Zeche Friedrich Wilhelm in Dortmund-Stadtmitte

1815 - 1903



Im Süden der heutigen Innenstadt wurde schon früh Kohle abgebaut. Ursprünglich vor der Stadt in den Grenzen der mittelalterlichen Stadtmauern (heute Ringstraße) und später im Bereich der Westfalenhallen und des Westfalenparks. Die hier betriebenen Stollenanlagen schlossen sich auf Weisung des Bergamts 1814 zur ersten Tiefbauzeche in Dortmund zusammen, da diese untereinander wegen geplanter Tiefbauschächte im Streit lagen. Deren Betrieb begann mit Ausbau der schon im Abteufen befindlichen Schächte.

Die Vorläuferbetriebe waren:

Mit der Ausdehnung der städtischen Bebauung verschwanden die einzelnen Anlagen vollständig. Es sind nicht einmal die Betriebsflächen auszumachen. Lediglich einige Schachtköpfe sind noch auffinbar. Es bestanden insgsamt fünf Betriebsanlagen - jeweils bis zur Erschöpfung der Vorräte. Der Tiefbau hatte mehrfach Probleme mit Wassereinbrüchen durch die alten Stollen an der Emscher. Obwohl diese 1860 abgedämmt wurden ersoff die Anlage 1870 beinahe durch starke Regenfälle. Die Sicherheit unter Tage litt stark durch das im Stollenbau wenig auftretende Methan. Es ereigneten sich zahlreiche Schlagwetterexplosionen, z.T. durch die unzureichenden Erfahrungen aber auch durch Leitsinn. Etwa ab 1885 schwankte die Förderung wegen schlechter Aufschlüsse extrem und fiel zeitweise unter 10000 t/a. Auch der Anstieg auf rd. 50000 t/a ab 1890 brachte keine Besserung, da die Anlagen veraltet waren. Nach dem Konkurs 1893 übernahm die Gewerkschaft Vorwärts den Betrieb, ging aber schon 1913 selbst in Konkurs. Damit war das Ende von Friedrich Wilhelm besiegelt. Nur die Kokerei wurde weiterbetrieben durch die Zeche Crone.

Schlagwetterexplosionen auf der Zeche Friedrich Wilhelm

Jahr Anzahl Tote Verletzte
1852 2 6  
1864 1 2  
1865 2 6  
1866 3   10
1873 1   5
1878 1 2  
1880 1   4
1889 2 4 4
Summe 13 20 25


Die erste Förderanlage entstand aus der alten Stollenzeche Am Busch. Im Westfalenpark ist am Schacht Christine der Nachbau eines Pferdegöpels errichtet worden. Zur Anlage gehörten noch der Mergelschacht und der Wasserhaltungsschacht Wilhelm. Die Schächte hatten keine auffälligen Betriebsanlagen, sondern nur kleine Schachthäuser in denen die notwendige Technik untergebracht war. Sie wurden nach der Stillegung z.T. zu Wohnhäusern umgebaut oder durch andere Betriebe weiter genutzt. Nach knapp 10 jahren waren die Vorräte 1826 erschöpft.

Die zweite Förderanlage lag weiter westlich im Bereich des heutigen DB-Haltepunkts am BVB-Stadion. Sie bestand aus den Schächten Theodor und Friedrich. Am letzteren wurde die Wasserhaltungsmaschine vom Schacht Wilhelm wieder aufgestellt. Am Schacht Theodor wurde mit einem Pferdegöpel gefördert. Die Arbeit erledigte ein betriebsfremder Unternehmer. Somit kann man - mit etwas Wohlwollen - von einem frühen Beispiel für Outsourcing sprechen. Dazu kam ein weiterer Wetterschacht. Der Betrieb lief von 1830 bis 1869, der Schacht Friedrich blieb war noch bis 1886 zur Bewetterung offen. Der Schacht Theodor liegt auf dem Zugang zum DB-Haltepunkt an den Westfalenhallen, erkennbar am Schachtdeckel. Der Schacht Friedrich liegt innerhalb einer Einrichtung der Dortmunder Universität und ist nicht frei zugänglich. Die dritte Anlage entstand zusätzlich zur zweiten etwas nördlicher. Ab 1844 wurde im Schacht Veltheim gefördert. Dazu kamen noch zwei Luftschächte weiter nördlich. Hier entstanden die Tagesanlagen wie Kohlenwäsche und Kokerei, die bis zuletzt in Betrieb blieben. Nach der Stilllegung des Schachts 1885 kam die Kohle mit Pferdefuhrwerken vom Schacht Wilhelm. Von der Anlage ist nichts erhalten. Sie verschwand unter einem Parkplatz, auf dem der Revisionsdeckel zu sehen ist.
Die vierte Förderanlage wurde ab 1856 der Schacht August, der weiter östlich lag und den Bereich bis zur ersten Anlage erschloss. Sie war mit dem Schacht Veltheim durchschlägig, da ein zweiter Schacht aus Sicherheitsgründen Pflicht war. 1885 wurden beide Schächte verfüllt, da die hier geförderte Kokskohle erschöpft war. Die Kokerei lief nach der Gesamtstilllegung 1903 zwei Jahre weiter und wurde dann von der Nachbarzeche Crone übernommen. Deren Kohle erwies sich als ungeeignet und verkaufte die Kokerei an die Zeche Freie Vogel & Unverhofft, die sie nach dem Abriss in DO-Schüren wieder aufbaute. Heute liegt hier etwas südlicher der Phönixsee. Der eingezäunte Schacht liegt innerhalb einer Lagerfläche, die nicht zugänglich ist.
Die Stollenzeche Sonnenblick lag südlich des Westfalenstadions und hatte dort drei bekannte Schächte, die heute mit Parkplätzen überbaut sind. Diese waren maximal etwa 50 m tief. Spuren sind nicht erkennbar.

Die fünfte Förderanlage mit dem Schacht Wilhelm begann an 1872 mit der Förderung. Sie lag weiter nördlich an der B1. Die angetroffenen Flöze waren stark gestört und von 1878 bis 1881 ruhte der Betrieb. Nur von 1888 bis 1892 konnten aus besseren Flözpartien rd. 50000 t/a gefördert werden. Danach siechte der Betrieb bis zum endgültigen Aus 1903 vor sich hin, als der Schacht in Folge von grober Fahrlässigkeit einstürzte. Er war nur mit Holz ausgebaut und hätte ausgemauert werden müssen. Dies war finanziell nicht machbar und hätte wenig für den Weiterbetrieb gebracht. Durch das starke Wachsen der Stadt Dortmund wurde zur Vermeidung von Bergschäden ein Abbauverbot unter der Stadt erlassen.
Die Betriebsgebäude wurden bis 1952 weiter gewerblich genutzt. Danach entstand hier das neue Polizeipräsidium. Der Schacht liegt im Bereich des nicht öffentlichen Parkplatzes. An der Ardeystraße erinnert eine Tafel an die Zeche. Der später geteufte Luftschacht liegt heute unter der nördlichen Fahrbahn der B1. Auch die bis zur Markgrafenstraße reichende Halde ist verschwunden. Nur noch die Vorwärtsstraße (nach der Gewerkschaft Vorwärts als Betreiber) erinnert an Friedrich Wilhelm.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Kokerei
Christine 1812 1813 1826 65  
Wilhelm 1813/15 1816 1826 49  
Mergelschacht 1819 1820 1826 25  
Friedrich 1821 1825 1869 133  
Theodor 1828 1830 1869 133  
Röttger 1830   1837    
Veltheim 1839 1841 1885 207 1840 - 1905
August 1855 1856 1885 198  
Wilhelm 1869 1872 1903 461  
Wihelm w 1884 1884 1903 108  


maximale Förderung 122088 t 1873

durchschnittlich 70000 - 95000 t/a

Die Zeche Friedrich Wilhelm zeigt sehr gut die Schwierigkeiten beim Übergang vom Stollenbau zum Tiefbau, insbesondere die Probleme mit dem jetzt stärker anfallenden Grubengas. Dies machen die auffällig häufigen Schlagwetterexplosionen deutlich. Ein weiterer Punkt ist die ungünstige Geologie mit stark gestörter Lagerung und nur geringen Fettkohlevorräten, die bei der Verkokung gute Erlöse brachten. Fast alle angrenzenden Zechen, die oft deutlich günstigere Abbaubedingungen hatten wurden in den 1920er Jahren stillgelegt, wobei die Sonderkonjunktur durch den 1. Weltkrieg die Entwicklung nur verzögerte.



Schacht August

Hinweistafel am Schacht Wilhelm

Schacht Theodor

zur Auswahl