Hercules/Katharina in Essen Stadtmitte-Ost/Essen-Kray

1856 - 1925/1972


Übersicht Hercules/Katharina



Hercules 1/5
Die erste Förderanlage entstand westlich der Essener Innenstadt. Mit dem Abteufen von Schacht 1 wurde 1856 begonnen. Die Förderung lag 20 Jahre bei 60000 - 80000 t/a und damit im profitablen Bereich. 1862 wurde der "alte" Wetterschacht (Wilhelm) abgeteuft, der bis 1901 in Betrieb war. Trotz der erkennbaren Probleme (Abbau unter städtischer Bebauung und kleine Betriebsfläche) wurde ab 1911 der Schacht 5 neben Schacht 1 abgeteuft. Er war eine der frühen in Stahlfachwerk errichteten Turmförderanlagen. 1914 wurde am Schacht 1 in 912 m Teufe eine neue Sohle angesetzt, für eine Zeche am Rand der Innenstadt sehr tief. Solche Teufen waren damals bei der Neuanlage von Zechen im Nordwesten des Ruhrgebiets wegen des sehr mächtigen Deckgebirges üblich. Bis zum Ende 1925 lag die Förderung bei 200000 - 250000 t/a. Nur wenige Jahre konnten über 400000 t/a erreicht werden, maximal 443557 t im Jahr 1904. Bis auf ein Seilfahrtunglück mit vier Toten ereigneten keine größeren Unglücke.
Heute ist ein Teil der Betriebsfläche von einer Umspannanlage belegt. Daneben liegt eine Senionerwohnanlage. Lange erhalten war noch die ehmalige Kohlenwäsche (Abriss etwa nach 2010), offenbar zuletzt ohne Funktion. [Der großflächige Schriftzug Van Eupen auf der Kohlenwäsche lässt eine Nutzung als Lager der gleichnamigen Umzugsfirma mit Firmensitz in Essen vermuten.] Die Schächte sind an den Revisionsdeckeln erkennbar und mit Schildern markiert.
Auch auf Katharina gab es nur ein größeres Unglück, einen Streckenbruch mit drei Toten im Jahr 1962.

Hercules 2
Mit dem Abteufen von Schacht 2 ab 1889 begann die Verlagerung des Abbaus nach Osten mit der späteren Zeche Katharina. Davor bestand zwischen 1865 und 1869 ein Schacht Amsterdam im gleichnamigen Grubenfeld. Er lag im Bereich der Zeche An der Dunau. Es sollten wohl die Kohleflöze erkundet werden. Diese waren dann ähnlich wie bei der westlichen Nachbarzeche Hoffnung und Secretarius Aak enttäuschend. Dies dürfte der Grund für den Abbau in Richtung Essen-Kray beschleunigt haben. Der Schacht liegt im Grünbereich einer größeren Wohnanlage und ist mit einem Schild markiert.

Hercules 3/6
Der Schacht 3 lag weit östlich von der ersten Anlage. Hier entstand die spätere neue Förderanlage Katharina. Sie konnte trotz Modernisierung nach dem 2. Weltkrieg niemals die Förderleistung ähnlicher Anlagen erreichen, da die in ihren Baufeld anstehenden Kohlenvorräte zu gering waren. Ab 1904 wurde ein Wetterschacht bis zur 1. Sohle abgeteuft, der vor 1921 aufgegeben wurde. 1914 wurde der Schacht Hercules 2 übernommen und bis 1919 zur Bewetterung genutzt. Beide Schächte der ab 1920 nutzbare Schacht 6. Ab 1925 wurde er Förderschacht.
Ab 1953 begann die Modernisierung der Anlage nach Plänen des bekannten Industriearchitekten Fritz Schupp. Die Tagesanlagen wurden komplett umgebaut (einheitlich in Stahlskelett ausgeführt) und der Schacht 3 zur Turmförderanlage ausgebaut. Er wurde 1955 in Schacht Ernst Tengelmann umbenannt, nach dem Betriebsführer der Zeche Hercules (1898 mit erst 28 Jahren berufen).
Heute nutzen Gewerbetriebe die noch vorhandenen Gebäude. Auf den durch Abriss nicht weiter nuztbarer Zechenbauten entstandenen Freifläche haben sich weiter Betriebe angesiedelt.

Hercules 4
Der später als Luftschacht genutzte Schacht 4 wurde als Spülschacht abgeteuft. Ohne ihn wäre ein Kohleabbau unter den daneben liegenden Westdeutsche Eisenwerken nicht möglich gewesen. Das Werk wurde ab 1898 betrieben und 1919 mit dem Gießerei-Konzern Buderus verschmolzen. Bis 1971 wurden hier hauptsächlich gusseiserne Badewannen produziert, die mit den preisgünstigen Stahlwannen nicht mehr konkurieren konnten. Der Schacht liegt heute auf einem Firmenparkplatz und ist mit einer Infotafel markiert.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik
1 (Hercules) 1856 1859 1925 912 1889 - 1925
"alter" Wetterschacht 1863 1863 1901 ca. 73  
Amsterdam 1865 1869 ca. 1901    
2 1889 1894 1919 60  
3 1899 1901 1972 639 1901 - 1972
4 1905 1907 1972 322  
5 1911 1912 1925 725  
6 1919 1922 1972 639  
Centrum 4   ab 1952      
Centrum 6   ab 1952      
Wilhelm   ab 1955      
Emil   ab 1955      
Friedrich Joachim 1   ab 1966      
Hubert 1   ab 1966      
Hubert 2   ab 1966      


maximale Förderung 813026 t 1968

durchschnittlich 500000 -700000 t/a


Die übernommenen Schächte wurden nicht weiter ausgebaut, die bestehenden Anlagen nur so weit wie nötig genutzt. Nur die seit 1928 still liegende Anlage Centrum 4/6 wurde neu ausgerichtet. Hier wurde in 265 m Teufe eine Wasserhaltung zum Schutz der umliegenden Zechen betrieben. Beide Schächte wurden tiefer geteuft und über Schacht 6 ein neues Fördergerüst aufgestellt, damit eine eventuell nötige Seilfahrt möglich war. Die Förderung aus dem Baufeld ging ab 1956 unter Tage zum Schacht Ernst Tengelmann.


Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1 (Detail eines Stahlstichs von 1862)
Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1 1908
Hercules Schacht 1
Hercules Schacht 1 Landabsatz 1908
Hercules Schacht 1/5
Hercules Schacht 1/5 Folgenutzung
Hercules Schacht 1/5
Hercules Schacht 1/5 Kohlenwäsche
Hercules Schacht 1/5
Hercules Schacht 1/5 Kohlenwäsche und Bürohaus
Hercules Schacht 1/5
Hercules Schacht 1/5 1915 mit Turmförderung auf Schacht 5
Hercules Schacht 1/5
Andere Perspektive, die gut die eingengte Lage der Zeche zeigt
Hercules 2
Hercules Schacht 2
Hercules 2
Hercules Schacht 2
Katharina 3/6
Katharina Schacht 3
Katharina 3/6
Katharina Schacht 3
Katharina 3/6
Katharina Schacht 3
Katharina 3/6
Katharina Schacht 3 1913
Katharina 3/6
Katharina 3/6 mit Schacht 6 im Bau
Katharina 3/6
Katharina Schacht 3/6 um 1958
Katharina 4
Katharina Schacht 4 Nachnutzung
Katharina 4
Katharina Schacht 4 Abdeckung
Katharina 4
Katharina Schacht 4 Infotafel
Katharina 4
Katharina Schacht 4 1913
Katharina Wetterschacht
Katharina Wetterschacht (hinter dem Haus)

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