Zeche Dahlhauser Tiefbau in Bochum-Dahlhausen

1858 - 1965


Dahlhauser Tiefbau Übersicht


Der Betrieb im Tiefbau begann 1858 mit dem Abteufen von Schacht 1. Ein Jahr vorher fand die Konsolidation der Vorgängerzechen (Stollenbetriebe) zu Vereinigte Dahlhauser Tiefbau statt.

Für eine Zeche im Ruhrtal gab es relativ wenig Stollenbergbau vor dem Übergang zum Tiefbau. Dies dürfte an der Geologie der Lagerstätte liegen. Etwa 500 m bis 700 m ab dem Stollenmundloch verläuft eine der Hauptstörungen des Ruhrgebiets, der Primussprung. Da keine Kenntnisse darüber vorlagen war eine Weiterführung des Stollens ein wirtschaftlich unkalkulierbares Risiko. Im Bereich des gemeinsam betriebenen Stollen kam eine weitere Störung dazu, das Altendorfer Blatt. Im Bereich von Störungen kann ein Flöz in seinem Verlauf einige Meter bis mehrere hundert Meter versetzt, unterbrochen oder zerrieben sein.
1914 wurde das Grubenfeld der Essener Zeche Altendorfer Tiefbau übernommen und 1934 die südlich angrenzende Berechsame von Verlorner Sohn. Erst 1955 wurde mit dem Auffahren einer 1,9 km langen Richtstrecke der Abbau im Feld Altendorf vorbereitet und dazu der 1914 nur abgedeckte Schacht Altendorf 2 wieder aufgearbeitet. Ab 1960 begannen die Vorbereitungen zum Anschluss an die Essener Zeche Carl Funke (8,4 km lange Verbindung unter Tage). Im Feld Altendorf startete 1962 nach ersten Versuchen auf der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen der hydromechanische Abbau, der auch nach der Stilllegung 1965 mit der Übernahme von Carl Funke weitergeführt wurde.
Die Brikettfabrik war die erste, die im Ruhrgebiet befriedigend arbeitete. Sie lieferte 1885 Briketts bis nach Italien. Obwohl in Bochum-Dahlhausen gelegen baute die Zeche überwiegend unter dem Stadtteil Bochum-Linden Kohle ab.


Dahlhauser Tiefbau

Dahlhauser Tiefbau Stollen

Dahlhauser Tiefbau Marie

Luftschutzstollen
Die Zeche war eine kleinere Anlage, die eingezwängt in einem Taleinschnitt lag. Die zweite Einschränkung war der Überflutungsbereich der Ruhr. Dadurch waren die Betriebsgebäude ziemlich kompakt am Schacht 2 konzentriert. Da nur Hausbrandkohle anstand reichte der Platz für eine Brikettfabrik (eine Kokerei hätte bei geeigneter Kohle mehr Platz benötigt). Die Zeche wurde 1965 als letzte im Bochumer Süden stillgelegt. Der Betrieb nicht sofort. Die Essener Zeche Carl Funke übernahm den noch 1959 zur Turmförderanlage umgebauten Schacht 2 für Seilfahrt und Materialförderung (Carl Funke 6). 1972 wurden die Tagesanlagen endgültig abgerissen und der Schacht verfüllt.
Heute ist das Zechengelände renaturiert und ein Teil zum Freizeitgelände Chursbusch umgestaltet. In der Steilwand des ehemaligen Steinbruchs ist das Flöz Wasserfall aufgeschlossen. Solche Aufschlüsse sind inzwischen selten geworden, da Steinbrüche oft als Deponien dienten. 2014 wurde das kaum noch erkennbare Flöz erneut frei gelegt und gesichert. Neben der Informationstafel wurde eine Ruhebank aufgestellt. Der Schacht 1 liegt im randlichen Grünstreifen, Schacht 2 auf einer Freifläche neben der Zuwegung der Freizeitanlage. Nach der Sanierung ist nur der Schacht 2 mit einer Infotafrl markiert. Nördlich des Geländes ist noch das ehemalige Ledigenwohnheim erhalten.
1872 wurde ein tonnlägiger Schacht in einem Tal etwas nördlich (heute Straße "Am Krüzweg") abgeteuft, um die dort in einer kleinen vom restlichen Feld isolierten Mulde anstehenden Flöze Sonnenschein und Wasserfall abzubauen. Wie lange der Schacht betrieben wurde ist nicht bekannt. Dort bestand auch schon früher ein Stollenbetrieb, der für die Ableitung des Grubenwasser genutzt wurde. Das Stollenmundloch wurde 1868 beim Eisenbahnbau überdeckt. Der Wasserauslauf ist heute noch zu sehen. Der Schacht wurde nach der Nutzung überwölbt (Einzug eines Tonnengewölbes) und verfüllt. Das Schachthaus wurde noch länger als Schule genutzt. Das Gebäude bestand noch um 1960. In der Nähe lag eine frühe (primitive) Kokerei, die wohl einen Teil der Förderung verwertete. Die gelb markierten Schächte zeichnen etwa den Verlauf der beiden Flöze nach wurden wahrscheinlich zur Bewetterung angelegt. Sichtbare Spuren sind nicht erhalten.

Dahlhauser Tiefbau Luftschächte
Für die Bewetterung des nördlichen Grubenfeldes wurden zwei Luftschächte abgeteuft. Der erste lag in einem bis heute landwirtschaftlich genutzten Bereich. Er war tonnlägig (nicht senkrecht). Es sind keine Relikte erkennbar, da er sicher nur einziehend war und keinen Ventilator benötigte. Der zweite Standort an der Hattinger Straße ist mit Wohnhäusern überbaut. Auch hier sind keine Reste erhalten.

Verlorner Sohn
Die Zeche Verlorner Sohn (Schreibweise auch Verlohrner Sohn und Verlohrener Sohn) war eine Stollenzeche, die 1779 verliehen wurde. Regelmäßiger Abbau fand aber nur von 1839 - 1842 statt. Ab 1909 lebte der Betrieb wieder auf, der nach 1912 unter der Stollensohle weiter ging. 1922 wurde eine Brikettfabrik gebaut, doch schon 1924 erfolgte die Stilllegung und danach der Abriss der Tagesanlagen und der Rückbau des Anschlussgleises. Die Berechtsame übernahm 1934 Dahlhauser Tiefbau. Die Förderung schwankte stark zwischen ca. 20000 t und 50000 t jährlich, maximal 91650 t 1921. Offensichtlich konnten höhere Fördermengen nur durch Raubbau ohne ausreichenden Bergeversatz erreicht werden. In den 50er Jahren des letzten Jahrhundert traten in Hattingen-Baak massive Probleme mit Bergschäden auf. Einer der größten Tagebrüche im ganzen Ruhrgebiet mit einer Tiefe von fast 80 m und einem Durchmesser von etwa 15 m brach 1970 in der Dahlhauser Straße auf. Ein Linienbus war nur wenige Augenblicke davor über die Einbruchstelle gefahren.
Erhalten ist nur die Laderampe. Die beiden Stollen im daneben liegenden Tal haben keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Trotzdem fließt noch immer Grubenwasser ab, das versickert und neben der Rampe autsritt. Am ehemaligen Zechenplatz wurde bei einem Neubau ein Stollen freigelegt - im 2. Weltkrieg für den Luftschutz angelegt. Auch wenn er nichts mit Kohleabbau zu tun hatte wird er wahrscheinlich als Denkmal gesichert. Das Mundloch der Kleinzeche Ruhrtal 1 wenige Meter entfernt ist erhalten. Von 1949 bis 1952 wurden dort von 20 - 30 Bergleuten knapp 6000 t Kohle gefördert.

Übersicht Schachtdaten

Schacht Teufbeginn Inbetriebnahme Stilllegung max. Teufe (m) Brikettfabrik
1 1858 1860 1963 570 1880 - 1972
Marie 1872     120  
Wetterschacht 1 1880 1881 1913 245  
Wetterschacht 2 1897 1898   315  
2 1910 1911 1972 730  
Altendorfer Tiefbau 2 ab 1957        


maximale Förderung 477172 t 1929

durchschnittlich 300000 - 400000 t/a


Das Stollenmundloch Glücksonne wird von dem ehrenamtlich tätigen Verein Bergmannstisch Bochum-Süd e.V. gepflegt. Es gehört zum Bergbaulehrpfad in Dahlhausen, der die Entwicklung vom Stollen bis zum Tiefbau nachvollzieht. Dazu kommen Informationen zu Geologie und Bergbaubetrieben. Startpunkt ist am Bahnhof Dahlhausen. Ausführliche Informationen befinden sich auf der Website des Vereins.


In den Jahren 2013 und 2014 wurden die Schächte Dahlhauser Tiefbau 1 und 2 neu gesichert. Dazu wurde die alte Verfüllung bis etwa 10 m Tiefe entfernt. Dies ist etwa das Niveau der Ruhr. Danach wurden die Schachtköpfe mit Stahlbeton ausgefüllt. Nur eine Revisionsöffnung mit Deckel ist nach dem Abschluss der Arbeiten sichtbar, die Abdeckplatten sind wieder begrünt. Am Schacht 1 wird sich im Laufe der Zeit auch Bewuchs mit Bäumen und Sträuchern wieder einstellen. Den Ablauf der Arbeiten zeigen die folgenden Fotos.

Sanierung   Sanierung

Dicht bewachsener Bereich von Schacht 1 vor Beginn der Sanierung.


Sanierung   Sanierung

Der Stutzen auf der Nachfüllöffnung mit dem Markierungsschild war nur nach einigem Suchen zu finden.


Sanierung   Sanierung

Die Baustelle gegen Ende des Maßnahme. Neben der schon betonierten Abdeckungsplatte sind noch Reste der Fundamente des Schachthauses zu erkennen.


Sanierung   Sanierung

Im Schacht befindet sind noch die Rohrleitung der Wasserhaltung. Im neu verfüllten Bereich wurde sie ausgebaut. Auch Spurlatten und Schachteinbauten blieben im Schacht. Dies ist mit ein Grund für die Sanierung.


Sanierung   Sanierung

Neben der Revisionsöffnung mit dem Deckel liegt der Rohrstutzen für eine eventuell nötige Nachverfüllung. Nach dem Ende der Sanierung ist der Bereich aktuell eine Wiese.


Sanierung   Sanierung

Auch der Schacht 1 war vor Beginn der Sanierung zugewachsen. Schon einige Zeit vor der Sanierung wurde gerodet, da hier mit den Arbeiten begonnen wurde.


Sanierung   Sanierung

Das ausgebaggerte Verfüllgut. Es wurde alles an Schutt und Trümmern verkippt, was gerade anfiel. Heute sind genau definierte Füllmischungen vorgeschrieben. Das Rauchverbot auf der Baustelle war nicht pro forma, da Methanausgasungen nicht völlig auszuschließen sind. Dieses kann auch aus den großen Mengen Grubenholz bei seinem Verrotten stammen.


Sanierung   Sanierung

Hinter dem Baufahrzeug sieht man die Lutte und das Gebläse für die Belüftung des Schachts während der Bauphase. Daneben steht der Befahrungskorb. Vor dem Gießen der Abschlussplatte ist die alte Schachtröhre noch erkennbar.


Sanierung   Sanierung

Beim Einbau der Armierung hatten die Bauarbeiter gut zu tun. Revisionsdeckel mit Schachtkoordinaten nach dem Ende der Arbeiten.


Dieses Beispiel zeigt gut warum mittelfristig mehrere Dutzend Schächte in südlichen Ruhrgebiet saniert werden. Bei den meisten ist dies nur eine Vorsichtsmaßnahme. Im Allgemeinen soll der aktuelle Standard hergestellt werden, damit in Zukunft auch bei einem Absacken der Füllsäule keine Gefährdungen im Schachtbereich auftreten.


Fotos zu Dahlhauser Tiefbau und Verlorner Sohn

Dahlhauser Tiefbau 1
Schacht 1 um 1913
Dahlhauser Tiefbau 1
Schacht 1 in den 1960er Jahren
Dahlhauser Tiefbau 1
Schacht 1 in den 1960er Jahren
Dahlhauser Tiefbau 1
Schacht 1 mit alter Revisions- und Nachfüllöffnung
Dahlhauser Tiefbau 2
Schacht 2 vor der Sanierung
Dahlhauser Tiefbau 2
Schacht 2 mit Revisionsöffnung vor der Sanierung
Dahlhauser Tiefbau 2
Schacht 2 während der Abteufphase
Dahlhauser Tiefbau 2
Schacht 2 bei der Inbetriebnahme
Dahlhauser Tiefbau
Dahlhauser Tiefbau vor 1958
Dahlhauser Tiefbau 2
Schacht 2 im Umbau
Dahlhauser Tiefbau 2
Schacht 2 nach 1958
Dahlhauser Tiefbau
Teile des Zechengeländes bewalden sich allmählich
Dahlhauser Tiefbau
Informationstafel Dahlhauser Tiefbau
Dahlhauser Tiefbau
Lageplan Dahlhauser Tiefbau vor 1958
Dahlhauser Tiefbau Marie
Durchlass Stollen Marie im Bahndamm
Chursbusch
Freizeitgelände am Chursbusch
Flöz Wasserfall
Aufschluss Flöz Wasserfall vor der Sanierung 2014
Flöz Wasserfall
Aufschluss Flöz Wasserfall nach der Sanierung
Stollen Glücksonne
Stollen Glücksonne
Stollen Glücksonne
Stollen Glücksonne Mundloch
Stollen Glücksonne
Zugemauerter Eingang zum Luftschutzstollen
Dahlhauser Tiefbau W1
Luftschacht 1
Dahlhauser Tiefbau W2
Luftschacht 2
Dahlhauser Tiefbau Wohnheim
ehemaliges Lehrlingsheim
Zeche Ruhrtal 1
Stollen Ruhrtal 1
Zeche Ruhrtal 1
Stollenmundloch Ruhrtal 1
Zeche Ruhrtal 1
Förderwagen am Standort Verlorner Sohn
Verlorner Sohn
Luftschutzstollen 2012
Verlorner Sohn
Tafel an der Laderampe
Verlorner Sohn
Laderampe
Verlorner Sohn
austretendes Grubenwasser

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