Zeche Wilhelmine Victoria in Gelsenkirchen-Heßler

1856 - 1960



Die Zeche Wilhelmine Victoria ist ein Beispiel für eine Anlage mit relativ kleinem Grubenfeld, das von größeren Zechen umgeben war. Solche Zechen konnten nur bestehen, wenn die Lagerstätte sehr günstig war (wie bei der südlicher gelegenen Anlage Dahlbusch). Hier stand in den oberen Partien die beim Abteufen weniger gefragte Gas- und Gasflammkohle an. Diese war überwiegend flach gelagert, aber die darunter anstehende Fettkohle, die sich gut zu Koks verarbeiten lässt war nicht erreichbar. Es wurde versucht Koks zu erzeugen. Ein wirschaftlicher Betrieb konnte nicht erreicht werden. Die geförderte Kohle eignete sich nur zur teureren Vergasung oder zum Verfeuern in Kraftwerken. Folgerichtig ging 1928 ein Kraftwerk in Betrieb, das den Bestand der Anlage sicherte. Möglicherweise wäre ohne den Eigentümer, den preußischen Staat die Entwicklung anders verlaufen und wie bei vielen anderen Zechen die frühe Stilllegung gekommen. Nach 1960 ging das Grubenfeld an Nachbarzechen, die weiter die noch anstehenden Vorräte Abbauten. Von 1962 bis 1973 geschah dies von der Essener Zeche Fritz Heinrich aus. Von 1980 bis ewa 1993 bauten die Zechen Nordstern und Consolidation im Feld Wilhelmine Victoria Kohle ab. Danach waren die Vorräte endgültig erschöpft.
In geringem Maße bestand bis 1875 eine Förderung von Eisenerz, das in einigen Flözpartien angereichert war. Von 1936 bis 1940 wurde sie noch einmal aufgenommen im Rahmen der Autarkiepolitik des NS-Regimes.
Der Name der Zeche leitet sich von der Bohrgesellschaft ab, die aus der Fusion von mehreren in der Gegend tätigen Gesellschaften im Jahr 1855 entstand. Seit 1853 reichte ein erbohrtes Flöz zum Verleihen eines Bergbaufeldes; davor musste ein Schurfschacht zum "Aufdecken" des Fundflözes geteuft werden. Offenbar überschätzten sich viele der neuen Bohrgesellschaften und fusionierten.
Bis auf Schlagwetterexplosionen ( 1883 und 1899 jeweils drei Tote) in der Anfangsphase und ein Seilfahrtunglück 1917 mit drei Toten gab es keine gößeren Unglücke. 1942 starben bei einem Grubenbrand fünf und 1958 drei Bergleute beim Absturz einer Schachtbühne.


Wilhelmine Victoria 1/4
Ab 1854 wurden die ersten Flöze erbohrt. Es dauerte ein Jahrzehnt bis zum Teufen von Schacht 1. Dabei traten die damals häufigsten Probleme beim Abteufen auf. Erst machte zufließendes Wasser Probleme, später brach der Schacht ein. Erst 1863 konnte die regelmäßige Förderung aufgenommen werden. Nach der Fertigstellung von Schacht 4 wurde die Anlage ab 1928 zum Förderstandort für die Gesamtanlage. Dazu trug der Bau des Kraftwerks bei, da der östlich angrenzende Industriebezirk von Schalke ein guter Markt für den produzierten Strom war. Im März 1945 wurden die Tagesanlagen bei einem Bombenangriff weitgehend zerstört. Im September konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.
Nachdem auch die Nachbarzechen die Schächte nicht mehr für die Bewetterung beim Abbau der Restkohlen im Feld Wilhelmine Victoria benötigte wurden die restlichen Gebäude weitesgehend abgerissen. Eine Besonderheit war das Umsetzen des Gerüsts von Schacht 1 im Jahr 1986 zur MuseumszecheZollern 2/4 in Dortmund-Bövinghausen. Dort war ein fast baugleiches kurz vor der unter Denkmalsstellung 1969 abgerissen worden. Heute sind auf dem ehemaligen Zechengelände Gewerbebetriebe und Lebensmitteldiscounter anzutreffen. Von den Betriebsgebäuden ist nur die Waschkaue und ein Verwaltungsgebäude erhalten. Hier besteht seit .. das Veranstaltungszentrum Kaue mit dem Schwerpunkt Kleinkunst und Kabarett.

Wilhelmine Victoria 2/3
Die Anlage 2/3 war nur kurze Zeit eigenständig. In der Krise der 1920er Jahre wurde sie stillgelegt und nur noch für Seilfahrt und Materialförderung genutzt. 1932 kam die völlige Stilllegung. Reaktiviert wurde sie 1935 für die Seilfahrt. Offenbar wurden schon erschlossene Flöze wieder abgebaut. Die nicht mehr benötigten technischen Einrichtungen wurden teilweise zur Anlage 1/4 versetzt. Mitte der 1950er Jahre wurde der Abbau in diesem Bereich ganz eingestellt. Die Zeche Nordstern pachtete das Feldstück an, da es an die eigenen Abbaubetriebe angrenzte. Wilhelmine Victoria konnte im Gegenzug Teile des Feldes Nordstern nördlich der Anlage 1/4 abbauen.
Heute ist der Bereich mit einer Schächte 2 und 3 mit einer Wohnanlage überbaut. Die beiden Schächte liegen in einem Grünbereich und sind an den Protegohauben erkennbar. Die beiden angrenzenden alten Siedlungen stehen unter Denkmalschutz und wurden ansprechend saniert. Die Klapheckenhofsiedlung aus dem Jahr 1860 ist eine der ältesten im Revier. Sie wirkt noch nicht so kasernenartig wie viele später entstandene Siedlungen, da sie sich an die Bauweise der wenigen Bauernhöfe anlehnt, die hier vor der Zechengründung lagen. Ohne die Siedlungen hätte die Zeche im relativ menschenleeren Emscherbruch keine Arbeitskräfte halten können.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
1 1856 1860 1960 928 1894 - 1911
2 1872 1876 1960 700 1914 - 1919
3 1888 1892 1960 928  
4 1898 1900 1960 700  


maximale Förderung 842187 t 1926

durchschnittlich 500000 - 700000 t/a


Wilhelmine Victoria 1
Wilhelmine Victoria 1 alte Schachtmarkierung
Wilhelmine Victoria 1
Wilhelmine Victoria Schacht 1
Wilhelmine Victoria 1
Wilhelmine Victoria Schacht 1
Wilhelmine Victoria 4
Wilhelmine Victoria 4 alte Schachtmarkierung
Wilhelmine Victoria 4
Wilhelmine Victoria Schacht 1
Wilhelmine Victoria 1
Wilhelmine Victoria 1 im Jahr 1900
Wilhelmine Victoria 1/4
Wilhelmine Victoria 1/4 1956
Wilhelmine Victoria 1/4
Wilhelmine Victoria 1/4 1956
Wilhelmine Victoria 1/4
Wilhelmine Victoria 1/4 1978
Wilhelmine Victoria 1
Wilhelmine Victoria Schacht 1 1956, heute Schacht Zollern 2
Wilhelmine Victoria 2
Wilhelmine Victoria Schacht 2
Wilhelmine Victoria 2
Wilhelmine Victoria Schacht 2
Wilhelmine Victoria 3
Wilhelmine Victoria Schacht 3
Wilhelmine Victoria 3
Wilhelmine Victoria Schacht 3
Wilhelmine Victoria 1
Wilhelmine Victoria Schacht 2/3 1900
Siedlung Klapheckenhof
Siedlung Klapheckenhof
Siedlung Klapheckenhof
Siedlung Klapheckenhof
Siedlung Klapheckenhof
Siedlung Klapheckenhof
Kaue
erhaltenes Gebäude am Schacht 4
Kaue
Blick von Parkplatz eines Discounters auf die Kaue
Kaue
Veranstaltungszentrum Kaue

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