Zeche Graf Moltke in Gladbeck

1873 - 1971

Die Schachtanlage ist nach dem preußischen Feldmarschall Graf Moltke benannt. Bis 1879 wurde sie unter dem Namen der Mutung Riekchen geführt und erhielt danach ihre endgültige Benennung. Typisch für die damalige Zeit erfogte dies nach dem Aufschluss eines 2,5 m mächtigen Flözes. Damit lag eine viel versprechende Perspektive vor. 1882 wurde unter Tage Sole angebohrt. Diese wurde bis 1967 in städtischen Badeanstalten genutzt. Wassereinbrüche legten den Betrieb mehrfach komplett lahm.
Die Zeche war der Auslöser für die städtische Entwicklung Gladbecks. Sie war auch immer einer der größten Arbeitgeber.
Die Schachtanlage 1/2 lag relativ nah (800 m) beim heutigen Stadtzentrum und leitete die Entwicklung des damaligen Dorfs zur Stadt ein. Bis in die 1920er Jahre bestand ein Gleisanschluss zum Bahnhof Gladbeck-Ost, der 1932 beim Zusammenschluss mit der Anlage 3/4 aufgegeben wurde. Damit entfiel ein negativer Faktor für den Ausbau der Innenstadt. Auf der ehemaligen Trasse verläuftb heute eine Hauptverkehrstraße.
Das Gelände sollte nach der Stilllegung mit Wohnungen bebaut werden, Doppelhäuser und Reihenhäuser (insgesamt mehr als 200 Wohneinheiten (Baugebiet Butendorf-West). Wegen der Kokereialtlasten verzögerte sich das ab 1982 geplante Vorhaben. Ende 2011 war nur der Bereich nördlich der Schächte 1 und 2 unbebaut. Diese sind eingezäunt und haben Protegohauben. Im Anschluss an die Wohnsiedlung entstand ein Waldorfkindergarten und eine Waldorfschule, ein Hinweis auf die attraktive Lage.
Ab 1931 wurde die gesamte Förderung auf Graf Moltke 3/4 gehoben und aufbereitet. Nach der Stilllegung wurden alle nicht nutzbaren Gebäude abgerissen und die verbliebenen gewerblich genutzt, u.a. das ehemalige Pförtnerhaus. Nach der Sanierung der Betriebsfläche steht diese als Gewerbegebiet zur Verfügung und ist Teil des Gewerbeparks Brauck, der als gelungene Anlage gelten kann - sehr übersichtlich und mit Grünflächen durchsetzt. Die beiden Schächte sind in einen Grünstreifen im Gewerbegebiet integriert und liegen an den Enden einer Schotterfläche durch Schilder mit den Koordinaten markiert. Davor stehen Kohlewagen mit Informationstafeln.
Die Zechenhalde geriet im Rahmen der Neugestaltung in Brand und musste aufwändig saniert werden, u.a. da direkt daneben eine Baumschule gegen die Emissionsbelästigung klagte. Auch nach 30 Jahren sind noch kleinere Glutnester im Haldeninneren vorhanden.
Im Süden der Schachtanlage Graf Moltke 3/4 hat sich eine künstliche Landschaft entwickelt, die aus mehreren kleineren Halden besteht, die nie zu einem Landschaftsbauwerk verschmolzen sind wie an anderen Standorten. Sie sind alle bis auf den oberen Teil der noch aktiven Halde Mottbruch. Diese soll beim Auslaufen wie ein Vulkankegel aussehn. Das Ganze wird vom Betreiber DSK als Kunstwerk "Halde im Wandel" genannt.
Die Halde Graf Moltke ist nicht zugänglich, da sie im Inneren noch immer brennt. Allerdings nur noch auf "Sparflamme" im Vergleich zu Beginn des Brandes als immer wieder große Rauchschwaden von der Halde ausgingen. Die gleich daneben liegende Halde im Brauck ist stark verwildert und eine Art Abenteuerspielplatz. Die in Richtung Essen bis zur Schachtanlage Mathias Stinnes folgenden Halden sind recht gut mit einem Wegenetz erschlossen, das sich gut erwandern läßt, aber auch Strecken für Mountainbiker bietet. Auf der Halde 19 steht auf dem parkartigen Gipfelplateau eine Seilscheibe vom Schacht Mathias Stinnes 4, auf dem der Halde 22 findet man einen Unterstand mit einem als Sitzgruppe gestalteten Schachbrett und am nördlichen Rand steht eine Metallpalisade als Installation, die den Blick auf die Mottbruchhalde lenken soll. Die am weitesten südlich liegende Stinneshalde ist nie richtig gestaltet worden und kam als solche zu erkennen, da sie nicht sehr hoch ist und sich natürlich begrünt hat.
Zwischen den nördlichen Halden fließt der renaturierte Nattbach, in den der ebenfalls renaturierte Wittringer Mühlenbach einmündet. In diesem stark vernässten und naturbelassenen Bereich ist ein Naturschutzgebiet ausgewiesen
Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stillegung max. Teufe (m) Kokerei
1 1873 1877 1971 651 1890 - 1920
2 1884 1888 1971 900
3 1900 1902 1971 760 1904 - 1930
4 1902 1904 1971 900
max. Förderung 1.457020 t 1929
durchschnittliche Förderung 0,7 - 1 Mio. t/a

Schächte 1/2

Waldorfgelände

Siedlungsbereich

Siedlungsbereich

Infotafel Schacht 3

Schacht 3

Infotafel Schacht 4

Schacht 4

ehem. Kaue und Büro

Pförtnerhaus
zur Auswahl