Zeche Victoria Mathias in Essen-Stdtmitte-Nord

1840 - 1965

Unter dem Namen Mathias wurde der erste Schacht abgeteuft, der nördlich der damaligen Stadt Essen lag. Während des Abteufens soff er mehrfach ab. Dazu kamen Proteste von Bürgern, deren Brunnen versiegten. Ab 1848 kam es zum Konsolidierung mit der Gewerkschaft Victoria und der Umbenennung in Victoria Mathias. Diese war eine der ersten "Großzechen" und hatte von 1858 - 1869 die höchste Förderung im Ruhrgebiet, lag aber immer deutlich unter 400000 t/a. Der Name der Anlage geht auf Mathias Stinnes zurück, der der wichtigste Finanzier war.
Ab 1900 bestand ein Vertrag zur Dampflieferung an das RWE, das auf den Zechengelände sein erstes Elektrizitätswerk baute. Ab 1910 wurde Gas für die Sraßenbeleuchtung an die Stadt Essen geliefert. Die endgültige Angliederung an das RWE erfolgte 1921.
Mit der Kohlenkrise 1958 fanden Rationalisierungsmaßnahmen statt. Die östlich angrenzende Zechen Friedrich Ernestine wurden angegliedert und deren Förderung schrittweise übernommen. Schon 1929 war die Zeche Graf Beust übernommen worden. 1965 erfolgte die Stilllegung des gesamten Bergwerks.
Die Anlage Victoria Mathias am nördlichen Rand der Essener Innenstadt war hier lange Zeit dominierend durch das hier betriebene RWE-Kraftwerk mit vielen Schornsteinen. Die Zeche war in der ersten Jahrzehnten sehr profitabel trotz erheblicher Bergschädenkosten nach der Inbetriebnahme des Schachts Gustav. 1849 wurde erstmals eine Separation und eine Köhlewäsche im Ruhrgebiet in Betrieb genommen. Die Kokerei wurde zunächst auf dem Zechengelände privat von der Handelsgesellschaft Mathias Stinnes betrieben, kurz darauf übernommen. Bis zum Bau von Großkokereien waren kleine Privatkokereien durchaus üblich.
Bis 1961 befand sich die RWE-Verwaltung auf dem Gelände Victoria Mathias. Hier ist weiter die Energie-Verwaltung untergebracht und ein Umspannwerk. Die ehemaligen Schächte liegen im Grünstreifen des Hauptgebäudes mit Markierungen und sind nicht frei zugänglich.
Die Fläche der Anlage Mathias wurde komplett durch die Universität Essen überbaut. Erkennbar ist die Lage des Schacht durch die an einem Nebengebäude hochgezogene Protegohaube.
Die Zeche Graf Beust wurde zur gleichen Zeit wie Mathias abgeteuft. Sie lag östliche der damaligen Stadt Essen, damals in einem überwiegend ländlichem Umfeld. Für den Kohleabsatz nach Mülheim - damals Hautumschlagsplatz - betrieb die Zeche von 1858 - 1868 eine Pferdebahn. Der Name geht zurück auf Ernst August Graf von Beust, dem damals ranghöchsten Berbbaubeamten in Preußen.
Problematisch war der Kohleabbau mit dem starken Wachsen der Stadt Essen wegen der Kosten durch Bergschäden. Auch die Übernahme der 1897 stillgegten Zeche Hoffnung brachte keine Verbesserung, da diese direkt westlich der Stadt lag. Diese bestand seit 1805 und betrieb seit 1864 Tiefbau. Der Vorgängerbetrieb Fettlappen existierte schon (mit Unterbrechungen) seit dem 16. Jahrhundert als Stollenbetrieb. Bis 1882 war der Betrieb rentabel, danach konnte nur noch mit Bergeversatz unter der Stadt Essen abgebaut werden. Die vorgesehene Abbauverlagerung nach Süden scheiterte an den schlechten geologischen Bedingungen. Die Zeche Graf Beust brachte die Übernahme nicht die erhoffte Verbesserung. Die Anlage wurde komplett abgerissen. Die Förderung war mit 100000 - 150000 t/a bescheiden, das Maximum waren 187486 t 1867.
Nach der Übernahme durch Victoria Mathias war die wichtigste Aufgabe die Wasserhaltung für die Gesamtanlage. Die Schächte wurden unter Victoria Mathias 5 und 6 geführt. Die Zeche lag eingezwängt in Wohnbebauung, da Stadtplanung zu ihrer Betriebszeit völlig unbekannt war. Nur bei den Zechen im nördlichen Revier und am Niederrhein entstanden ganze Stadtteile geplant, da für Tausende Arbeiter die notwendige Infrastruktur geschaffen werden musste, von Einkaufsmöglichkeiten bis zu Kindergärten und Schulen.
Von den Gebäuden sind einige weiter gewerblich genutzt. Die Verwaltung wurde ansprechend renoviert und zu Büros umgebaut. Auf der Fläche der Kokerei und der Zechenhalde entstand ein Betriebshof der Essener Verkehrsbetriebe. Schacht wurde 1963 verfüllt, Schacht 2 1966.
maximale Förderung 569122 t 1913
durchschnittlich 200000 - 400000 t/a
1865 wurde mit dem Teufen des Schachts Glückauf Friedrich begonnen und im selben Jahr bei 11, 5 m Teufe abgebrochen. Erst ab 1871 mit der Zusammenlegung der Felder Glückauf Friedrich und Ernestine (von Graf Beust aus erschlossen, aber kein eigener Betrieb) und der Konsolidation zu Friedrich Ernestine kam der Ausbau voran. Von 1871 - 1884 war die Zeche an Krupp verpachtet. Ab 1890 kam mit der Inbetriebnahme eines Kraftwerks und der Stromlieferung für die Strassenbeleuchtung des Stadtteils Stoppenberg der wirtschafliche Autschwung. Ab 1910 wurde Gas für Strassenlaternen der Stadt Essen geliefert und 1921 übernahmen die RWE die Zeche. Nach dem Verbund mit Victoria Mathias wurde der Schacht 1 als Victoria Mathias 4, Schacht 2 als Victoria Mathias 3 geführt. Sie wurden von 1964 - 1966 verfüllt. Auf der Betriebsfläche entstand ein Industrie- und Gewerbegebiet. Die Schächte sind nicht frei zugänglich.
maximale Förderung 626328 t 1937
durchschnittlich 200000 - 400000 t/a
Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stillegung max. Teufe (m) Kokerei
Mathias 1840 1844 1893 255 1843 - 1875
Victoria Mathias 1 (Gustav) 1857 1861 1965 1150 1890 -1930
Wetterschacht 1870 1872 1887 107
Victoria Mathias 2 1898 1899 1965 1190
Graf Beust 1 (Dahlmeyer) 1840 1842 1962 645
Graf Beust 2 (Ernestine) 1842 1844 1965 945
Wetterschacht (Bohrloch) 1850 1852 1868 945
Hoffnung 1863 1864 1897 448 1870 - 1894
Friedrich Ernestine 1 1871 1873 1963 1110 1892 - 1959
Friedrich Ernestine 2 1897 1899 1963 1016
maximale Förderung 742847 t 1937, im Verbund 836995 t 1959
durchschnittlich 300000 - 500000 t/a, im Verbund 600000 t - 700000 t/a
zur Auswahl