Zeche Ewald in Herten

1872 - 2000


Die Zeche Ewald war die letzte aktive Zeche in Herten. Die Stadt galt lange als größte Berbaustadt Europas. Heute versucht sie dieses Image zu ändern in Richtung Zukunftstechnologie. Der Namensgeber war der Essener Unternehmer Ewald Hilger, einer der Mitgründer der Zeche und erster Vorsitzender des Grubenvorstands. Er war auch an der Essener Actienbrauerei, der späteren Stern-Brauerei beteiligt und der Essener Maschinenbau AG Union, die auch Bergbauzulieferer war.
Die Zeche wurde anfangs im Volksmund auch Elend genannt. Wahrscheinlich waren durch die große Teufe (1884 mit 624 m tiefster Schacht im Ruhrgebiet) die Beeinträchtigungen durch Hitze hoch und wurden erst mit dem zweiten Schacht und damit besserer Bewetterung erträglicher. Ungewöhnlich für eine Großzeche war das Fehlen einer eigenen Kokerei. Die Förderung war immer hoch und lag 1900 knapp unter 1 Mio t/a und danach nur im 2. Weltkrieg niedriger.
Ab 1970 begann der Verbund mit Nachbarzechen. Zunächst wurde das Ostfeld von Graf Bismarck angeschlossen. 1974 folgte die Zeche Recklinghausen. Dazu wurden die Förder und -aufbereitungsanlagen modernisiert. Eine der beiden Anlagen mußte schließen. Es traf die Zeche Recklinghausen, da hier die Voraussetungen für einen Umbau ungünstiger waren. 1990 kam die zweite Hertener Zeche Schlägel & Eisen dazu. Zuletzt kam 1997 der Restbetrieb der Zeche Hugo dazu. Als alle wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte abgebaut waren folgte 2000 die Gesamtstillegung, die ursprünglich für 2002 geplant war. Nach dem Beschluß von 1996, die Kohlesubventionen vorzeitig zu kürzen kam es zu zahlreichen Protesten. Als 1997 die Kohlerunde abgebrochen wurden blockierten die frustrierten Bergleute die A2 für mehrere Stunden.
Beim Abteufen von Schacht 1 lag der Betrieb völlig isoliert im Emscherbruch. Selbst die erste Zechenkolonie wurde über einem km weiter nördlich beim damaligen Dorf Herten angelegt. Direkt am Zechengelände entstanden nur wenige Beamtenwohnhäuser. Diese Situation hat sich i.w. bis heute erhalten. Für die geplante Entwicklung zum Gewerbepark ist dies eher positiv, da kein Interessenkonflikt besteht. Die 1913 betriebene Kokerei war nur für die Quote beim Kohlesyndikat gebaut worden. Sie wurde 1916 abgerissen und zur Zeche Ewald Fortsetzung versetzt. 1910 wurden die damals neuartigen Schüttelrutschen beim Abbau eingesetzt und erste Bandförderanlagen. Dies deutet auf eine sehr früh (im Vergleich zu anderen Zechen) einsetzende Mechanisierung unter Tage hin. Der Schacht 7 wurde erst unter Tage zwischen der 700 m Sohle und der 800 m Sohle abgeteuft. Die Arbeiten ruhten kriegsbedingt von 1944 bis 1948. Ab 1949 wurde dann vom Tage aus der restliche Teil abgeteuft.
Das Zechengelände teilt die ehemalige Gleistrasse in zwei deutlich unterschiedliche Bereiche. Im Bereich der Schächte ist eine Entwicklung zu Dienstleistungen und Veranstaltungsbereichen geplant. Hier entsteht eine Hotelanlage mit Restaurant unter Nutzung der denkmalgeschützte Bauten: Malakoffturm von 1888, Heizzentrale aus dem Jahr 1916, Schacht 2 (1928), sowie die Rasenhängebank mit Schacht 7 und das Fördermaschinenhaus Süd (beide 1954).
Der Förderverein Europäisches Mountainbike-Zentrum in NRW e.V. hat hier seinen Sitz seit Januar 2006. Das Trainingsgelände liegt direkt vor der Haustür - die Halde Hoheward. Mittelpunkt und Wahrzeichen des Landschaftsparks ist die 160 ha große und 152 m ü. NN hohe Halde Hoheward.
Auf der anderen Seite der Geländeachse wurden alle Zechenbauten abgerissen und Erschließungsstraßen angelegt. Hier sind schon Logistikunternehmen ansässig. Ihnen sollen weitere folgen. Als besonderer Entwicklungsschwerpunkt wurde das Wasserstoff-Kompetenz-Zentrum Herten (H2Herten) gegründet. Hier soll eine international arbeitende Einrichtung entstehen, die Anwendungen auf Basis von Wasserstoffbrennzellen entwickelt..
Das Grubenfeld reichte im Westen bis in den Gelsenkirchener Staddtteil Resse. Für den Abbau wurde hier die Anlage 3/4 abgeteuft. Nach der Stilllegung wurde die Fläche frei geräumt und liegt seitdem brach. Nur ein kleiner Bereich ist von einem Lebensmitteldiscounter bebaut worden. Am Schacht 4 befand sich eine zentrale Gasabsaugung. Ein kleines Kraftwerk erzeugte Strom, der ins öffenliche Netzt einspeiste. Heute steht hier eine Protegohaube. Die fast surrealistisch wirkende Gasabsaugung ist schon länger demontiert. Schacht 3 ist an einem Rohrstutzen erkennbar. Der Schacht 4 wurde nach dem Mitgründer der Zeche, dem Essener Bankier Carl von Waldthausen benannt.
Der Schacht 5 wurde für die Bewetterung des Nordostfelds abgeteuft. Es bestand ein Gleisanschluss. Dieser wurde 1928 nötig, als hier während des Umbaus von Schacht 1/2 die Kohle gefördert wurde.
Der ehemalige Schacht Graf Bismarck 10 wurde ab 1972 wieder aufgewältigt und als Schacht Emschermulde 1 an den Untertagebetrieb angeschlossen. Damit konnte das Ostfeld von Graf Bismarck abgebaut werden. Er wurde nach der Übernahme des Schachts Emschermulde 2 1992 aufgegeben. Neben der Funktion als Wetterschacht fand ab 1979 Seilfahrt und Materialförderung statt.
Noch vor der Übernahme der Zeche Hugo wurde von dieser der Schacht Ost übernommen und das dazu gehörende Abbaufeld, das an die Felder der Zeche Ewald angrenzte. Hier befindet sich heute eine Methanabsaugung.
Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
1 (Hilger) 1872 1876 1998 743 1913 - 1916
2 (Hagedorn) 1888 1892 2000 800
3 (Schürenberg) 1895 1897 1996 800
4 (Waldthausen) 1895 1897 2000 1250
5 1907 1908 1996 937
6 1911 1912 1996 1250
7 1940/1949 1955 2000 1000
Recklinghausen I/1 ab 1974 1988
Recklinghausen I/2 ab 1974 1977
Recklinghausen II/1 ab 1974 1990
Recklinghausen II/2 ab 1974 1990
Recklinghausen II/3 ab 1974 1977
Recklinghausen II/4 ab 1974 1990
Emschermulde 1 ab 1976 1996 1176
Hugo Ost ab 1984 2000
Emschermulde 2 ab 1992 2000
maximale Förderung 4.329853 t 1990
durchschnittlich 1,2 - 2 Mio. t/a
im Verbund 3 - 4 Mio. t/a
Ab 1997 Bestand noch ein Verbund mit der Zeche Hugo, der aber nur noch das kontrollierte Auslaufen des Gesamtbetriebs darstellte. Das Grubenfeld reichte bis nach Essen und Ewald war das größte der noch verbliebenen Bergwerke mit 4.107433 t Förderung 1998 und 3.782770 t 1999 mit 16 bzw. 14 aktiven Schächten. Vergleichsweise förderten 161 Zechen 1894 zusammen 4.073400 t.
Die Schächte der übernommenen Anlagen wurden nur für die Bewetterung und stark eingeschränkt für Seilfahrt und Materialtransport genutzt.

Schacht 1

Schacht 1

Schacht 1

Schacht 2

Schacht 2

Schacht 2

Gelände 1/2/7

Gelände 1/2/7

Gelände 1/2/73

Gasabsaugung

Panorama 1/2/7

Schacht 3

Schacht 4

Schacht 4 Gasabsaugung

Schacht 4

Schacht 5

Schacht 5

Schacht 6

Schacht 7

Schacht 7

Schacht 7 Einbauten
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