Zeche Adler / Zeche Victoria

1906 - 1930 / 1884 - 1925


Adler/Victoria Übersicht


Die Zechen Adler und Victoria sind beispielhaft für Betriebe, die ganz nah am südlichen Rand des Steinkohlevorkommens lagen. Beide bauten Kohle in der hier auslaufenden Baaker Mulde ab. Viele kleinere Störungen erschwerten den Abbau. Diese sorgten auch für einen hohen Feinkohleanteil. Ausser zum Brikettieren konnte dieser kaum genutzt werden und war schwer verkäuflich. Als Hausbrand und Schmiedekohle war die stückreiche Kohle zwar gut absetzbar, hatte aber gegen die nördlicher liegenden großen Zechen langfristig keine Chance.
Die Flöze sind hier sehr steil, teilweise fast senkrecht gelagert. Ein Abbau ohne kostspieligem Vollversatz war selbst bei der geringen Besiedlung kaum möglich. Es standen zudem nur wenige bauwürdige Flöze an. Ein weiterer Kostenfaktor war der hohe Wasserzufluss durch das fehlende Deckgebirge. Über die beim Abbau entstehenden feinen Risse im Gebirge konnte Regenwasser leicht in die Grubenbauten durchsickern. Solange im Stollen abgebaut wurde lief es relativ problemlos ab. Mit dem einsetzenden Tiefbau musste es abgepumpt werden und verursachte zusätzlich höhere Kosten als in den Zechen weiter nördlich mit deutlich geringeren Wasserzuflüssen. Das alles zusammen machte diese Randzechen langfristig unrentabel. Beide wurden in Folge der ersten großen Bergbaukrise in den 1920er Jahren stillgelegt.
Die Zeche Adler hatte Vorgängerbetriebe, die alle mittels Stollen Kohle abbauten. Diese gehörten von 1838 bis 1845 zu den Hardenbergschen Kohlenbergwerke. Sie waren die älteste Bergwerksgesellschaft auf Aktien im Ruhrgebiet. Üblich waren Jahrhunderte lang Kuxe, die nicht wie Aktien gehandelt wurden. Als der Kapitalbedarf bei der Nordwanderung des Bergbaus stieg wurden die Kuxen in Aktien gewandelt und verschwanden schließlich.
Nach dem Konkurs fielen alle beteiligten Betriebe an Ver. Petersburg. Dazu kamen noch weitere kleinere Betriebe, die alle ab 1906 unter dem Namen Adler zusammengefasst wurden. Der Zechennahme ist für die Zeit ungewöhnlich. Die Benennung nach Tieren war ab der Mitte des 18. Jahrhundert weit verbreitet.
Der Zechenname Victoria bezieht sich wohl auf die römische Siegesgöttin. Der Abbau begann hier auf dem nördlichen Hang des Deilbachtals durch mehrere Stollenzechen, die sich später zusammenschlossen, um die Tiefbauanlage abzuteufen. Die erste Anlage lag am Berghang und lief nach der Aufnahme des Tiefbaus weiter als Nebenbetrieb. Hier ist noch der Stumpf eines Wetterkamins erhalten. Beide Zechen waren unter Tage seit 1911 mit einem Querschlag miteinander verbunden. Größere Grubenunglücke gab es bis auf eines (s.u.) nicht.

Die Vorgängerbetribe von Adler waren:

Die Vorgängerbetriebe von Victoria waren:


Adler

Adler Stollen

Adler
Die Anlage wurde für den Tiefbau innerhalb kurzer Zeit gebaut und bildete eine Landmarke im bis dahin nur dünn besiedelten Asbachtal. Andere industrielle Betrieb wie der Kupferhammer waren deutlich kleiner. Ungewöhnlich war die einheitliche Gestaltung der Gesamtanlage nach Prinzipien des Bundes Heimatschutz. Es wurde die traditionelle lokalen Bauformen übernommen und statt eines eisernen Fördergerüst eine Turmförderanlage in Anlehnung an die frühen Malakofftürme erstellt.
Der Betrieb der Tiefbauanlage begann mit dem Abteufen des Förderschachts und dem Bau der Betriebsgebäuden ab 1906, die schon 1907 abgeschlossen wurden. Das Besondere war die einheiltliche Gestaltung aller Gebäude nicht nur von der "Schauseite". Auch die rückwärtigen Fassaden erhielten gegliederte Fassaden mit Rundbogenfenstern. Der Förderschacht erhielt eine gemauerte Turmförderanlage, die an die Bauweise der schon lange nicht mehr errichteten Malakofftürme erinnert. So entstand ein repräsentative Musterzeche. Unterstrichen wird dies auch durch das aufwändig gestaltete Verwaltungsgebäude.
1908 Übernahm der neue Schacht die Förderung. Damit endete die Förderung im Concordiastollen und zwei tonnlägigen Stollen. 1909 wurde der Schacht Petersburg II autgewältigt und als Wetterschacht wieder in Betrieb genommen, 1910 ebenso der Schacht Petersburg I als Versatzbergeschacht. 1911 erfolgte der Durchschlag mit dewr Zeche Victoria auf der Stollensohle und der ersten Sohle. Die maximale Förderung wurde schon 1912 erreicht. Danach wurden die restlichen Vorräte unter den Stollensohlen der erworbenen Grubenfelder abgebaut. So wurde der Stollen von Joseph im Hespertal ab 1920 zur Ein- und Ausfahrt der Bergleute genutzt, da die Anfahrt von der Förderanlage unter Tage zu lang war.
Die Randlage der Zeche führte 1925 wegen der Wirtschaftskrise zu einer Betriebseinstellung vom 1. August bis zum 14. November und zur Übernahme durch die VEW. Die Lage blieb angespannt. 1927 kam es zum Wassereinbruch von der stillgelegten Zeche Victoria mit dem Absaufen der Grubenbaue unterhalb der 1. Sohle mit den Hauptabbaubetrieben. Das Sümpfen dauerte sechs Monate. Nach dem Erwerb durch die Gelsenkirchener Bergwerks-AG 1927/28 und 1929 durch Heinrich wurde die Zeche 1930 stillgelegt. Im Wesentlichen ging es dabei um die Übernahme von Förderquoten und Brikettmengen bei den Syndikaten. Die Brikettfabrik wurde Ende 1931 stilllgelegt. Die Ziegelei blieb noch bis ca. 1960 in Betrieb. Die beiden Ringöfen wurden abgerissen und als letzte Relikte 1962 die beiden Schornsteine gesprengt. Das Grubenfeld ging 1950 teilweise an Carl Funke.
Bis auf das Verwaltungsgebäude sind alle anderen Zechenbauten verschwunden. Heute sind dort Gewerbebetriebe angesiedelt. Die Zeche Heinrich nutzte das Verwaltungsgebäude bis zu ihrer im Jahr 1968 Stilllegung weiter. Später wurde es zu einem Seniorenheim (Franz-Hennes-Heim) umgebaut. Die letzten nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden 2011 abgerissen. Die Betriebsfläche wird als Lager eines Betriebs genutzt, der Platten, Pflastersteine und ähnliche Steinerzeugnisse vertreibt. Der Schachtdeckel liegt in der frei zugänglichen Musterausstellung. An der Einfahrt zum Lagerplatz steht ein Kohlewagen als Erinnerung an die Zeche.

Victoria

Freundschaft

Victoria Stollen

Schwarze Adler

Victoria
Die 1864 aus den Stollenzechen enstandene erste Zeche Victoria hatte keinen Förderschacht. Dazu diente der Himmelskroner Erbstollen ab 1865. Es wurden nur einige Tausend Tonnen jährlich gefördert mit deutlichen Ausnahmen (12645 t 1865 und 16977 t 1873). Um 1875 wurde Nachtigall übernommen. Die Förderung erreicht nur noch 3776 t. Offenbar waren die rentabelsten Flöze erschöpft. Bis 1881 sank die Förderung auf 1217 t mit nur noch elf Bergleuten.
1882 konsolidierten die oben beschriebenen Anlagen zu Victoria und ab 1884 begann der Bau einer neuen Tiefbauzeche. Dazu wurde am Berghang eine Förderanlage errichtet. Der tonnlägige Schacht Wilhelm ging 1893 in Betrieb. 1890 war schon eine Brikettfabrik gebaut worden. Sie war zunächst nur bis 1893 in Betrieb. Möglicherweise war sie die erste im Ruhrgebiet. Ohne sie konnte die stark anfallende kaum verkäufliche Feinkohle nicht verwertet werden. 1894 wurde die Förderung im Stollen eingestellt. Für den Kohletransport wurde eine neue aufgeständerte Kettenseilbahn benutzt.
Im Jahr 1900 wurden erstmals mehr als 100000 t Kohle gefördert. 1904 wurde die Zeche Frisches Glück & Friedrich übernommen. Für die gestiegene Förderung reichte die vorhandene Infrastruktur nicht mehr aus und ab 1909 begann das Abteufen des neuen Schacht 2. Dabei kam es zum einzigen größeren Unglück. Beim Ausbruch von Gesteinsmassen starben sieben Bergleute. Wie nötig der neue Schacht war belegt das Zubruchgeben von Schacht Wilhelm im Jahr 1910. Dadurch fiel von Mai bis Anfang Juni die Förderung komplett aus.
1911 ging Schacht 2 in Förderung, Schacht Wilhelm wurde Wetterschacht. 1912 wurde eine neuer Wetter- /Bergeschacht in Betrieb der Schacht Wilhelm ab 1913 ersetzte. Er wurde 1919 verfüllt. Für den Bergetransport wurde die die Kettenseilbahn weiter genutzt.
1925 kam die Stilllegung. In der Krise durch die Ruhrbesetzng war Victoria nicht mehr konkurrenzfähig. Das stark gestörte Grubenfeld war ein Grund, ein weiterer der dadurch hohe Feinkohlenanteil. Ohne Kokerei musste Steinkohlenteer zur Bindung zugekauft werden. Das relativ neue Fördergerüst wurde abgebaut und am Schacht 1 von Carl Funke wieder aufgestellt. Die Konstruktion (ein sog. Tomsonbock) galt damals als eine der zuverlässigsten, was diesen Aufwand plausibel macht. Das Grubenfeld kam 1950 zu Carl Funke. Auf dem Betriebsgelände arbeiten heute einige Gewerbebetriebe. Dazu kommt ein Discounter. Auf dem Parkplatz liegt am Rand der Schacht mit einem Rohrstutzen. Erhalten ist das Verwaltungs- und Kauengebäude. Ein weiteres Gebäude nutzt eine Maschinenfabrik. Das stark veränderte und vergitterte Mundloch des Himmelskroner Erbstollen ist noch vohanden. Etwas oberhalb liegt das einsehbare Stollenmundloch von Freundschaft.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik
Petersburg 1 1838 1839 1866 51  
Petersburg 2 1838 1839 1866 60  
Petersburg 3 1841 1842 1866 107  
Adler 1906 1908 1930 240 1908 - 1931
Victoria 1 (Wilhelm) 1890 1893 1913 262  
Victoria 2 1909 1911 1925 372 1890 - 1925
Victoria 3 1912 1913 1925    


maximale Förderung Adler 328747 t 1912
durchschnittlich 200000 - 300000 t/a

maximale Förderung Victoria 208494 t 1920
durchschnittlich 100000 - 140000 t/a


Die Stollenzechen in Hattingen bauten überwiegend Kohleneisenstein ab, der hier und im Süden von Bochum in einigen Flözpartien stark angereichert war. Weiter östlich gab es in Witten und Dortmund solche Bereiche. Die Kohleneisensteinanreicherungen kommen im gesamten nordwesteuropäischen Kohlegürtel vor und wurden in England als Blackband bezeichnet. Dieser Begriff wurde auch im Ruhrgebiet benutzt. Bei vielen der kleinen Stollenbetriebe sind kaum Betriebsdaten bekannt. Besser dokumentiert sind sie wie bei Victoria, da sie quasi als Anhängsel des Kohleabbaus in den Geschäftsberichten erscheinen.
Die stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Entstehen der ersten Hüttenbetriebe im Ruhrgebiet - hier Henrichshütte und Hermannshütte. Die St. Antony-Hütte in Oberhausen entstand auf Grund der Raseneisenerze in den sumpfigen Niederungen der Emscher und ihrer Zuflüsse.
Die Stollenbetriebe im Asbachtal lieferten Kohleneisenstein an die Phönix-Hütte in Kupferdreh wie viele weitere im Bereich Werden und Heisingen. Einige Betriebe bauten nur Kohleneisenstein ab wie die Zeche Dilldorf. Die Mengen waren gering, da die Flöze nur wenige Dezimeter Mächtigkeit erreichten.


Schwarzer Adler
Karl-Funke-Stiftung am Stollenmundloch von Schwarzer Adler
Schwarzer Adler
2018 bei Bauarbeiten freigelegter Stollen von Schwarzer Adler
Schwarzer Adler
Gut Erkennbar ist die Ausmauerung des Stollen
Adler
Zeche Adler in idea- lisisierter Darstellung für Werbezwecke
Adler
Zeche Adler im Jahr 1925
Adler
Das zusammengestückelte Grubenfeld von Adler
Adler
Ehemaliges Verwaltungs- gebäude von Adler
Adler
Eingangsbereich
Adler
Kohlewagen an der Einfahrt der Steinwerke
Adler
Musterausstellung
Adler
Schachtdeckel Adler in der Ausstellung
Adler
Schachtdeckel Adler aus anderer Sicht
Freundschaft
Stollenmundloch von Freundschaft Nr. III
Freundschaft
Stollenmundloch mit Jahreszahl 1857
Freundschaft
Blick in den Stollen
Adler
Lagerplatz der Steinwerke
Victoria
Zeche Victoria im Jahr 1926 - Fördergerüst schon abgebaut
Himmelscroner Erbstolln
Gesichertes Mundloch Himmelscroner Erbstolln
Himmelscroner Erbstolln
Abdeckung des nicht mehr original erhalte- nen Stollenmundlochs
Himmelscroner Erbstolln
Leitung im Stollen und Wasser trotz des Sommers 2018
Victoria
Verwaltungs- und Kauengebäude Victoria von der Rückseite
Victoria
Nachnutzung mit Büros und Discounter
Victoria
Verwaltungs- und Kauengebäude Victoria von der Vorderseite
Victoria
Von Maschinenfabrik genutztes Zechengebäude
Victoria
Schacht Victoria am Rand der Parkplatzes
Victoria
Schacht Victoria am Rand der Parkplatzes
Victoria
Schacht Victoria am Rand der Parkplatzes

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