 im Jahr 1958
Grimberg 3/4
Schacht Grimberg 3/4 im Jahr 1964
Grimberg 3/4
Schacht Grimberg 3/4 im Jahr 1964
Grimberg 3/4
Schacht Grimberg 3/4 im Jahr 1970
Grimberg 3/4
Schacht Grimberg 3/4 im Jahr 2013
Grimberg 3
Protegohaube Schacht Grimberg 3 im Jahr 2005
Grimberg 4
Protegohaube Schacht Grimberg 3 im Jahr 2005
Grimberg 4
Protegohaube Schacht Grimberg 3 im Jahr 2005
Grimberg 4
Protegohaube Schacht Grimberg 4 im Jahr 2005
Grimberg 4
Protegohaube Schacht Grimberg 4 im Jahr 2005
Neu Monopol
Neu Monopol im Jahr 1980
Neu Monopol
Schacht Neu-Monopol
Neu Monopol
Schacht Neu-Monopol

zur Auswahl