Für einen Einstieg in das Thema habe ich einige kommentierte Tipps zusammengestellt. Die meisten Bücher sollten im Buchhandel erhältlich sein.

Die "Bibel" für jede/n Interessentin/en am Thema Ruhrbergbau - inzwischen in der dritten Auflage. Für alle Schachtanlagen sind die wichtigsten Daten chronologisch aufgelistet. Ich habe bisher nur einen Fehler gefunden auf Seite 995. Dort wird die Kokerei Victor 1/2 im Jahr 1031 ausser Betrieb genommen - doch nur ein Tippfehler.
Dazu kommen Übersichten zum Ruhrbergbau ab den ersten belegten Quellen 1632, Angaben zu den unterschiedlichen Maßangaben, die jahrhundertelang benutzt wurden und ein Glossar - mit 1197 Seiten ein echtes Buchbrikett.


Eine Ergänzung zu den Zechendaten ist die Auflistung von dokumentierten Unglücken (auch Erz-, Salzbergbau und weitere). Hier lässt sich gut nachvollziehen, wie z. B. die Schlagwetterexplosionen mit der Nordwanderung des Bergbaus zunahmen und anfangs besonders den Dortmunder Raum trafen, da hier früh gasreichere Kohle abgebaut wurde. Ebenso wird schnell die Korrelation von Grosszeche und Zahl der Todesopfer deutlich oder etwa ab 1960 vermehrte Gesteinseinbrüche mit Verschüttungen in Folge stärkerer Mechanisierung und langer Abbaufronten.


Der Bildband gibt mit historischen Fotos einen Überblick der Teilbereiche eines Bergwerks wieder. Der Zeitraum beschränkt sich auf die Zeit vor der Mechanisierug. So sind die Bilder vor dem 2. Weltkrieg entstanden. Sie sind thematisch gruppiert, z.B. Abbau unter Tage, Kokereibetrieb oder Grubenwehr. Die Lektüre sollte mit einem Besuch des Bergbaumuseums Bochum mit dem Anschauungsbergwerk und der Zeche Zollern verbunden werden, da die Fotos so besser der (wenn auch nur musealen) Arbeitssituation zugeordnet werden können.


Der zweite Band hat den Schwerpunkt Mechanisierung unter und über Tage. Diese fand verstärkt zwischen 1950 und 1970 statt. Die Fotos stammen überwiegend aus diesem Zeitraum. Besonders anschaulich wird der Maschineneinsatz unter Tage, Menschen sind nur noch Randfiguren. Die Fotostrecken sind wieder thematisch gruppiert.


Das Buch ist ein Mix aus alten und neuen Fotos (viele Luftbilder) mit eingestreuten Texten, die etwas oberflächlich bleiben. Bei den Bildertexten ist oft von kläglichen Resten zu lesen, weil wohl nicht Besseres einfiel und auf Seite 67 wird die erste Emschermündung nach Oberhausen verlegt. Die ansonsten sehr aufwändige Machart des Buchs hätte etwas mehr Sorgfalt bei den Texten verdient, ist aber lesenswert.


Sehr sorgfältig gemachter großformatiger Bildband. Die Fotos sind aus dem Bestand des Bergbauarchivs Bochum und werden hier im Kontext der Werksfotografie vorgestellt. Vor chronologisch geordneten Kapiteln steht jeweils eine kurze Einführung. Schlußpunkt bildet die Stilllegungswelle ab der Mitte der 1960er Jahre. Sehr guter Überblick vom Beginn der Industrialisierung bis zu ihrem Niedergang nach knapp 100 Jahren.


Das Buch ist eine Dokumentation der noch bestehenden Fördergerüste bis etwa 2010. Zu jedem Bild ist die GPS-Koordinate angegeben. Gleich am Anfang fehlt erstaunlicherweise das Turmfördergerüst von Schacht Friedrich Heinrich 1, das direkt neben dem dokumentierten Schacht 2 steht. Es fehlen einige weniger bekannte Schächte wie Hansa 5. Insgesamt ein schöner Überblick, der zum Besuch der Standorte animiert - mit Hilfe des Navis.


Dieses Buch widmet sich einem Randthema, das mächtig ins Auge springt, den Abraumhalden. Alle für die Öffentlichkeit frei gegebenen Halden werden vorgestellt mit Karte und Bildern. Besonders herausgestellt werden die Installationen, z.B. Tetraeder oder Himmelstreppe. Ein Steckbrief gibt einen schnellen Überblick über die Tauglichkeit für Wanderer, Mountainbiker und den allgemeinen Zustand der Halden.


Eine Fleissarbeit, die immer wieder als Quelle auftaucht, auch bei Wikipedia. Leider gibt es sehr viele Fehler, besonders bei der Zuordnung der Fotos. Beispiel: Auf Seite 199 wird ein Uhrenturm zu einem Förderturm, den es nie gab. Die dringend nötige Errataliste wird es wohl niemals geben.


Eine Zeitreise in das Jahr 1784, als der junge Freiherr vom Stein das damalige Ruhrgebiet, das tatsächlich nur an der Ruhr und südlich davon lag bereiste. Die Originaltexte sind etwas gewöhnungsbedürftig, zeigen aber auch wie viele der damals verwendeten Begriffe heute noch in Gebrauch sind. An einigen Beispielen wird gezeigt, wie sich aus den winzigen Stollenbetrieben Zechen entwickelten, die bis zur Stilllegungwelle in den 1920er Jahren die industrielle Entwicklung am Südrand des Ruhrgebiets vorantrieben. Eine Gegenüberstellung von Karten aus dieser Zeit mit aktuellen zeigt deutlich die rasante Entwicklung des fast menschenleeren Agrargebiets zur heutigen Stadtlandschaft.


Nach Stadtbezirken gegliedert sind hier alle belegten Zechen in Bochum beschrieben. Der älteste Stollenbetrieb von 1620 lag in Dahlhausen (Kohlberg des Johannes zu Dahlhausen); die letzte Zeche schloss 1974 in Wattenscheid (Holland). Zu den einzelnen Betrieben werden chronologisch die wichtigsten Betriebsdaten aufgelistet. Dazu kommen Fotos der Betriebsanlagen. Besonders interessant sind dabei die Nachkriegszechen im Bochumer Süden. Abgerundet wird die Darstellungen durch Statistiken und Vorstellung der mit dem Bergbau verbunden Institutionen und Industriebetriebe (z.B. Bergbaumuseum, Bundesknappschaft oder Maschinenfabrik Eickhoff).


Die Essener Zechen werden nach Stadtteilen zusammengefasst und die größeren kurz beschrieben. Ergänzend kommen dazu Fotos, Pläne und erklärende Darstellungen.
In einem Kartenteil wird die Lage alle Stollen und Schächte dargestellt. Da als Grundlage der Essener Stadtplan dient, kann man nur bei größeren Anlagen oder deutlichen Relikten die Schächte lokalisieren. Ansonsten hilft eine gute Ortskenntnis bei der Suche.


Der Autor hat für den größten Dortmunder Stadtbezirk die Geschichte des Bergbaus bearbeitet und dabei den Bezug zur Entwicklung der Betriebe der Eisen- und Stahlindustrie besonders berücksichtigt. Mehrere Flöze in diesem Bereich waren mit Eisenerz angereichert, das einige Jahrzehnte an die Hüttenwerke geliefert wurde. In diesem Zusammenhang wird auch die Bedeutung der wirtschaftlichen Aktivitäten Friedrich Harkorts für Hombruch gewürdigt. Viele Fotos, Karten und Pläne ergänzen die Chroniken zu den Zechenbetrieben. Gut lesbare Zusammenstellung auch ohne Vorkenntnisse zu Bergbau und Stahlindustrie, die zusammen den Montanbereich bilden. Genau diese Verbindung macht das Buch deutlich.


Ein Schmöker zum (neben dem Stilleben auf der A40) sicherlich dem Highlight der Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt 2010. Nach einer kurzen Einführung zu Vorbereitung und Ablauf der Aktion werden alle Standorte kurz vorgestellt, auch wie sie heute genutzt werden. Im zweiten Teil folgen Fotos zu Aktionen und Veranstaltungen unter den Ballons, die auch die sehr gute Resonanz wiedergeben. Nicht nur für Lokalpatrioten interessant und bringt über zwei Kilo auf die Waage.


Schwarz-Weissfotos überwiegend aus den 1960er Jahren zeigen das Ruhrgebiet vor den großen Brüchen durch den massiv einsetzenden Strukturwandel. Wenige Autos auf den Straßen und insgesamt etwas verschnarcht - eben noch die Malocherregion.


Die Luftbilder aus der Zeit zwischen 1924 und 1938 lassen gut erkennen, wie "leer" das das Ruhrgebiet damals noch war. Zechen und Industrieanlagen liegen isoliert. Nur die Kernstädte am Hellweg und an der Emscher sind teilweise zusammengewachsen, dann aber meist chaotisch. Dafür zwei Beispiele:

Heute eine fast durchgehende Bebauung, 1927 nur die Zeche Bonifacius mit Kolonie. Gut zu erkennen sind die Bauphasen. Daneben entwickeln sich Häuserzeilen privater Bauherren. Die Zechenkolonie ist geplant gebaut worden und liegt wegen der Hauptwindrichtung westlich der Zeche. Die Kokerei wird gerade abgerissen. Die Zeche Tremonia zeigt eine völlig ungeplante Gemengelage aus Zeche, Halde und Bahngleisen. Dazwischen zufällig eingezwängt private Wohnhäuser. Eine kleine Zechensiedlung lag unterhalb des Bildausschnitts.


Das Buch von Hans Spethmann war die erste landeskundliche Gesamtdarstellung des Ruhrgebiets. Begonnen wird mit der Besiedlung und der Geschichte bis zur Industrialisierung. Es folgt die Bestandsaufnahme der aktuellen Situation mit dem Schwerpunkt Kohle und Stahl. Auch die Auswirkungen auf Siedlung, Landschaft und Verkehr werden betrachtet und Ansätze einer zentralen Planung (Emschergenossenschaft, Ruhrsiedlungsverband) vorgestellt. Der dritte Band thematisiert die schon damals krieselnde Kohlewirtschaft und den aktuellen Stand zur Geologie der Kohlenlagerstätte.
1995 wurde die Ausgabe von 1933 als Faksimile neu aufgelegt. Anlass war das 75jährige Bestehen der Geographischen Gesellschaft für das Ruhrgebiet.


Ein weiteres Buch aus ganz anderer Sicht zeigt das Revier von 1928. Der Autor schrieb im Auftrag des Fischerverlags und fotografierte selbst. Die Reportagen sind nur als Buch erschienen und stellen das damalige Ruhrgebiet als spannende Region dar (Schmelztiegel). Dazu fuhr Hauser mit einem Nobelcabriolet 6000 km durch das Revier, also nicht sehr unauffällig. Seine Beschreibungen wirken authentisch, da er 1919 zwei Monate als Praktikant bei Krupp in Essen und 1922 mehrere Monate am Hochofen in Duisburg-Ruhrort arbeitete. Lesenswerter kommentierter Nachdruck als Begleitband zur Austellung der Fotos im Ruhrmuseum auf der Zeche Zollverein 2010. Der Klassiker der Ruhrgebietsbeschreibung aus journalistischer Sicht. Schon 1931 folgte Kohlenpott von Georg Schwarz, herausgegeben von der Büchergilde Gutenberg (nur antiquarisch erhältlich) aus sozialkritischem Blickwinkel. Auch spannend, kann aber das Niveau von Hauser nicht erreichen. Der Autor als KPD-Mitglied im passiven Widerstand gegen Hitler wurde 12. Januar 1945 hingerichtet.


Eine etwas augenzwinkernde Sicht auf das heutige Ruhrgebiet gibt Die wunderbare Welt des Ruhrpotts. Die beiden Redakteure arbeiten als Redakteure bei spiegel online. Konrad Lischka beschreibt eher die sich entwickelnde Kulturszene Ende des letzten Jahrtausends, Frank Patalong den miterlebten Strukturwandel ab den 1970er Jahren. Dabei wird immer die historische Entwicklung einbezogen und die besonderen "Macken" der Ruhrgebietler beleuchtet. Einige Ausflugs- und Freizeittipps, eine Literaturliste und im Ruhrgebiet gedrehte Spielfilme runden das Buch ab. Das Ganze steht unter dem Slogan: Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach.


Ein Reiseführer zu den weiter genutzten Zechenrelikten. Natürlich wird das Weltkulturerbe Zollverein gewürdigt. Neben den industriegeschichtlichen und kulturellen Aspekten kommen Gastronomie und Veranstaltungsorte nicht zu kurz. Es gibt daneben auch Standorte, die weniger auffallen und deren Bestand teilweise gefährdet ist wie der Schacht Osterfeld 4. Für eine Reiseplanung zu den gut sichtbaren Bergbauspuren eine nicht verzichtbare Hilfe.


Ein Lesebuch, das nicht von den üblichen Verdächtigen stammt. Hier schreiben Studenten im Masterstudiengang (meist in Geschichte). Es sind keine Chroniken entstanden, sondern eine Mischung von Thematiken rund um den Bergbau. Es geht vom Unternehmerporträt über den Alltag in den Zechenkolonien bis zu Streiks, Grubenpferden oder Profite bei der damals nicht nachzuvollziehenden Stilllegung der hochmodernen Zeche Graf Bismarck. Dazu wird eine Menge interessantes Material aus den Archiven gut lesbar (daher Lesebuch) aufbereitet.


Durch ein neues Dach ist der Erhalt des Schachtturms Brockhauser Tiefbau langfristig gesichert. In diesem Zusammenhang hat der Autor eine Chronik erstellt, die den Übergang vom Stollenbergbau zum Tiefbau im Raum Bochum-Stiepel beschreibt. Der Turm ist ein einzigartiges Denkmal aus dieser Bergbauphase.

Nicht im Buchhandel erhältlich,
bei Interesse über Knappenverein Stiepel.